Ausbildungsmesse – Spontan entscheiden, ob die Chemie stimmt

9. März 2018
Jennifer Mah von der Firma Landwehr Wassertechnik aus Schöppenstedt. Foto: Agentur für Arbeit
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Braunschweig. Am vergangenen Mittwoch fand die zweite gemeinsame Ausbildungsmesse von Agentur für Arbeit, Handwerkskammer, Arbeitgeberverband sowie Industrie- und Handelskammer im Eintracht-Stadion statt. 500 offene Ausbildungsstellen zu diesem Sommer trafen auf rund 1.500 junge Menschen, heißt es in einer Pressemitteilung der Agentur für Arbeit.

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Schon bevor die zweite Ausbildungsmesse offiziell begann, hatte es viele Jugendliche zum Braunschweiger Eintracht-Stadion gezogen. Dicht an dicht waren die Infostände im VIP-Bereich auf drei Ebenen, für die über 80 teilnehmenden Klein- und Mittelständischen Unternehmen mit freien Ausbildungsstellen in diesem Sommer, aufgebaut. Jennifer Mah von der Firma Landwehr Wassertechnik aus Schöppenstedt resümierte: „Es ist in den letzten Jahren schwieriger geworden, geeigneten Nachwuchs zu finden. Daher ist die Messe eine gute Gelegenheit, in kurzer Zeit mit vielen potentiellen Bewerbern ins Gespräch zu kommen. Die Resonanz ist unheimlich gut.“

Und genau diese Kurzgespräche waren sehr erfolgreich. Tymon Hecht kam mit großen Erwartungen zur Messe. Bereits nach rund 30 Minuten konnte er diese freudestrahlend wieder verlassen. „Ich habe ein Praktikum in meinem Wunschberuf zum Landschaftsgärtner vereinbart. Perfekt – so habe ich mir das vorgestellt“. Der 18jährige ist von der Kontaktmesse begeistert, da er unabhängig von Zeugnisnoten seine Motivation im persönlichen Gespräch mit den Verantwortlichen unterstreichen konnte. „Genau deshalb sind wir hier“, beschreibt Salvatore di Benedetto, operativer Geschäftsführer der Arbeitsagentur, die Messeziele. „Der Ruf nach talentierten jungen Auszubildenden wird immer lauter. Doch den Kampf um den Klassenbesten können nicht alle Unternehmen gewinnen. Es ist Zeit, die Talente, auch unabhängig von Zeugnisnoten, zu entdecken. Dafür ist so ein Speed-Dating eine ideale Plattform.“

Hochwertige Handwerksarbeit wird immer gebraucht

Günter Neumann, Geschäftsbereichsleiter der Handwerkskammer, weiß: „Der Ausbildungsmarkt hat sich gedreht. In einigen Branchen müssen sich bereits die Unternehmen bei den Jugendlichen bewerben. Die ganz Großen tun sich oft leichter mit der Azubisuche. Doch insbesondere bei uns im Handwerk sind die Chancen sehr gut. Qualitativ hochwertige Handwerksarbeit passt, hält, funktioniert und wird immer gebraucht.“ „In den letzten Jahren haben sich viele Schulabgänger für ein Studium statt für eine betriebliche Ausbildung entschieden. Dabei ist die Duale Berufsausbildung weiter attraktiv, durchgängig und bietet sehr gute Verdienst- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Wir brauchen mehr denn je solide Fachkräfte und nicht nur Akademiker“, meint Jan Hauberg, Leiter Berufsausbildung bei der IHK.

Oft treffen sich Angebot und Nachfrage nicht auf den ersten Blick. Zunehmend wird es schwieriger, Bewerber und Ausbildungsstellen zusammen zu bringen. Deutlich häufiger sollte der Blick der Schülerinnen und Schüler auch links und rechts neben die TOP10 der Wunschberufe schweifen. Dort gäbe es spannende Alternativ- oder auch Nischenberufe. Verstärkt werden die Herausforderungen bei der Rekrutierung durch die sinkenden Schülerzahlen und den steigenden Abiturientenquoten, da der Wunsch zum Studium ungebrochen scheint. Dieses Potential fehlt den Betrieben in den Berufsausbildungen. Im letzten Abschluss der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum 30. September 2017 wurden im Agenturbezirk Braunschweig-Goslar, zu dem auch Wolfenbüttel und Salzgitter gehört, 232 unbesetzte Ausbildungsstellen gezählt. Dies war eine Steigerung um 39,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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