Totalausfall: Arztpraxen wütend auf Vodafone

Seit knapp zwei Wochen geht in zwei Arztpraxen weder Internet, noch Telefon. Und 74 weitere Kunden sind betroffen.

von Anke Donner


Peter Kornek ist sauer. Seit gut zehn Tagen ist seine Praxis ohne Telefon und Internet.
Peter Kornek ist sauer. Seit gut zehn Tagen ist seine Praxis ohne Telefon und Internet. Foto: Anke Donner

Wolfenbüttel. In den Praxen von Dr. Friederike Baxmann und Peter Kornek stehen seit gut zehn Tagen die Telefone still. Auch das Internet funktioniert seit dem 19. August nicht mehr. Für den Praxisablauf eine absolute Katastrophe, sagt der Internist und Hausarzt Peter Kornek. Zumal Anfragen zu Ursache und Behebung der Störung nur unzureichend beantwortet würden, sagt er.


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Nur durch Zufall habe Kornek sonntagabends festgestellt, dass in seiner Praxis in der Bahnhofstraße weder Internet noch Telefon gehen, erzählt er im Gespräch mit regionalHeute.de. Und auch am Montag seien bei Praxisbeginn die Leitungen tot gewesen. Der Internist war weder für Patienten, noch für Labore, Ärzte und Krankenkassen erreichbar. Für den Arzt und auch seine Patienten ein großes Ärgernis, sagt er.

Vodafone vertröstet


Über die Vodafone-Störungsstelle sei ihm dann mitgeteilt worden, dass die Störung am Nachmittag behoben sein sollte. Doch auch hier passierte nichts. Die Leitung war immer noch gestört. "Als ich erneut bei Vodafone anrief, hieß es dann plötzlich, der Schaden soll bis zum 28. August behoben sein. Aber bis heute geht hier gar nichts", so Peter Kornek, der inzwischen rechtliche Schritte prüfen lässt und dies seinem Anbieter auch schriftlich mitgeteilt habe. Eine Antwort habe er aber noch nicht erhalten. Überhaupt sei er von dem Service bei Vodafone sehr enttäuscht, macht Kornek seinem Unmut Luft, der weiter anwächst, je länger die Störung dauert.

"Als ich fragte, ob es die Möglichkeit einer Rufumleitung gebe, sagte man mir, das sei nicht möglich. Schlussendlich habe ich dann selber herausgefunden, wie das geht. Aber wir haben jetzt nur eine Leitung, um überhaupt für die Patienten erreichbar zu sein", klagt er. Für seine Patienten, aber auch für den Praxisablauf sei das eine absolute Zumutung. Vieles, wie Befunde und Arztbriefe, könne überhaupt nur noch digital übermittel oder abgefragt werden. Auch das Auslesen der Krankenkassenkarten gehe ausschließlich über das Internet. Der Ausfall von Telefon und Internet bedeute für den Arzt mehr Kosten und Aufwand. Inwiefern das gegenüber Vodafone geltend gemacht werden könne, wolle er prüfen lassen.

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Kritik an Kundenservice


Ein weiteres Ärgernis sei die Kommunikation, kritisiert der Arzt. Die reiche nämlich von wenig bis gar nicht. Viele Anfragen, Anrufe und E-Mails seien schlichtweg nicht beantwortet worden. Und wenn geantwortet wurde, so sei der Wahrheitsgehalt eher fragwürdig, sagt der Arzt und macht das an einer Aussage fest, die Vodafone zur Ursachenbehebung gemacht haben soll. "Am Freitag wurde mir mitgeteilt, dass man den Fehler für die Störung gefunden hat. Um den Schaden zu beheben, seien jedoch Erdarbeiten notwendig. Die entsprechende Baugenehmigung sei bei der Stadt zwar gestellt, bisher aber nicht erteilt worden. Sobald diese vorliegen würde, könne mit den Arbeiten begonnen werden", berichtet er aus dem Gespräch mit Vodafone.

Stadt weiß von nichts


In der Hoffnung, die Sache etwas zu beschleunigen, rief er beim Tiefbauamt der Stadt an. Doch zu seiner Überraschung habe man ihm dort mitgeteilt, dass eine solche Anfrage nicht vorliege und grundsätzlich auch gar nicht erteilt werden müsse. Das bestätigt auch Stadtsprecher Thorsten Raedlein auf Nachfrage von regionalHeute.de. Eine Bauanfrage Vodafones habe es nicht gegeben. "Für die ausführenden Baufirmen gilt, dass sie solche Arbeiten auch ohne die Genehmigung der Stadt durchführen dürfen. Warum Vodafone behauptet, man würde auf die Freigabe der Stadt warten, würden wir auch gerne wissen", so Raedlein.

