Wie die Pfalz Werla das erste Deutsche Reich rettete

Das Themenjahr „Das Erbe und Relikte der Ottonen in unserer Stadt und Region“ des Vereins Kulturstadt Wolfenbüttel startet am Donnerstag mit einem Vortrag.

Dr. Brage Bei der Wieden.
Dr. Brage Bei der Wieden. | Foto: Kulturstadt Wolfenbüttel e.V.

Wolfenbüttel. „Das Erbe und Relikte der Ottonen in unserer Stadt und Region“, so lautet das Themenjahr 2026 des Vereins Kulturstadt Wolfenbüttel. Zum Auftakt gibt es am 5. März um 19 Uhr einen Vortrag von Dr. Brage Bei der Wieden. Darauf weist der Verein in einer Pressemitteilung hin.



Die Veranstaltung mit dem Titel "Kaiserin Theophanu und die Rätsel ihrer Urkunde" findet im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Wolfenbüttel, Forstweg 2 in Wolfenbüttel, statt. Eine telefonische Anmeldung unter 05331 935 0 ist erwünscht.

Der erste deutsche König


„Schöne Gestalt, schönes Antlitz, königliche Haltung, Festigkeit, Gelassenheit und vermutlich die kühle Kindlichkeit, der gutmütige Humor und die Spielfreude, die dem niedersächsischen Menschen eigen sind, machten Heinrich zum Liebling des Volkes und der Sage“ – so charakterisiert Ricarda Huch in ihrer bedeutenden Geschichtsdarstellung „Römisches Reich Deutscher Nation“ den ersten deutschen König, mit dem unter den schwierigsten Rahmenbedingungen 919 die deutsche Reichsgeschichte begann und Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben, Thüringer und gelegentlich auch Lothringer unter der königlich-kaiserlichen Herrschaft für nahezu neunhundert Jahre vereinigte.

Diese Reichsbildung wäre aber gescheitert, wenn es Heinrich nicht gelungen wäre, durch Abwehr der Ungarneinfälle, der gefährlichsten außenpolitischen Bedrohung, Herr zu werden und damit die geschichtliche Lebensfähigkeit des jungen Reiches nachdrücklich unter Beweis zu stellen, so der Verein Kulturstadt Wolfenbüttel. Hier komme nun unsere Region ins Spiel.

Flucht in die Werla


Denn Heinrich I. war zunächst der Schnelligkeit und Wendigkeit der ungarischen Beutekrieger gegenüber wehrlos gewesen, als er ihnen bei der ersten sich bietenden Gelegenheit selbst entgegentrat. Als sie im Jahre 926 in Thüringen und Sachsen plündernd einfielen, konnte er sie nicht aufhalten, sondern musste zurückweichen und in der in unserer Zeit wiederentdeckten Pfalz Werla, mitten im Kerngebiet sächsischer Herrschaft, Schutz suchen.

Widukind von Corvey, der Historiograph der ottonischen Herrscher, berichtet in einer berühmten Schilderung, wie dem König in dieser bedrängten Lage ein glücklicher Zufall zu Hilfe kam, da der Anführer der Ungarn in seine Hände geriet. Bei den folgenden Verhandlungen kam im Tausch gegen die Auslieferung des ungarischen Fürsten ein neunjähriger Waffenstillstand, allerdings gegen Tributzahlung, zustande, der Heinrich in die Lage versetzte, die Grenzsicherung durch Burgenbau zu veranlassen und das Heer auch durch Aufbau von Reitertruppen zu reorganisieren und schlagkräftig zu machen.

Ungarn entscheidend geschlagen


933 konnte Heinrich somit ein Heer aller deutschen Stämme aufbieten, beendete die Tributzahlungen und schlug die Ungarn so entscheidend in der Schlacht bei Riade, dass sie während seiner Regierungszeit nicht mehr zurückkehrten. Unsere Region und Sachsen spielten also bei der Reichsbildung eine wichtige Rolle, und die Geschichte des deutschen Reiches (Otto von Freising, 1111 bis 1158,: „Francorum regnum orientale – quod Teutonicum dicitur“) beginnt mit den Ottonen, denen sich das Themenjahr 2026 widmet. Unter ihrer Herrschaft erlangte es seine Eigenständigkeit und seine Identität, die bei den folgenden Herrscherwechseln als selbstverständlich galt.

Am 5. März, anlässlich der feierlichen Eröffnungsveranstaltung im Staatsarchiv Wolfenbüttel, wird die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu, eine der eindrucksvollsten Frauenpersönlichkeiten der ottonischen Zeit, Gattin des Enkels von Heinrich, des Kaisers Otto II. und Mutter seines Urenkels, des ganz jung verstorbenen Kaisers Otto III., präsentiert.