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Bahi forscht: Bio-Plastik, Drahtlosstrom und Unendlichkeit



Goslar

Bahi forscht: Bio-Plastik, Drahtlosstrom und Unendlichkeit

von Alec Pein


Biologie- und Chemielehrerin Steffi Barner, Bahi Abouhassan und Schulleiter Hans-Peter Dreß. Foto: Alec Pein
Biologie- und Chemielehrerin Steffi Barner, Bahi Abouhassan und Schulleiter Hans-Peter Dreß. Foto: Alec Pein

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Goslar. Erst vor zehn Monaten kam der 17 jährige Syrer Bahi Abouhassan ohne seine Familie nach Deutschland. Seit einigen Monaten ist er  Schüler des Ratsgymnasiums und führte dort seine Forschungsprojekte, die er bereits vor seiner Flucht begann, fort. Am vergangenen Freitag nahm er am Regionalwettbewerb von Jugend Forscht teil. Für die Teilnahme am Wettbewerb arbeitete er für jedes Projekt eine fünfzehnseitige Beschreibung aus und verteidigte diese vor den Juroren - und zwar auf Deutsch. Obwohl er die Sprache noch nicht vollständig beherrscht gingen er und sein gleichaltriger Projektpartner Roudy Nasro, ebenfalls Syrer, mit ordentlichem Ergebnis aus dem Regionalwettbewerb.

Ein beschleunigtes Verfahren zur Herstellung eines Bio-Kunststoffs aus Polymilchsäure brachte den beiden siebzehnjährigen Bahi Abouhassan und Roudy Nasro den Jugend forscht Sonderpreis für Umwelttechnik. Sie hätten dafür einen Katalysator, also einen reaktionsbeschleunigenden Stoff, verwendet, der das Verfahren von bisher 24 Stunden auf etwa 40 Minuten verkürze, erzählte Bahi gegenüber regionalHeute.de. Einen dritten Platz im Fachbereich Physik brachte den Beiden die drahtlose Übertragung von Gleichstrom. Ihr Ziel war es, eine 200-Watt-Glühbirne mit einer 9-Volt-Batterie für einige Zeit zum Leuchten zu bringen; ohne direkten Kontakt zwischen Batterie und Birne.

Bahi stellt sich der Unendlichkeit




Im Fach Mathematik waren bei der Suche nach einem Forschungsthema gar keine Grenzen mehr gesetzt: Ein neues Zahlensystem sollte her, um mit der Unendlichkeit rechnen zu können. "Universelle Zahlen" nennt der Siebzehnjährige das System welches es, jedenfalls in der Theorie, möglich machen soll. Die Unendlichkeit sei in der Mathematik an sich schon etwas komisches, merkt Mathematiklehrer Andreas Sachtleben dazu an. Es gebe verschiedene Abstufungen von "Unendlich", da es zum Beispiel schon zwischen zwei natürlichen Zahlen unendlich viele rationale Zahlen gebe, so wie auch unendlich viele Natürliche. Bahis Überlegungen gingen somit schon in eine philosophische Richtung, die sich mit den grundlegenden Annahmen der Mathematik beschäftigen und diese teilweise in Frage stellen. Gewürdigt wurde dies, trotz Kontroversen und völlig unterschiedlicher Meinungen innerhalb der Jury, mit einem Preis.  Eigentlich seien für die mündliche Verteidigung der Arbeiten jeweils etwa 30 Minuten vorgesehen, jedoch habe das vorgestellte System für solchen Gesprächsstoff gesorgt, dass man das Forscherteam erst nach mehr als der doppelten Zeit, ohne mit Sicherheit sagen zu können, dass Bahi mit seiner Theorie falsch liege, entlassen habe.

Selbständig zur erfolgreichen Teilnahme


Bei der Ausarbeitung haben Bahi die Lehrer Andreas Sachtleben (Mathematik), Arne Rebel (Physik) und Steffi Barner (Chemie) begleitet. Auf eine Korrektur der schriftlichen Arbeit hätten sie bewusst verzichtet, so Andreas Sachtleben gegenüber regionalHeute.de. Und warum? Die Arbeiten sollten der Jury authentisch und unverfälscht vorliegen. Man wollte nicht in Bahis Arbeiten eingreifen, die er so selbständig entwickelt hatte. Grammatikalisch habe man bei der Bewertung im Wettbewerb wohl sicher das ein oder andere Auge zugedrückt, fachlich mussten sich Bahi und Roudy dennoch an den gesetzten Maßstäben messen. Seine Forschungen habe er in der Schule in Eigenregie durchgeführt, sodass man während der Experimente eben nur "aufpassen" musste, so Andreas Sachtleben. Sogar das Material für seine Versuche habe er sich selbst besorgt. Die Selbstständigkeit und das Talent des Schülers beeindruckte die betreuenden Lehrkräfte.

Bahi und sein Projektpartner Roudy kennen sich bereits aus Syrien und haben auch dort schon geforscht und erfolgreich an Wettbewerben teilgenommen. Allerdings hat es Roudy in das Baden-Württembergische Sindelfingen verschlagen. Trotzdem führten sie ihre Arbeit weiter und stellten die Ergebnisse dann gemeinsam in Braunschweig vor. Bleiben möchte Bahi in Deutschland auf jeden Fall und nach seinem Abitur Studieren, um später in seinem Wunschgebiet, der Genforschung, tätig zu werden.


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