Fragen zum Coronavirus? Jetzt HIER an die Expertin stellen!

Sie sind hier: Region >

Zeitzeuge Kertscher referiert zur DDR-Grenze



Wolfenbüttel

Zeitzeuge Kertscher referiert zur DDR-Grenze


DDR-Grenze bei  Hornburg aus westdeutscher Sicht. Foto: Dieter Kertscher
DDR-Grenze bei Hornburg aus westdeutscher Sicht. Foto: Dieter Kertscher Foto: Dieter Kertscher

WhatsApp
facebook
Twitter
LinkedIn
E-Mail




Wolfenbüttel. Im Rahmen der Sonderausstellung "Der Weg zur Deutschen Einheit in Wolfenbüttel" im Museum Schloss Wolfenbüttel referiert am Dienstag, 8. September 2015, 19 Uhr, Vermessungsingenieur Dieter Kertscher zum Thema "Die Grenze zur DDR im Landkreis Wolfenbüttel – wie sie entstand und wie sie fiel". Der Eintritt ist frei.

Im Landkreis Wolfenbüttel waren es die Bürger nach dem 2. Weltkrieg gewohnt, an "der Grenze" zu leben. Anfangs grenzten die hiesigen Flächen an die sowjetisch besetzte Zone, dann an die DDR. Das hat für das Leben der Menschen in dieser Region und noch mehr in der auf der östlichen Seite liegenden mancherlei Besonderheiten mit sich gebracht. Die Grenze teilte nicht nur Deutschland, sondern auch zwei Machtblöcke. Entsprechend massiver und unüberwindlicher wurden die Grenzanlagen von Jahr zu Jahr. Bis diese nahezu 1400 Kilometer lange Grenze 1989 mit einem Schlage und begleitet durch einen Freudentaumel der Menschen rechts und links der Grenzzäune im November 1989 wieder geöffnet wurde.


Wie diese Entwicklung entlang dieser Demarkationslinie/Grenzlinie verlief, wie diese Grenze 1949 von den Briten und Sowjets als Siegermächten festgelegt, wie sie dann seitens der DDR befestigt und von staatlich eingesetzten Vermessungstrupps beider Seiten in den 70er Jahren auf den Zentimeter genau vermessen und mit riesigen Grenzmarken versehen worden sind, darüber wird der ehemalige Leiter des Katasteramtes Wolfenbüttel, Dipl.-Ing. Dieter Kertscher, als ein unmittelbar an den Vermessungen beteiligter Zeitzeuge in seinem reich bebilderten Vortrag berichten. Er wird zu den spannenden technischen Arbeiten und rechtlichen Fragen Stellung beziehen, ebenso aber auch erzählen, wie es den Vermessungsfachleuten persönlich ergangen ist, die nun plötzlich einige Wochen lang gemeinsam mit einem DDR-Messtrupp ihren angeordneten Spezialauftrag unmittelbar am sogenannten "Todesstreifen" versehen haben. Sie haben dabei mancherlei erleben dürfen, das allen anderen Bundesbürger versagt blieb.

In die Öffentlichkeit gedrungen ist über diese vermessungstechnischen Arbeiten in beiden Staaten von den Arbeiten in den 70er und 80er Jahren wenig. Im Osten wurde diese Tat natürlich politisch als internationaler Erfolg gefeiert, diese "Staatsgrenzen-Festlegung-Ost". Im Westen wurde aber auch sehr wenig dazu berichtet, weil die Hälfte aller Politiker und Bürger die Festschreibung und Vermarkung dieser von ihnen nicht akzeptierten innerdeutschen Grenze für falsch hielten.

25 Jahre nach der Öffnung dieser Grenze soll noch einmal kurz aufgezeigt werden, was sich an dieser Grenze abgespielt hat, die Tage und Wochen nach der Öffnung 1989 und der Errichtung der ersten Grenzübergangsstellen in unserer Region stehen dabei im Mittelpunkt. 200.000 Übersichtskarten sind beispielsweise von der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung gedruckt und verschenkt worden, damit sich die Bürger aus Ost und West orientieren konnten, wo diese Übergänge zu finden waren. Im Wochenrhythmus waren Nachdrucke erforderlich. Heute stehen große Hinweistafeln (sie wurden zum 20-jährigen Grenzöffnungstag dort aufgestellt) an diesen Positionen zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, damit speziell auch die Jüngeren wenigsten noch einmal darauf hingewiesen werden, dass hier vier Jahrzehnte lang eine Deutschland brutal trennende Grenze verlaufen ist.

Sonderausstellung vom 20. Mai – 04. Oktober 2015, Museum Schloss Wolfenbüttel: "Der Weg zur deutschen Einheit"


zur Startseite