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Amostraße statt Mohrenstraße? CDU Wolfenbüttel will Berliner Streit schlichten

Um die Mohrenstraße in Berlin wird schon lange ein erbitterter Streit geführt, der durch die aktuellen Black Lives Matter Proteste wieder an Fahrt aufnimmt. Nun schlägt die CDU Wolfenbüttel vor, die Straße nach Anton Wilhelm Amo zu benennen.

von Niklas Eppert


Andreas Meißler (links), Adrian Haack (mitte) und Christoph Helm wollen sich für eine Anton-Wilhelm-Amo-Straße in Berlin einsetzen.
Andreas Meißler (links), Adrian Haack (mitte) und Christoph Helm wollen sich für eine Anton-Wilhelm-Amo-Straße in Berlin einsetzen. Foto: CDU Wolfenbüttel

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03.08.2020

Berlin/Wolfenbüttel. Der seit Jahren geführte Streit um die Berliner Mohrenstraße flacht einfach nicht ab. Erst kürzlich wurde die Umbenennung in die "George-Floyd-Straße" in der Berliner Politik gefordert. Nun mischen sich drei Wolfenbütteler CDU-Politiker in die Diskussion ein: Andreas Meißler, Prof. Dr. Christoph Helm und Dr. Adrian Haack nehmen den Vorschlag verschiedener Gruppen auf, die Straße nach dem Philosophen Anton Wilhelm Amo zu benennen. Der kam nicht nur aus Wolfenbüttel, sondern war auch der erste schwarze Akademiker Deutschlands. Haack will dafür Überzeugungsarbeit in Berlin leisten, wie die CDU in einer Pressemitteilung berichtet.



Prof. Dr. Christoph Helm, Andreas Meißler und Dr. Adrian Haack hätten es sich demnach zum Anliegen gemacht, für den Philosophen Anton Wilhelm Amo als Namensgeber zu werben. Haack, der im kommenden Jahr für die CDU in den Bundestag einziehen will, habe dafür bereits Parteifreunde aus Berlin nach Wolfenbüttel eingeladen. Die CDU übernimmt damit eine Forderung, die schon länger von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, etwa Amnesty International, gestellt wird. Amo hat sich in seiner Zeit für die Rechte dunkelhäutiger Menschen in Europa eingesetzt.

Amo sei im Kindesalter als Sklave nach Wolfenbüttel gekommen, um als "Hausmohr" am Hof Herzog Anton Ulrichs und dessen Nachfolgers August Wilhelm zu dienen. 1717 sei es ihm jedoch ermöglicht worden, ein Studium an der Ritterakademie Rudolph Antoniana in Wolfenbüttel aufzunehmen. Seine Leistungen seien beeindruckend gewesen, er habe zahlreiche Sprachen gelernt und habe als erster schwarzer Deutscher einen akademischen Abschluss erworben. Die Sklaverei wurde in Europa erst einhundert Jahre später beim Wiener Kongress abgeschafft. Amo war also eine Ausnahmeerscheinung seiner Zeit.

"Umbennenung in George-Floyd-Straße unbedachter Aktionismus"


„Es handelt sich um eine Lebensgeschichte wie aus einem Bildungsroman, die sich hier in Wolfenbüttel in der Frühen Neuzeit abgespielt hat“, so Professor Helm. Andreas Meißler, Vorsitzender der CDU in Wolfenbüttel, nimmt eine lokalpatriotische Perspektive ein und möchte die Gelegenheit nutzen, „eine der prominentesten Straßen in unserer Bundeshauptstadt nach einem Wolfenbütteler zu benennen. Berlin kann etwas Wolfenbüttel gut vertragen.“

Für Adrian Haack stünde dagegen die Signalwirkung im Vordergrund. „Eine Umbenennung in 'George-Floyd-Straße' wäre unbedachter Aktionismus, während die Aufstiegsgeschichte von Amo ein Vorbild für alle Menschen jeglicher Hautfarbe ist und deshalb im öffentlichen Bewusstsein sichtbarer gemacht werden sollte“, so Dr. Haack. Parallelen zu dem Vorstoß der Partei "Die Partei", die Kritik an zahlreichen Straßennamen übt, sehe Haack jedoch nicht. „Mit dieser Kulturrevolution hat unser Vorschlag nichts zu tun. Wir möchten eine Straße, die keinen Namensgeber hat, nach einem herausragenden Wolfenbütteler und Akademiker benennen“, so Haack weiter.


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