AStA der TU sieht Exzellenz-Bewerbung kritisch

5. Mai 2019
Die TU Braunschweig bewirbt sich auf den Status einer Exzellenzuniversität. Symbolfoto: Archiv
Braunschweig. Ende vergangener Woche waren internationale Wissenschaftler an der Technischen Universität Braunschweig zu Besuch, um zu prüfen, ob die Carolo-Wilhelmina den Titel Exzellenzuniversität erhalten soll. Doch die nicht alle Studenten stehen der Bewerbung positiv gegenüber. Das teilt die Studierendenvertretung AStA in einer Pressemitteilung mit.

„Mal wieder steht die deutsche Hochschullandschaft Kopf: Nachdem bereits in den vergangenen Jahren die Exzellenzinitiative in ihren drei Antragsrunden für Aufruhr bei den Universitäten gesorgt hat, handelt es sich nun um das Nachfolgeprogramm, die Exzellenzstrategie, welches die Hochschulen beschäftigt“, heißt es in der Stellungnahme. Den Universitäten sei es nicht zu verdenken, immerhin geht es um 10 bis 15 Millionen Euro jährlich frei verfügbarer Mittel. Dazu komme der mit viel Prestige einhergehende Titel der „Exzellenzuniversität“. „Doch ist dies wirklich die Art von Finanzierung, die den Bedarfen an den Hochschulen gerecht wird und die wissenschaftliche Freiheit garantiert?“, fragt der AStA.

In den vergangenen Jahren sei eine zunehmende Ökonomisierung der Hochschulen zu beobachten gewesen: Die Einrichtungen stünden unter dem wachsenden Zwang, Drittmittel von privaten Akteuren und Projektgelder von staatlichen Finanzquellen einzuwerben, um ihre Forschung und Lehre finanzieren zu können. Mit der Begründung, dass die „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ erhalten werden müsse, werde so die Konkurrenz untereinander immer weiter verstärkt. „Hier muss die Frage gestellt werden, ob unter derartigen ökonomischen Zwängen die hochgehaltene Freiheit von Forschung und Lehre noch gewährleistet sein kann. Denn kann deren Unabhängigkeit gesichert sein, wenn die Forschenden beständig unter dem Druck stehen, dass ihre Ergebnisse ökonomisch verwertbar sein müssen?“, bezweifelt die Studierendenvertretung.

Verstärkung der Ungleichheit im Bildungssystem

Eine weitere Folge der „Exzellenz“-Politik sei zudem, dass sie zu einer Verstärkung der Ungleichheit im Bildungssystem und der Bildung eines geschlossenen Elitensystems führe: Die deutsche Hochschullandschaft bedürfe dringend grundlegender Investitionen in ihre Sanierung, um die derzeitigen Bildungsangebote und Forschungsmöglichkeiten zu erhalten. Stattdessen würden die am besten ausgestatteten Einrichtungen noch weiter gefördert, während die meisten anderen auf der Strecke blieben. „Diese gut ausgestatteten Einrichtungen liegen nicht selten in Städten, in denen sich aufgrund des hohen Mietspiegels nicht alle ein Studium leisten können. So führt die einseitige Förderung zu einer Verstärkung der ohnehin schon hohen sozialen Schranken im Bildungswesen“, kritisiert der AStA.

Nach der Exzellenzinitiative knüpfe nun die Exzellenzstrategie an diese Tradition an: In der derzeitigen Runde stünden noch 19 Universitäten oder Universitätsverbünde, die sich auf maximal elf Plätze bewerben. An den betroffenen Universitäten lasse sich beobachten, was dies bedeutet: Monatelang scheint es kein anderes Thema zu geben, als die Bewerbung beziehungsweise die Begehung vorzubereiten. An einigen Universitäten würden eigene Stabsstellen gebildet, die nur zur Vorbereitung der Bewerbung arbeiten. Ansprechpersonen und Stellen der Uni seien kaum noch für andere Anliegen zu erreichen, wichtige Arbeiten blieben liegen, Mitarbeitende würden unter Druck gesetzt. Alles unter dem Deckmantel, dass es im Interesse aller sei, wenn die Universität „exzellent“ werden würde.

Gute Lehre nur noch Nebeneffekt?

Bei all diesen Bemühungen um die „Forschungsexzellenz“ bleibe die Rolle der guten Lehre, die eigentlich gleichberechtigt neben dem Forschungsauftrag stehen müsste, allenfalls ein netter Nebeneffekt. Aus Sicht der Universitäten sei dies nachvollziehbar, immerhin gehe es für sie um viel. „Doch ist dies die Hochschulfinanzierung, die wir uns wünschen und die uns im vielzitierten internationalen Wettbewerb auszeichnet? Wäre nicht eine vielfältige Hochschullandschaft erstrebenswerter? In der die Freiheit von Forschung und Lehre gewährleistet wäre und nicht unter ökonomische Zwänge gestellt würde? In der Mitarbeitende gute Arbeitsbedingungen genießen und Stellen der Universität sich auf ihre wirkliche Arbeit konzentrieren können?“, fragt der AStA.

Diskussionsveranstaltung zum Thema am 29. Juni

„Wir möchten dazu aufrufen, den Prozess kritischer zu diskutieren und nutzen daher die TU Night am 29. Juni, um darüber nachzudenken, wie wir an der TU Braunschweig mit dem Prozess umgehen und wie eine nachhaltige Hochschulfinanzierung aussehen kann“, kündigt der AStA an. Zu Gast auf dem Podium werden sein: Anke Kaysser-Pyzalla, Präsidentin der TU Braunschweig, Torsten Bultmann vom Bund demokratischer Wissenschaftler (BdWi), Annette Schütze, Mitglied im Wissenschaftsausschuss des Landtages Niedersachsen (SPD) und Kevin Kunze vom freier Zusammenschluss von Studentenschaften (fzs, angefragt). Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Elisabeth Hoffmann, Leiterin der Pressestelle der TU Braunschweig. Uhrzeit und Raum werden noch bekanntgegeben.

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