Zwischen Trauer und Bürokratie: Darum ist Vorsorgen so wichtig

Ohne Vorsorgevollmacht, oft auch ohne Schweigepflichtentbindung, dürfen Partnerinnen und Partner in vielen Fällen keine medizinischen Entscheidungen treffen.

von


Symbolfoto.
Symbolfoto. | Foto: Pixabay

Region. Sie sitzen am Bett. Sie halten die Hand. Ein gemeinsames Leben, manchmal über Jahrzehnte. Und dann fällt ein Satz, der alles verändert: Ohne Vollmacht dürfen Sie das nicht entscheiden. Für viele Partnerinnen und Partner ist das der Moment, in dem aus Angst blanke Hilflosigkeit wird.



Ohne Vorsorgevollmacht, oft auch ohne Schweigepflichtentbindung, dürfen Partnerinnen und Partner in vielen Fällen keine medizinischen Entscheidungen treffen, und teils nicht einmal umfassend Auskünfte erhalten. Für verheiratete Paare gibt es seit 2023 ein gesetzliches Notvertretungsrecht für Gesundheitsangelegenheiten (§ 1358 BGB). Es greift aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, ist zeitlich begrenzt und ersetzt keine Vorsorgevollmacht. Außerdem gilt es nicht für Vermögen, Verträge oder viele organisatorische Fragen. Das bedeutet: Selbst wenn medizinisch gehandelt werden darf, bleibt daneben oft vieles blockiert.

Wenn nach dem Schock der Papierstress beginnt


Spätestens nach der akuten Krise beginnt für viele Angehörige die nächste Belastung. Dann geht es um Mietvertrag, Konten, Versicherungen, Abonnements, laufende Kosten. Mitten in der Ausnahmesituation wird das Leben zum Vorgang.

Ohne Testament greift die gesetzliche Erbfolge. In der Praxis verlangen Banken in solchen Fällen häufig Erbnachweise, oder der Zugriff auf Konten wird eingeschränkt, bis die Erbfrage geklärt ist. Eine Kontovollmacht hilft nur, wenn sie ausdrücklich über den Tod hinaus gilt, und selbst dann können Erben die Vollmacht widerrufen oder Banken zusätzliche Unterlagen verlangen.

Während Rechnungen weiterlaufen und eine Beerdigung organisiert werden muss, bleibt der Zugriff auf Geld oft unsicher. Viele erleben das als zweite Krise, nur diesmal ohne Blaulicht, aber mit Fristen.

Trauer unter Zeitdruck


Besonders hart ist der Druck beim Wohnen. Nach dem Tod eines Mieters gibt es je nach Konstellation Sonderregeln und Kündigungsrechte, die sehr schnell ausgeübt werden müssen, teils innerhalb eines Monats nach Kenntnis vom Tod und der rechtlichen Situation. Wer Fristen verpasst, zahlt weiter, unabhängig von der persönlichen Lage.


Viele Hinterbliebene berichten später, dass sie kaum Zeit hatten zu trauern. Stattdessen mussten sie funktionieren, Schreiben aufsetzen, Unterlagen besorgen, Telefonate führen, Entscheidungen treffen, obwohl der Kopf am liebsten stillstehen würde.

Das ist kein persönliches Versagen. Es ist eine Folge davon, dass Zuständigkeiten erst dann geklärt werden, wenn es am wenigsten auszuhalten ist.

Vorsorge entlastet Angehörige


Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Testament, Kontovollmacht, das klingt nüchtern. In Wahrheit geht es um Rücksicht. Wer vorsorgt, nimmt anderen Last ab. Wer nichts regelt, entscheidet trotzdem, nur später, indirekt, und auf dem Rücken der Menschen, die bleiben.

Vielleicht ist das die unbequeme Wahrheit hinter all diesen Formularen: Vorsorge ist kein Thema für später. Sie ist Fürsorge für die, die im Ernstfall aushalten müssen.