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Niedersachsen: Kinos wollen gesammelt öffnen - Manche preschen vor



Alle Kinos wollen öffnen - Eines sogar noch diese Woche

Die großen Player der Branche haben sich auf einen gemeinsamen Öffnungstermin verständigt, um sich mit den Filmverleihern zu koordinieren. Es sei ein regelrechter "Filmstau" abzuarbeiten.

von Marvin König


Kinosaal im Astor-Filmtheater in Braunschweig. Das Kino wurde kurz vor der Pandemie erst aufwändig renoviert.
Kinosaal im Astor-Filmtheater in Braunschweig. Das Kino wurde kurz vor der Pandemie erst aufwändig renoviert. Foto: Marvin König

Region. Am 1. Juli öffnen die meisten Kinos wieder ihre Türen. Hierzu gehören alle Häuser von Cinemaxx und Cinestar, das Cineplex Goslar und das ASTOR Filmtheater in Braunschweig. Die Häuser Roxy und Camera in Helmstedt und der Filmpalast Wolfenbüttel schließen sich dem ebenfalls an. Das Universum Filmtheater in Braunschweig fällt hier aus der Reihe - es öffnet bereits am kommenden Donnerstag, dem 3. Juni und zeigt neben dem Oscarprämierten Film "Nomadland" auch "Rosas Hochzeit". Andere Lichtspielhäuser wie das Delphin und das Metropol in Wolfsburg sind nicht sicher, wann sie wieder öffnen.



Bereits seit sieben Monaten sind die Kinos im Zuge der Pandemie zum zweiten Mal flächendeckend geschlossen, doch endlich ist eine Perspektive in Sicht. Gemäß einer Empfehlung der führenden Kino- und Verleihverbände aus der vergangenen Woche sei man zur Übereinkunft gekommen, den 1. Juli als Starttermin anzustreben, "unabhängig vom Flickenteppich unterschiedlicher Öffnungsdaten und Auflagen in den einzelnen Bundesländern", wie die fünf großen Kinoverbände in einer gemeinsamen Pressemitteilung kritisch anmerken. "Als national funktionierender Markt ist es für die Lichtspielhäuser zwingend notwendig, gemeinsam zu öffnen, denn nur dann können neue Filme gestartet werden", erklärt das Cinestar in Wolfenbüttel. "Die Verleihfirmen benötigen die notwendige Vorlaufzeit und Sicherheit das genügend Kinos geöffnet sind um große Starts zu realisieren", fügt Harald Pape, Geschäftsführer der Helmstedter Kinos Roxy und Camera, hinzu.

Welche Einschränkungen erwarten die Besucher


"Es soll so sicher wie möglich und so einschränkungsfrei wie möglich für unsere Gäste sein, damit sie sich bei uns wohlfühlen und das Kinoerlebnis genießen können", erklärt Florian Wildmann, Geschäftsführer des Cineplex Goslar. Der am gestrigen Montag in Kraft getretene niedersächsische Stufenplan schaffe hierfür die richtigen Rahmenbedingungen. "Mit der aktuellen Corona-Verordnung des Landes bin ich sehr zufrieden, weil sie eine Auslastung bis 50 Prozent ermöglicht und keine Testpflicht unter einer Inzidenz von 35 vorsieht. Außerdem darf die Maske am Platz abgenommen werden, das heißt, Verzehr (Anm. d. Red.: im Kinosaal) ist möglich", erklärt Volker Kufahl, Geschäftsführer der Filmland MV gGmbH, dem auch das Universum Filmtheater in Braunschweig angehört. Bis zu einer Inzidenz von 100 können die Kinos generell geöffnet bleiben. Danach würde dem das Bundesinfektionsschutzgesetz einen Riegel vorschieben. Wohl für viele Kinobetreiber spricht Pape an dieser Stelle: "Ein wirtschaftlicher Betrieb ist trotz allem nur schwer zu erreichen aber darum geht es jetzt am Anfang meiner Meinung auch noch gar nicht. Viel wichtiger ist es zur Zeit, Präsenz zu zeigen. Der Bedarf bei unseren Besuchern ist auf jedem Fall vorhanden." Einzig das Delphin in Wolfsburg antwortet mit einem klaren "Ja" auf die Frage, ob ein wirtschaftlicher Betrieb realisierbar sei.


