Region. Es ist ein alljährliches Naturschauspiel, das sich meist im Schutz der Dämmerung abspielt. Sobald die Thermometer nachts die 5-Grad-Marke knacken, gibt es für tausende Amphibien kein Halten mehr. Ihr Ziel: die Teiche und Seen, in denen sie einst selbst das Licht der Welt erblickten, um dort nun für die nächste Generation zu sorgen. Ein spannendes Naturphänomen, das wir einmal genauer betrachtet haben.
Die Wanderung dient einem einzigen Zweck: der Fortpflanzung. Kröten kehren dabei immer wieder zu den Gewässern zurück, in denen sie selbst geschlüpft sind – dafür legen sie mitunter mehrere Kilometer zurück. Für die Weibchen ist das eine beschwerliche Reise, denn sie tragen dabei auch noch die männlichen Kröten huckepack. Fachleute sprechen vom sogenannten Amplexus.
Die Konkurrenz ist groß
Aber warum müssen die Weibchen die Männchen „abschleppen“? Die Antwort ist so einfach wie effektiv: Die Männchen sind in der Überzahl, der Konkurrenzkampf entsprechend groß. Um sicherzugehen, am Laichgewässer nicht leer auszugehen, klammern sich die Männchen bereits auf dem Landweg an ein Weibchen. So sichern sie sich ihre Partnerin und stellen sicher, dass es mit der Fortpflanzung klappt. Die Eier können dann direkt beim Ablegen im Wasser befruchtet werden.
Mitunter kommt es dabei zu regelrechten „Belagerungen“: Mehrere Männchen versuchen gleichzeitig, ein Weibchen zu besteigen, um ihre Chancen auf Nachwuchs zu erhöhen. Wer zuerst erfolgreich ist, hat meist die besten Karten – ein harter Wettkampf in der Amphibienwelt.
Das Finale im Teich
Am Ziel angekommen, beginnt die eigentliche Fortpflanzung. Erdkröten beispielsweise geben ihre Eier in Form von meterlangen, gallertartigen Laichschnüren ab. Diese werden geschickt um Wasserpflanzen, Äste oder Schilfhalme gewickelt, damit sie nicht auf den schlammigen Boden sinken oder weggeschwemmt werden. Eine einzige Kröte kann dabei bis zu 6.000 Eier legen.
Bei der Befruchtung wird dann deutlich, warum das Männchen so hartnäckig auf dem Rücken des Weibchens ausgeharrt hat. Die Befruchtung findet außerhalb des Körpers statt. In dem Moment, in dem das Weibchen die Eischnüre ausstößt, werden sie vom Männchen befruchtet.
Aus den Eiern entwickeln sich die Kaulquappen, die zunächst im Wasser heranwachsen, bevor sie nach einigen Wochen oder Monaten an Land gehen – und der Kreislauf beginnt von neuem.
Dünnhäutige Gesellen
Die Wanderung findet überwiegend nachts statt, wenn die Temperaturen zwischen 5 und 7 Grad Celsius liegen und Regen für feuchte Bedingungen sorgt. Das ist entscheidend, denn wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) erklärt, besitzen Amphibien – anders als Reptilien – keine schützenden Schuppen, sondern eine weiche, wasserdurchlässige Haut. Über diese nehmen sie nicht nur Wasser, sondern auch Sauerstoff auf. Gleichzeitig macht sie diese Haut besonders anfällig: Die Tiere trocknen schnell aus und reagieren empfindlich auf Umweltbelastungen.
Gefahren auf dem Weg
Auf dem Weg zu den Laichgewässern müssen die Amphibien zahlreiche Hindernisse überwinden. Straßen, landwirtschaftlich genutzte Flächen oder Siedlungen können lebensgefährlich sein. Um die Tiere zu schützen, engagieren sich vielerorts Gemeinden und Naturschutzvereine mit Krötenschutzaktionen, etwa durch Leiteinrichtungen, Schutzzäune oder zeitweise Straßensperren.
In jedem Landkreis und jeder Stadt werden regelmäßig ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gesucht, die die Tiere während der Wanderung unterstützen und sicher über Straßen bringen. Wer helfen möchte, kann sich bei lokalen Naturschutzverbänden oder der jeweiligen Kommune informieren – jede helfende Hand zählt.
Leben abseits der Wanderung
Wie der NABU weiter erläutert, verbringen Amphibien nur einen Teil ihres Lebens im Wasser. Nach einem Umwandlungsprozess, an dessen Ende ihr Körper seine endgültige Form angenommen hat, verlassen sie die Gewässer und leben überwiegend an Land. Meist kehren sie nur zur Fortpflanzungszeit zu Teichen oder Tümpeln zurück – genau dann beginnt auch die alljährliche Wanderung.
Kröten überwintern in Wäldern, Hecken oder unter Laub, oft mehrere Kilometer von ihren Laichgewässern entfernt. Viele Tiere zeigen dabei eine erstaunliche Standorttreue: Sie kehren Jahr für Jahr an denselben Ort zurück. Ein Weibchen kann bis zu 20 Jahre alt werden.
Artenschutz und gefährdete Arten
Nicht nur Kröten, sondern auch Frösche, Molche und Salamander unternehmen ähnliche Wanderungen. Viele Amphibienarten sind stark bedroht: Laubfrosch, Gelbbauchunke oder Kammmolch stehen bereits auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Um ihre Bestände zu sichern, stehen alle in Deutschland vorkommenden Amphibienarten seit 1980 nach Angaben des NABU gemäß der Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz.