"Anbieter müssen Pflicht nachkommen"


Die Zahnärztin Dr. Friederike Baxmann hat in ihrer Praxis weder Internet, noch Telefon.
Die Zahnärztin Dr. Friederike Baxmann hat in ihrer Praxis weder Internet, noch Telefon. Foto: Anke Donner


Auch die Zahnärztin Dr. Friederike Baxmann, die ihre Praxis unmittelbar neben der von Peter Kornek hat, ist von dem Vodafone-Totalausfall betroffen. Hier habe man die Störung ebenfalls am Sonntag festgestellt. "Sie bestand allerdings wohl schon seit Freitag. Da mein Mann beruflich mit Telekommunikation zu tun hat, konnte er uns recht schnell eine Umleitung einrichten. So haben wir wenigstens eine Leitung für die Patienten." Damit die Praxis zumindest ein wenig Internetzugang hat, habe man sich einen Hotspot über das Handy gelegt. "Die Karte müssen wir aber alle paar Tage aufladen", sagt sie.

Ärgerlich und belastend sei die Situation dennoch. Der Ablauf in der Praxis sei massiv gestört, viele Arbeitsschritte gingen nicht, oder würden sehr lange dauern. Kritik übt die Zahnärztin ebenfalls am Service von Vodafone. "Wir haben mehrmals angerufen und um Klärung gebeten und darum, dass man sich mit uns in Verbindung setzen möge. Es gab keine Rückmeldung."

Außerdem sieht die Ärztin auch die Politik in der Pflicht. "Wir mussten die Digitalisierung mitmachen. Wir haben viel Zeit, Geld und Arbeit in die Umsetzung gesteckt. Wir erfüllen unserer Pflicht und der Staat muss regeln, dass die Anbieter dieser Pflicht ebenfalls nachkommen, damit wir das, was uns aufgezwungen wurde, auch erfüllen können."

Schaden bald behoben


Vodafone antwortet auf Nachfrage von regionalHeute.de, dass die Störung seit dem 17. August bestehe und derzeit an der Behebung gearbeitet werde. "Bei bis zu 76 Kunden sind Kabel-TV, Internet und Festnetz-Telefonie vorübergehend nicht verfügbar. Ursache ist ein Anbindungsfehler auf dem unterirdischen Kabelstrang, über den diese 76 Kunden an das Vodafone-Kabelnetz angeschlossen sind. Konkret ist die Stromzufuhr zu dem örtlichen Verteilerpunkt, über den die 76 Kunden versorgt werden, unterbrochen. Die Reparaturarbeiten sind in der Planung und Ausführung sehr aufwändig, denn es sind zwingend Tiefbauarbeiten erforderlich", sagt Unternehmenssprecher Volker Petendorf.

Seinen Aussagen zufolge werde derzeit das genaue Reparaturkonzept erstellt, damit die finalen Reparaturarbeiten umgehend durchgeführt werden können. "Die finalen Tiefbauarbeiten vor Ort werden am morgigen Donnerstag beginnen und nach aktuellem Stand innerhalb von ein bis zwei Tagen abgeschlossen. Wenn alle Arbeiten planmäßig verlaufen, können die 76 betroffenen Kunden das Kabelnetz im Laufe des Freitags wieder in vollem Umfang nutzen. Durch diese akribische Vorgehensweise werden tage- oder gar wochenlange Baugruben verhindert", so Petendorf.

Alles nur ein Missverständnis?


Aussagen seitens des Unternehmens, man warte auf die Baugenehmigung der Stadt Wolfenbüttel, seien ihm nicht bekannt. Er könne nicht nachvollziehen, ob solche Angaben gegenüber Kunden gemacht wurden, oder von wem. Möglich sei auch, dass man bei der Aussage von einer anderen Baustelle gesprochen, oder der Kunde etwas falsch verstanden habe, mutmaßt Petendorf. Für gewöhnlich sei bekannt, dass man für derartigen Arbeiten keine Genehmigungen der Kommune braucht.


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