Das schlimmste Szenario


Das Cineplex in Goslar.
Das Cineplex in Goslar. Foto: Anke Donner




Der niedersächsische Stufenplan ermöglicht ein Öffnen der Kinos, das an die regionale Inzidenz gekoppelt ist - mit Abstufungen. Das schlimmste Szenario, so sind sich alle angefragten Lichtspielhäuser einig, wäre eine schwankende Inzidenz um die 100. "Der Kinobetrieb und die Kosten daraus lassen sich mit einem Containerschiff vergleichen, es benötigt eine gewisse Anlaufzeit, um auf Touren zu kommen und hat einen sehr langen Bremsweg", erklärt Florian Wildmann vom Cineplex Goslar. Es benötige nach Angaben der Betreiber eine Vorlaufzeit zwischen zwei und vier Wochen, um ein Kino wieder in Betrieb zu nehmen. Im Falle der Helmstedter Kinos wären es kurze zwei Wochen. Pape dazu: "Die Technik muss aus dem Standby geholt und überprüft werden. Die Projektoren und Filmserver sind auf einen kontinuierlichen Betrieb ausgelegt." Er fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Längere Stillstandszeiten können zu unerwarteten Ausfällen führen. Aus diesem Grunde gab es bei uns auch jedes Wochenende eine interne Vorstellung!"

Das Cinestar in Wolfenbüttel
Das Cinestar in Wolfenbüttel Foto: Anke Donner




Weiterhin hätten die Kinos die Kühlschränke wieder zu befüllen. "Auch dies benötigt Zeit, da unsere Lieferanten für die kinotypischen Waren wie Popcorn und Nachos den Betrieb auch erst wieder hochfahren müssen", so Pape weiter. Wildmann fügt hinzu: "Eine gründliche Reinigung aller Bereiche, inklusive der Säle und Wandbespannungen erfolgt jetzt, alle Leuchtmittel, Sicherheitseinrichtungen, etc. müssen überprüft werden, zusätzliches Personal muss eingestellt und angelernt werden, Personalschulungen finden im Vorfeld statt, die Disposition des Filmprogramms muss eine Woche vorher gemacht werden..." Pape erklärt abschließend: "Kleinere Kinos - zu denen ich uns zähle - können in gewissen Grenzen etwas flexibler darauf reagieren als die größeren Ketten. Ein ständiges auf und zu hätte fatale folgen für die gesamte Branche." Insgesamt zeigt man sich an der Inzidenzentwicklung aber optimistisch, dass die Öffnung nun von Dauer sein wird.

Welche Filme winken zum Kinostart?


"Wir warten noch auf Rückmeldung von den Verleihern", erklärt der Filmpalast Wolfenbüttel auf Anfrage von regionalHeute.de. Bei anderen Kinos herrscht hingegen schon mehr Klarheit. Das Universum zeigt ab dem 3. Juni Nomadland und Rosas Hochzeit und erklärt: "Ein Problem mit der Versorgung von Filmen sehen wir nicht." Pape pflichtet bei: "Wir haben mittlerweile einen richtigen Filmstau abzuarbeiten.

Wichtig ist es jedoch das möglichst viele Bundesländer eine Öffnung der Kinos bis zum 1. Juli ermöglichen, da es ansonsten passieren kann, dass die Verleiher die Filme noch zurückhalten." Auch deshalb, so kommentiert Wildmann, sei ein bundesweit koordinierter Öffnungstermin so wichtig gewesen: "Die Filmverleiher benötigen zwischen 6 bis 8 Wochen, um einen Film zu platzieren und zu bewerben. Durch das fehlende Abspielen vieler fertiger Filme in 2020 wurde viel Material aufgeschoben, teilweise auch ins Streaming gegeben, was nun ansteht. Ottos Film "Catweazle" wird einer der ersten Filme sein, die starten, es steht aber ein breites Programm für alle Altersklassen an, die schon auf Terminen liegen oder gerade noch terminiert werden." Die Liste der Branchenverbände, die regionalHeute.de vorliegt, gibt folgenden Vorgeschmack:

Auswahl der potenziellen Neustarts in der Eröffnungsphase
• Peter Hase 2 - Ein Hase macht sich vom Acker
• Fast & Furious 9
• Catweazle
• Nomadland (Oscar-Gewinner)
• Kaiserschmarrndrama
• Black Widow
• Godzilla vs. Kong
• A Quiet Place 2
• Cash Truck
• Der Rausch (Oscar-Gewinner)
• Bad Luck Banging or Loony Porn (Berlinale-Gewinner)
• Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Berlinale-Wettbewerb)
• Rosas Hochzeit

Skepsis bei kleinen Häusern


Das Delphin und das Metropol in Wolfsburg wollen noch keinen definitiven Öffnungstermin nennen. Öffnen wolle man schlicht, sobald möglich. "Wir sind schon in der Vorbereitung, der größte Punkt sind die Filme, diese müssen bei den jeweiligen Filmverleihern gebucht und von denen ausgeliefert werden", erklärt das Team des Delphin-Palast. Welche Filme genau zum Einsatz kämen, stünde noch nicht fest. Das Metropol in Fallersleben schreibt auf seiner Website gar, dass eine Öffnung aufgrund der Angst vor schwankenden Inzidenzen zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich wäre.





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