Zertifikate an zugewanderte Väter übergeben

von Christina Ecker


Sozialpädagoge und Gesprächsgruppenleiter Lars-P. Förstermann-Gössel überreicht einem der Gruppenteilnehmer die verdiente Bescheinigung. Foto: Christina Ecker
Sozialpädagoge und Gesprächsgruppenleiter Lars-P. Förstermann-Gössel überreicht einem der Gruppenteilnehmer die verdiente Bescheinigung. Foto: Christina Ecker Foto: Christina Ecker

Wolfenbüttel. Im November 2016 haben die Diakonie und die Evangelische Familien-Bildungsstätte eine Gesprächsgruppe für zugewanderte Väter ins Leben gerufen. In dieser Gruppe wurden verschiedene Werte vermittelt. Dafür haben sie am Mittwochabend ein Zertifikat erhalten. 


Anfang 2016 sind viele Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland eingewandert, so auch nach Wolfenbüttel. Darunter gab es viele Frauen; Schwangere, Mütter kleiner und großer Kinder, die sich in der Diakonie und in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte zu Themen wie Schwangerschaft, Umgang mit dem Baby und Grundrechten in Deutschland beraten ließen. Dadurch entstand die Idee, dass es den Familien nur entgegenkommen könnte, wenn sich auch die zugewanderten Väter angemessen informieren könnten.

Gewalt gegen Frauen als Thema


So startete letzten Endes im November die genannte Gesprächsgruppe unter der Leitung des Sozialpädagogen Lars-P. Förstermann-Gössel. Mit 12 Männern verschiedenster Herkunft erarbeitete er unterschiedliche Themen wie Religion, Grundrechte, Politik, Zusammenleben in der Familie, Aufenthaltsrecht und Arbeitsmarkt. Natürlich gehören zu jedem Thema diverse Unterkategorien, sodass man sich vor allem eingehend bei den Grundrechten auf Rechte von Frauen und Kindern sowieFamilienrecht bezog. Und auch bei dem Thema "Zusammenleben in der Familie" ging es viel um Ehe und Partnerschaft an sich, aber auch Sexualität, neben Rechten und Pflichten der Familienmitglieder. „Gerade dass solche Themen bei uns auch gesetzlich verankert sind wie eben die Rechte der Frauen; also beispielsweise eben keine Gewalt anzuwenden, stieß auf unterschiedliche Reaktionen", erklärt Förstermann-Gössel. „Von 'das war mir klar, dass das nicht in Ordnung ist' über 'weiß ich, hab ich im Integrationskurs gelernt' bis hin zu 'ich mache das, weil es Gesetz ist' ist wirklich alles vertreten", erklärt Förstermann-Gössel weiter. Insgesamt ist es aber so, dass alle sehr viel gelernt und sich als Gruppe entwickelt hätten.

Gemeinsam essen und gemeinsam lernen


Anfänglich fanden die Gesprächejede Woche für zwei Stunden statt und nach zehn erreichten Treffen - die als Voraussetzung für die zu erreichende Bescheinigung galten - noch einmal im Monat für zweieinhalb Stunden. Dabei laufen die Begegnungen immer gleich ab: Zunächst trifft man sich, deckt gemeinsam den Tisch, um anschließend zusammen zu essen. Dafür nimmt mansich viel Zeit und tauscht sich aus. Erst danach folgt der zweite - sachlichere - Teil des Abends: Förstermann-Gössel vermittelt die Inhalte der aktuellen Sitzung: Manchmal klassisch in Form von Frontalunterricht an der Tafel, aber auch sitzend in der Runde zwischen den Teilnehmern - oder per Internet mit Programmen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, über die sich die Gruppenteilnehmer auch zu Hause informieren können. "Also all das, was hier vermittelt wird, ist nicht mit dem Zeigefinger gedacht", sagt Förstermann-Gössel. Vielmehr gehe es darum, wichtige Werte und Rechte zu vermitteln und natürlich die Bescheinigung zu erhalten. „Vor allem sollen diese Zertifikate den Teilnehmernauch als Weiterintegrationsmaßnahme dienen undsich in den Lebenslauf einfügen."

Dolmetschen? Kein Problem


Doch wie werden bei einer so bunten Mischung unterschiedlicher Nationalitäten wie Afghanen, Libanesen, Syrern, Kurden die Inhalte der einzelnen Treffen vermittelt? „Mit Übersetzern", lacht der Sozialpädagoge und erklärt, dass Mohammed El-Outa als hauptamtlicher Diakonie-Mitarbeiter und ein Mann deutsch-iranischer Herkunft das Dolmetschen übernehmen.


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