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Ausschuss: WhatsApp-Gruppen werden zum Problem

von Frederick Becker


Der Ausschuss tagte im Edemissener Rathaus. Foto: Frederick Becker
Der Ausschuss tagte im Edemissener Rathaus. Foto: Frederick Becker Foto: Frederick Becker

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20.06.2017

Edemissen. Auf der heutigen Sitzung des Jugendhilfeausschusses informierte Heike Kubow vom Fachdienst Jugendamt die Kreistagsabgeordneten über aktuelle Herausforderungen im Kinder- und Jugendschutz.


In der Vorlage wurde das Aufgabenfeld des Jugenschutzes wie folgt umrissen: "Grundlage der Jugendhilfe ist es, die Rechte und Chancen von Kindern und Jugendlichen auf eine positive physische und psychische Entwicklung zu sichern und die Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern. Daraus leite sich die Aufgabenstellung des Kinder- und Jugendschutzes ab. Kinder- und Jugendschutz werde besonders da wichtig, wo Gefährdungen durch gesellschaftliche Prozesse erzeugt werden, die junge Menschen selbst nicht beeinflussen können, sie jedoch selbst betroffen sein können (zum Beispiel rasante Entwicklung von digitalen Medien, Suchtproblematik, gewaltfördernde Prozesse)."

Die Folgen der Entwicklung von digitalen Medien auf das psychische Wohl von Kindern sollte noch für Gesprächsstoff sorgen.

Kubow erklärte der Zuhörerschaft zunächst, dass Jugendschutz nicht nur bedeute, die Rechtsvorschriften durchzusetzen. Es gehe auch darum, die Kinder und Jugendlichen auf "Gefährdungssituationen" vorzubereiten und ihnen die Kompetenz zu vermitteln, die richtige Entscheidung zu treffen, sollten sie in Versuchung geraten, sich falsch zu verhalten.



Außerdem gehe es darum, sie vor schädlichen, entwicklungshemmenden Familienstrukturen zu schützen, etwa wenn im häuslichen Umfeld Gewalt herrscht. Das Prinzip dabei sei Verständnis aufzubringen und den Dialog mit Kindern, Schulen und Eltern zu suchen. "Das klassische Bild von der Raucherlunge hat nichts gebracht", kommentierte die Referentin.

"Der Medienbereich boomt"


"Der Medienbereich boomt", meinte Kubow im Hinblick auf die wichtigsten Problemfelder im Jugendschutz. Auch Schulen würden immer häufiger Unterstützungsbedarf anmelden. Die technischen Fähigkeiten der Kinder sind, so Kubow, oft viel weiter ausgeprägt als die der Eltern, das Problem liege auf der emotionalen Ebene. Die Kids seien mühelos in er Lage, Alterssperren im Internet zu umgehen. Die Videos und Bilder, die sie dann zu sehen bekämen, würden sie jedoch emotional schnellüberfordern. "Wir Erwachsenen lassen die Kinder oft mit den Problemen der Cyberkommunikation alleine", stellte Kubow fest. Das sei oft der Fall,weil das technische Interesse bei den Erwachsenen schlicht weniger ausgeprägtsei.

Dabei gehe es nicht nur darum, den Kinder den Anblick von Gewalt oder Pornografie im Internet zu ersparen. Auch das Prinzip des Rechtes am eigenen Bild und Datenschutz müsse Kindern vermittelt werden. "Ich vergleiche das Internet immer mit dem Straßenverkehr", meinte Kubow. Auch wenn ein kleines Kind schon Fahrradfahren könne, man lasse es trotzdem noch nicht alleine quer durch die Stadt radeln. Eltern sollten sich, erläuterte sie, am besten behutsam den Kleinen den Umgang mit dem Netz zeigen und ihnen beibringen, Seiten auf denen sie sich nicht wohlfühlen sofort zu verlassen.

Die ganze Nacht Streiterei auf WhatsApp


Ein Handyverbot an den Schulen löse das Problem letztlich nicht, denn selbst wenn das Handy während des Schultages verboten sei, würden die Kinder ihre Konflikten nach Schulschluss digital austragen. "Dann geht es teils bis morgens um vier in den WhatsApp-Gruppen der Schulklassen ab. Diese Konflikte nehmen die Kinder doch mit in den Schultag, das endet nicht am Schultor", gab Kubow zu bedenken. Überhaupt sei WhatsApp das größte Problem, schlimmer noch als Facebook.

Malte Cavalli (FDP) berichtet von seinen eigenen Erfahrungen und Ängsten als Vater eines Zehnjährigen, und regte an, dem Thema Handy und Internet an den Schulen eine ganze Themenwoche zu widmen. Insgesamt müsse die Medienpädagogik einen höheren Stellenwert bekommen.

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