Wolfenbüttel

Abschiedsrede von Altbürgermeister Dieter Lorenz


Dieter Lorenz bedankte sich in seiner Abschiedsrede. Foto: Privat
Dieter Lorenz bedankte sich in seiner Abschiedsrede. Foto: Privat Foto: Privat

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28.11.2016

Nach 42 Jahren als Mitglied im Rat der Samtgemeinde Sickte, davon je 15 Jahre als Bürgermeister und Ratsvorsitzender, hat Dieter Lorenz die Arbeit beendet. Nach seiner Verabschiedung in der konstituierenden Sitzung, trug Lorenz folgendes vor.


"Am 26. Juni 1974 hat sich der erste Samtgemeinderat nach neuem Recht kostituiert, vor 42 Jahren. Wenn man, von damals bis heute, dabei war, dann erlebte man vieles und ist auch zahlreichen Menschen begegnet. Mir war es vergönnt, mitzumachen und auch etwas mitzugestalten. Politik – auch in unserer Samtgemeinde Sickte – wird von Menschen gestaltet und repräsentiert. Die Repräsentanten bis heute waren: Heinz Alltag vom 26.6.1974 bis zum 5.11.1981, Dieter Lorenz vom 5.11.1981 bis zum 14.11.1996 und Klaus Sachse vom 14.11.1996 bis zum 18.2.1999. Vom 18.2.1999 bis zum 31.10. 1999 Lorenz als Amtsvertreter.

Das war die Zeit der Zweigleisigkeit. Da gab es neben dem Samtgemeindebürgermeister noch den Samtgemeindedirektor, der die Arbeit der Verwaltung organisieren sollte und musste. Die Personen seit 1974 waren Fritz Püschel, Horst Günter Oelmann, Reinhard Niedermeier und Eckhard Przemus. Ab 1.11.1999 hatten wir die Eingleisigkeit: Bürgermeister und Samtgemeindedirektor in einer Person. Bei uns: Herbert Wolf, Dr. Arne Pautsch und jetzt Petra Eickmann-Riedel.

Gegenwart hat nur aus Vergangenheit eine Zukunft. Bei einem Neuanfang - und der Beginn einer neuen Wahlperiode, ist ein solcher - sollte man sich der Vorgänger erinnern, und auch die Personen nennen - das ist erfolgt.
Wir müssen dabei zur Kenntnis nehmen, dass von den genannten Namen Heinz Alltag und Klaus Sachse bei den Bürgermeistern und Fritz Püschel und Horst Günter Oelmann bei Samtgemeindedirektoren nicht mehr unter uns sind. Aller Anfang war auch damals schwer aber auch schön. Eine große Aufgabe war, die Einwohner aus den Orten der aufgelösten Landkreise Braunschweig, Hötzum, Sickte, Lucklum, Erkerode und Veltheim für Gemeinsamkeiten mit den Wolfenbüttelern Apelnstedt, Volzum, Gilzum, Hachum, Evessen, Dettum, Weferlingen und Mönchevahlberg zu gewinnen. Dank "Sickte Boten", einem Samtgemeinde Kulturfest in der Wolfenbütteler Lindenhalle, dem JUP in den Sommerferien und vieler weiterer Aktivitäten haben wir ein zunehmendes Samtgemeinde-Sickte-Bekenntnis und Gefühl ereicht.

Als wir anfingen, hatten wir nur die Grundschule Dettum, die Samtgemeinde war Träger. Die Eltern des größten Ortes Sickte forderten eine eigene GS. Das erfolgte. Heute stellen wir fest, dass wir die Sickte Grundschule zu klein gebaut haben. In den 42 Jahren hatte ich viele schön Erlebnisse, darum möchte ich allen danken, die mir das ermöglicht haben, aus Samtgemeinderat und auch aus dem Bereich der vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Verwaltung .

Bei meinen Abschiedsgedanken kam mir folgende Frage: Ist es eine Würde in den Samtgemeinderat gewählt zu sein? Nach unserem Grundgesetz hat jeder Mensch seine Würde. Wenn jemand einen Anderen in ein gesetzlich festgelegtes Gremium wählt, dann überträgt er etwas von seiner Würde an den oder die andere mit dem Auftrag und der Hoffnung, dafür zu sorgen, dass alles geschieht, damit seine Würde gewahrt wird. Artikel I unseres Grundgesetzes sagt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Beim Deutschen Bundestag spricht man von der Würde des hohen Hauses. Da können wir, so meine ich, auch von der Würde des Samtgemeinderates der Samtgemeinde Sickte sprechen. Damit ist jedes Mitglied im Samtgemeinderat ein Würdenträger. Das bedeutet, dass dem Würdenträger Achtung entgegen gebracht wird, das ist die eine Seite - die andere Seite ist: Der Würdenträger muss würdevoll sein Amt wahrnehmen. In der Praxis bedeutet dies, dass jeder, der sich zu Wort meldet, der Würde des Anliegens und der betroffenen Personen entsprechen muss.

Das Grundgesetz besagt aber auch "...Verpflichtung aller staatlichen Gewalt". Wer ist "staatliche Gewalt" bei uns in der Samtgemeinde Sickte ? Das ist der Samtgemeinderat und unsere Samtgemeindeverwaltug. Also arbeitet auch unsere Verwaltung an und für die Würde des Menschen.

Jedes Tun von Rat und Verwaltung ist Dienst für die Bürger und soll bürgerfreundlich und würdevoll erfolgen. Die Antwort auf die Frage, ist es eine Würde in den Samtgemeinderat gewählt zu sein, lautet: Ja, es ist eine Würde, die im Grundgesetz ihren Auftrag hat. Mein Wunsch an Rat und Verwaltung ist: Arbeiten sie stets würdevoll in Wort, Schrift, Tat und bei persönlicher Begegnung. Es ist Tradition, dass der Altbürgermeister seine Gedanken mit einem "Worthaufen" abschließt, da heißt es: Die 42 Seiten "DLS Samtgemeinde Sickte" sind geschlossen.

15 Jahre Bürgermeister und 15 Jahre Ratsvorsitzender verflossen. Mit vielen anderen gelang es, einiges zu bewegen. Oft konnte nachher festgestellt werden: "Es war zum Segen". Manches wurde angeschoben, zum Beispiel JUP und Sickter Bote, man tat es loben. Vieles hat sich geändert, manch bewährtes wurde verändert und verschoben. Menschen kamen, machten mit und gingen wieder. Im Rat und in der Verwaltung zeigten sich fähige Köpfe, Diskussionen gingen auf und nieder. Es gab Höhepunkte, da empfand keiner die Arbeit als Bürde. Gemeinsam verfolgten wir unsere Ziele , mit gebotener Würde. Gern habe ich mitgemacht, bisweilen Zeichen gesetzt. Damit Zusammenarbeit gelingt, am besten immer gleich und jetzt.

Geboren in Schlesien, über Bayern kam ich nach Niedersachsen. Seit 1970 begann meine Familie in Niedersickte zu wachsen. 46 Jahre meines Lebens habe ich schon in Sickte verbracht. Nach dem Ende habe ich mir auf dem Niedersickter Friedhof unter einer Platte, zwischen anderen Gräbern, darüber Gedanken gemacht. So nehme ich dankbar die "Urkunde für 42 Jahre" an. Danke der Verwaltung und dem Samtgemeinderat, wir kamen voran.

DLS ist aus der "Arena Samtgemeinde Sickte" heraus. Arbeiten sie mit Freude, Tatendrang und Würde weiter – meine Rede ist aus.


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