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Anonyme Bestattungen: Die Zahlen steigen wieder



Braunschweig

Anonyme Bestattungen: Die Zahlen steigen wieder

von Alexander Dontscheff


Wenn sich die Angehörigen nicht kümmern, tut es die Stadt. Symbolfoto: Anke Donner
Wenn sich die Angehörigen nicht kümmern, tut es die Stadt. Symbolfoto: Anke Donner Foto: Anke Donner

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Braunschweig. Immer öfter ist der letzte Weg ein einsamer Weg. Ohne Familie, ohne Freunde. Der demographische Wandel in der Gesellschaft führt dazu, dass immer mehr Menschen alleine leben und oft einsam sterben. Folge: Es kommt immer öfter vor, dass es keinen Abschied am Grab gibt, sondern eine anonyme Bestattung. In Braunschweig waren es im vergangenen Jahr 137 Fälle.



"2017 gab es 240 Sterbefallmeldungen beim Gesundheitsamt. Es wurden 137 Bestattungen ordnungsbehördlich angeordnet", berichtet Juliane Meinecke vom Referat Kommunikation der Stadt Braunschweig. 2015 habe es 258 Sterbefallmeldungen gegeben, 148 Bestattungen wurden ordnungsbehördlich angeordnet. 2016 sei das Verhältnis 284 Sterbefallmeldungen zu 172 Bestattungen gewesen. "Bis auf das Jahr 2017 konnte eine stetige Steigerung der Fallzahlen festgestellt werden. Aktuell ist absehbar, dass die Zahlen 2018 wieder steigen werden", so Meinecke.

Ein Geistlicher kann teilnehmen


Sorge niemand für die Bestattung, so veranlasse bei in Braunschweig verstorbenen Personen das Gesundheitsamt eine würdevolle Bestattung. Dies sei, wenn der Verstorbene nicht ausdrücklich eine Erdbestattung gewünscht hat, eine Feuerbestattung. Bei konfessionsgebundenen Verstorbenen werde die Kirchengemeinde informiert, damit ein Geistlicher teilnehmen könne. Begräbnisriten anderer Religionen,etwa bei Muslimen, würden berücksichtigt.


Grundsätzlichsei es so, dass jeder Verstorbene innerhalb von acht Tagen bestattet oder eingeäschert werden sollte. In dieser Zeit versuche das Gesundheitsamt bestattungspflichtige Angehörige zu ermitteln. Die ordnungsbehördlichen Bestattungen würden einfach, das heißt ohne Musik und ohne Blumenschmuck, aber pietätvoll durchgeführt. Wenn dieoder der Verstorbene nicht ausdrücklich eine Erdbestattung gewünscht hat, werde eine Feuerbestattung durchgeführt. Die Bestattung erfolge in einem Urnenhain unter einer Rasenfläche. Einen Grabstein gebe es nicht."Die Bestattungen finden auf den städtischen Friedhöfen statt. Nur für Begräbnisse bestimmter Religionen gibt es gesonderte Flächen, zumBeispiel für Muslime gibt es ein Grabfeld auf dem Hauptfriedhof", erklärt Juliane Meinecke weiter.

Angehörige müssen Kosten zurückzahlen


Die Kosten für eine ordnungsbehördlich veranlasste Bestattung lägen beietwa 2.500Euro für eine Feuerbestattung undzirka 3.500Euro für eine Erdbestattung. Gibt es Angehörige, seien diese zur Rückzahlung verpflichtet. "Selbstverständlich weist die Stadt die Angehörigen aber im Vorfeld darauf hin, dass sie, falls sie die Bestattung aus materieller Not ablehnen, Anspruch auf Unterstützung im Rahmen der Sozialhilfe haben", so Meinecke abschließend.


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