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Auch ohne Corona: Anfragen an Frauenhäuser steigen stetig

Immer mehr Frauen und ihre Kinder suchen Hilfe bei häuslicher Gewalt. Ein Ansprechpartner können dabei die Frauenhäuser in der Region sein.

von Julia Fricke


(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: Pixabay

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08.09.2020

Region. Die Zahl der Opfer von partnerschaftlicher Gewalt ist in den letzten Jahren laut einer Statistik des Bundeskriminalamtes stetig angestiegen. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Frauen, doch auch Männer können davon betroffen sein. Gerade in Zeiten der häuslichen Isolation in der Corona-Krise wurde davon ausgegangen, dass das Risiko für häusliche Gewalt weiter zunehmen könnte. Eine mögliche Hilfe für Betroffene stellen dabei die Frauenhäuser dar. regionalHeute.de fragte nach der momentanen Lage.


Obwohl im Frauenschutzhaus der AWO in Wolfenbüttel nicht alle Plätze belegt sind, sind die Kapazitäten gut ausgelastet. Wegen Corona könnten nicht alle Plätze belegt werden, so Andrea Reinhardt-Ziola, Leiterin des Frauenschutzhauses Wolfenbüttel. Damit Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können, würden derzeit keine Wohnungen mit mehreren Frauen belegt werden. Dennoch hätten sich Anfragen während der Corona-Pandemie nicht gehäuft. Vielmehr würden die Anfragen nach Frauenhausplätzen wegen häuslicher Gewalt Schwankungen Unterliegen, deren Ursache nicht immer nachvollziehbar sei. Durch vermehrte Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema sei die Nachfrage in Deutschland jedoch insgesamt etwas angestiegen. "Allgemein scheint es, dass in unserer Gesellschaft und in der Politik häusliche Gewalt immer weniger toleriert und als gesellschaftliches Problem gesehen wird", so Reinhardt-Ziola.

Auch das Frauenhaus Salzgitter ist derzeit nicht voll belegt. Insgesamt stünden für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder hier zehn Plätze parat. Ein bis zwei davon seien meist noch frei, so Leiterin Andrea Meyer gegenüber regionalHeute.de. Vermehrte Anfragen seien auch hier jedes Jahr, unabhängig von Corona zu beobachten.

Ein neues Konzept für Gifhorn


Dass es zu einem Anstieg der häuslichen Gewalt speziell während der Corona-Krise gekommen ist, kann auch Hella von Wedemeyer von der Caritas in Gifhorn nicht bestätigen. "Wir haben ausreichend Anfragen und sind teilweise auch voll belegt. Das ist hier aber der Normalfall und hat mit Corona nichts zu tun. Häusliche Gewalt entsteht in vielen Familien über Jahre hinweg, dabei spielen auch Faktoren wie finanzielle Notlagen oder Suchtprobleme eine Rolle. Allein durch Corona kommt es nicht zur häuslichen Gewalt - sie kann sich aber dadurch zuspitzen", so Wedemeyer. Während der letzten Coronawochen, hätten einige Frauenhäuser zudem keine Neuaufnahmen gemacht oder unter besonderen Auflagen.

Das Frauenhaus in Gifhorn solle nun ein neues Konzept bekommen, wie die SPD jetzt in einer Pressemitteilung berichtet. In den letzten Jahren habe der Kreistag 30.000 Euro Budget in den Haushalt eingeplant, um mit Hilfe einer externen Beratung ein umfassendes Konzept für das Frauenhaus ausarbeiten zu können, das im Herbst fertig werden solle. Derzeit fehle es dort an größeren Räumen mit ausreichend Platz für Mütter mit mehreren Kindern, so Sozialausschussvorsitzende im Gifhorner Kreistag, Anna Neuendorf (SPD). Auch sei das Frauenhaus noch nicht ausreichend gegen den Zutritt Unbefugter gesichert, weshalb dringend noch Verbesserungen vorgenommen werden müssten.

Keine Möglichkeit zum Hilfe holen


In Braunschweig habe man bereits zu Beginn der Pandemie die Plätze im Frauenhaus um vier erweitern können, da die Stadt Braunschweig dabei unterstützt und eine Wohnung zur Verfügung gestellt habe. Derzeit ist das Haus voll belegt, so Astrid Sutor vom Frauenhaus Braunschweig. Frei werdende Plätze würden ebenfalls umgehend wieder besetzt werden. Der befürchtete Ansturm aufgrund der Corona-Krise konnte sich jedoch auch hier nicht bestätigten. Dies könne unter anderem daran liegen, dass viele Frauen keine Möglichkeit hatten sich Hilfe zu holen, da die Partner im Homeoffice oder generell zu Hause waren und keine Außenkontakte wahrnahmen, mutmaßt Sutor.

An wen können sich Frauen wenden?


Sind alle Plätze in den Frauenhäusern belegt, bestehe die Möglichkeit, die Frauen in andere Häuser zu vermitteln. Jedoch gebe es auch Zeiten, in denen diese ebenfalls ausgelastet seien. Dann gebe es ein Problem. Aus diesem Grund seien in einigen Städten bereits neue Frauenhausplätze geschaffen worden.

Dass eine Frau in Niedersachen, wo es insgesamt 43 Frauenhäuser gibt, gar keinen Platz bekommt sei eher unwahrscheinlich, wie Andrea Meyer berichtet. So gebe es in Salzgitter Notwohnungen, die in Anspruch genommen werden könnten, sollte das Frauenhaus belegt sein. Zurück zu ihren Männern müssten die Frauen nicht.

Zudem gebe es in Niedersachsen ein sogenanntes „Ampelsystem“, wie Hella von Wedemeyer mitteilt. Alle Frauenhäuser würden dort freie Kapazitäten melden können.

Wo gibt es Hilfe für Männer?


Doch nicht nur Frauen können Opfer häuslicher Gewalt werden. Auch Männer könnten darunter leiden. So gebe es in Hannover das Männerbüro. In Salzgitter übernehme der Sozialpsychiatrische Dienst die Beratung von Männern, die von Gewalt betroffen sind.

Ebenso gebe es auch Unterbringungsmöglichkeiten für Männer. Diese erfahre man beim Ministerium.


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