Wolfsburg. Der Weg nach Wolfsburg war für The Props deutlich weiter als für die meisten Besucher im Hallenbad. Die vier Musiker aus Los Angeles eröffneten am Samstagabend für Jupiter Jones – und machten vom ersten Moment an deutlich, wie sehr sie ihre erste Europatour genießen. Danach übernahmen Jupiter Jones mit alten Bekannten, neueren Songs und einer politischen Ansage, die zu den eindringlichsten Momenten des Abends gehörte.
„You guys are the best music fans in the world“, riefen The Props dem Publikum zu und forderten die Menschen vor der Bühne immer wieder auf, sich zu bewegen. Die Band sei zum ersten Mal überhaupt auf Europatour und in den vergangenen Tagen quer durch Deutschland unterwegs gewesen. Auch der Grund für den Abstecher nach Wolfsburg wurde noch einmal lautstark verkündet: „We are here to support the wonderful, the amazing Jupiter Jones.“ Viel Überredung brauchte das Publikum dafür allerdings nicht.
Zur Familie gehören
The Props spielten unter anderem Songs ihrer im April erschienenen EP „Arrow“. Neben dem Titelstück gehörte „Camel Blues“ zum Set. „Hexes“ führte schließlich in das Finale, bevor sich die Band mit „Get Off“ verabschiedete. Die Musiker gaben den Wolfsburgern dabei gleich noch einen Auftrag mit auf den Weg: Der Song solle bei den deutschen Radiosendern gewünscht werden. Wer das mache, gehöre zur Familie.
Eine Erwähnung bekam auch Janis, die The Props und Jupiter Jones als Tourfotografin begleitet. Sie lasse die Musiker auf den Bildern deutlich besser aussehen, als sie tatsächlich aussähen, hieß es scherzhaft von der Bühne.
Champagnerempfang satt
Dann waren Jupiter Jones an der Reihe. Mit „Champagnerempfang satt“ startete die Band in den Abend. Danach spannte sich die Setlist durch verschiedene Phasen der Bandgeschichte. „Alter Mann“, „Rennen + Stolpern“ und „ImmerFürImmer“ standen ebenso darauf wie „Eine Landjugend“, „4-9-6 Millionen“ und „Überall waren Schatten“. Nicholas Müller freute sich früh über die Resonanz im Hallenbad. Es sei „sehr schön und sehr, sehr schön“, so viele Menschen vor der Bühne zu sehen.
Später wurde der Ton deutlich ernster. Vor „Faschopartei“ nahm sich Müller mehrere Minuten Zeit für eine politische Ansage. Eine ähnliche Rede habe er während der Tour inzwischen mehrfach gehalten, sagte er. Dass er dafür bislang keinen Gegenwind bekommen habe, mache ihm Hoffnung. Die Vorstellung eines unpolitischen Menschen stellte Müller dabei grundsätzlich infrage. Seine zwölfjährige Tochter müsse sich inzwischen gefühlt bereits mit Politik beschäftigen. „Das geht leider dieser Tage nicht anders“, sagte er.
Dann formulierte er die Botschaft, um die es ihm ging: „Faschisten sind in Deutschland in der Minderheit. Das ist gut, aber leider nicht genug.“ Es müsse wieder Gründe geben, sich dafür zu schämen, Nazi zu sein, statt damit in den Bundestag einzuziehen, machte Müller deutlich. Jeder könne dabei nur das tun, was ihm möglich sei. Für Jupiter Jones bedeute das, den Mund aufzumachen – und das in musikalischer Form. Denn eines sei für ihn klar: Wenn man leise werde, habe man verloren.
Ausflug ins Rap-Fach
Dazu passte „Faschopartei“, das Jupiter Jones gemeinsam mit RYKO veröffentlicht haben. Der Comedian und Content Creator aus Essen, bekannt als „Bürgermeister vom Ruhrpott“, übernimmt im Song den Rap-Part. Da RYKO in Wolfsburg nicht dabei war, sprang Sänger Nicholas Müller selbst ein – und kündigte seinen Ausflug ins Rap-Fach mit einem Augenzwinkern an. Wie überzeugend das am Ende klang, überließ er dem Publikum.
Danach ging es musikalisch weiter. Auf der Setlist standen unter anderem „Älter als die Steine“, „Euren Töchtern geht es gut“, „Mein Viel und dein Vielleicht“ und „Paul McCartney stirbt“. Mit „Still“ durfte schließlich auch der Song nicht fehlen, der Jupiter Jones weit über die ursprüngliche Fanbasis hinaus bekannt gemacht hat.
„Kopf hoch & Arsch in den Sattel“ und „Hey! Menetekel“ führten in die Schlussphase. Für die Zugabe standen „Wo diese Liebe hinfällt“ und „Immer noch (Auf das Leben!)“ auf dem Plan. So zeigte der Abend im Hallenbad ziemlich gut, was Jupiter Jones heute ausmacht: Die Band kann auf Songs aus vielen Jahren zurückgreifen, ohne sich ausschließlich auf die Vergangenheit zu verlassen. Und sie nutzt die Bühne nicht nur für Musik. An diesem Abend gehörte auch eine klare politische Haltung dazu.







