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Amphibienwanderung - Landkreis bittet um Verständnis


Erdkrötenweibchen – ausnahmsweise am Tag unterwegs. Foto: Walter Wimmer
Erdkrötenweibchen – ausnahmsweise am Tag unterwegs. Foto: Walter Wimmer Foto: Walter Wimmer

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11.03.2016


Landkreis Helmstedt. Nach dem extrem milden Winter startet das Frühjahr eher zögerlich. Das lässt allen Beteiligten Zeit, sich gut auf die alljährliche Amphibienwanderung vorzubereiten.

Wie schon in den vergangenen Jahren sind auch in diesem Jahr an den bekannten Wanderstrecken im Landkreis Zäune aufgebaut, damit die Tiere auf dem Weg in Ihre Laichgewässer nicht dem Straßenverkehr zum Opfer fallen. Ebenfalls schon bekannt sind die besonders betroffenen Straßenabschnitte im Bereich Lehre-Essehof, Essehof-Schandelah und Lehre-Flechtorf, wo in den Hauptwandernächten von 18 bis 7 Uhr die Straßen ganz gesperrt werden. „Wir sind bemüht, an möglichst wenigen Tagen zu sperren“, erklärt Walter Wimmer, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Dennoch sind die Sperrungen in diesen Abschnitten notwendig, weil hier auf längeren Strecken sehr viele Kröten, Frösche und Molche die Straße queren.

Die entsprechenden Umleitungen werden beschildert und an den Strecken mit Fangzäunen sind Geschwindigkeitsbegrenzungen eingerichtet. „Diese dienen der Sicherheit der Ehrenamtlichen, die hier die Tiere ab sammeln und sicher über die Straße tragen“, erklärt Wimmer. „Da wird eine ganz wichtige Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln geleistet.“ Deshalb ruft der Landkreis auch alle Verkehrsteilnehmer/innen auf den entsprechenden Strecken zu besonderer Vorsicht auf. Wenn die Nächte milder werden und es dann noch regnet, sind die Lurche besonders aktiv, dann ist Rücksicht geboten. Wenn es schnell geht, ist die Wanderung in wenigen Wochen vorbei. Bei ungünstigen Wetter kann es länger dauern.

Hintergrund



Alle heimischen Amphibien-Arten brauchen Gewässer, um sich fortzupflanzen. Oftmals liegen aber die Überwinterungsgebiete und die Fortpflanzungsgewässer weit voneinander entfernt. Die besonders häufige Erdkröte wandert dann wieder in das Gewässer zurück, in dem sie vor Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Die Wanderstrecke kann dabei weit mehr als einen Kilometer betragen. Wenn dabei Straßen überquert werden müssen, ist das für sie oft kaum zu schaffen, denn die wechselwarmen Tiere sind dann noch kalt und langsam und unsere Straßen viel befahren. Besonders gegen Ende der Wanderung tragen viele Weibchen schon ein Männchen auf dem Rücken, das diese gegen alle Konkurrenten verteidigt, um seinen Fortpflanzungserfolg zu sichern. Jedes Erdkröten-Weibchen trägt dabei mehrere Tausend Eier in sich, weshalb es so wichtig ist, dass diese ihre Gewässer erreichen. Neben den Erdkröten wandern auch andere Arten, wie etwa der Grasfrosch, und Grünfrösche, aber auch Teich- Berg- und Kammmolche.
Die Amphibien sind nachtaktiv, weshalb die Straßensperrungen auch nur nachts erforderlich sind. Das begrenzt zwar die Zeiten der Sperrung, macht aber auch das Sammeln an den Zäunen noch gefährlicher, weshalb es so wichtig ist, dass alle Verkehrsteilnehmer/Innen sich entsprechend vorsichtig verhalten.
Während man bei sehr langsamer Fahrt großen Fröschen und Kröten noch ausweichen kann, sind die kleineren Molche – zumal nachts und bei Regen – nur schwer zu erkennen.

Zur Bewältigung der alljährlichen Amphibienwanderung arbeiten Naturschutzbehörde und Kreisstraßenmeisterei im Landkreis Helmstedt mit dem Landkreis Wolfenbüttel, der Gemeinde Lehre und den vielen Ehrenamtlichen Helfern, denen hier ausdrücklich gedankt sei, eng zusammen.

Koordiniert werden die Aktionen rund um die Amphibienwanderung in der Naturschutzbehörde von Gerald Quoll, der auch für Fragen zur Verfügung steht, Tel.: 05351 121-2535.


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