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Barrierefreie Bushaltestellen am Altstadtmarkt: So könnten sie aussehen

Der Siegerentwurf des Architekturbüros solle nun weiter diskutiert werden.

Die Bushaltestellen am Altstadtmarkt sollen barrierefrei werden. Archivbild.
Die Bushaltestellen am Altstadtmarkt sollen barrierefrei werden. Archivbild. Foto: Alexander Dontscheff

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20.11.2020

Braunschweig. Die Bushaltestellen am Altstadtmarkt sollen nach einem Beschluss des Rates der Stadt Braunschweig barrierefrei umgebaut werden und einen Wetterschutz erhalten (regionalHeute.de berichtete). Weil dies aufgrund der historischen und stadtgestalterischen Bedeutung des Altstadtmarktes eine intensive gestalterische Auseinandersetzung erfordert, lobte die Verwaltung einen kleinen Wettbewerb mit begrenztem Teilnehmerkreis aus. Das Ergebnis liegt jetzt vor. In einer Gremienmitteilung informiert die Verwaltung über den bisherigen Sachstand, stellt den Gewinner des Wettbewerbs vor und nimmt eine gestalterische und funktionale Abwägung vor. Dies berichtet die Stadt Braunschweig in einer Pressemitteilung.



"Wir wollen einen intensiven Diskurs über die potenziellen Optionen vor der Entscheidung durch die Gremien - Stadtbezirksrat sowie Planungs- und Umweltausschuss - im ersten Quartal 2021 ermöglichen", kündigt Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer an. "Die dazu zu erstellende Beschlussvorlage wird den öffentlichen Diskussionsprozess entsprechend reflektieren."

Sechs Architekturbüros wären zum Wettbewerb eingeladen und deren Arbeiten Ende Oktober vom Gestaltungsbeirat nach einem mündlichen Vortrag der jeweiligen Architekten bewertet worden. Im Ergebnis habe sich ein Beitrag des Architekturbüros K17 (verantwortlicher Entwurfsverfasser Tim Grimme) aus Uslar als die Lösung herausgestellt, die den Gestaltungsbeirat, der als Jury agierte, am meisten überzeugte und dem eine reale Entwicklungs- und Umsetzungsperspektive zugesprochen worden sei.

Das ist geplant


K 17 schlage vor, zwei Bänder entlang der Bushaltestelle am Altstadtmarkt jeweils auf der offenen Platzseite im Süden und auf der Nordseite des Platzes vor den dortigen Hausfassaden auszubilden. Diese Bänder würden durch ein andersfarbiges Pflastermaterial, vorzugsweise rötlich zum Beispiel aus Granit, gebildet und durch einen Flachstahlrahmen aus Cortenstahl eingefasst. Sie würden wesentliche Elemente der Haltestelle wie zum Beispiel die Überdachung, Bänke, Infovitrinen und anderes aufnehmen. Im Bereich der Überdachungen falte sich das Band dreidimensional auf und bildet ein Schutzdach aus Cortenstahl, das zur einen Längsseite zu einem großen Teil durch eine Glaswand geschlossen werde, sodass ei

n Wetterschutz auch bei Wind offenbar gegeben sei. Dies wird in der weiteren Ausführungsplanung überprüft werden; ein Wetter- und damit auch ein Windschutz müsse in jedem Fall - unter Umständen durch eine weitere Schließung der Rückwand - gewährleistet sein. Die Maße der Überdachungen seien im Mittel: Länge 5,50 Meter, Tiefe 1,70 Meter und Höhe 2,65 Meter.

Die seitlichen Kanten der Überdachung, die Ausrichtung der Bänke sowie die jeweiligen Enden der Bänder würden durch imaginäre Strahlen ausgehend vom Marienbrunnen gebildet werden, sodass dieser wie ein Zirkelmittelpunkt für die Ausgestaltung der Bänder genutzt werde.


Baum muss entfernt werden


Auf der Nordseite des Platzes entstünden nach den Vorstellungen des Entwurfs – entsprechend der höheren Frequenz der Fahrgäste - zwei Überdachungen. Hierfür müsse ein bestehender Baum in der Mitte entfernt werden, der jedoch schon heute deutliche Zeichen einer Schädigung aufweise. Für diesen Baum werde in der Nähe Ersatz geschaffen – vorzugsweise im unmittelbaren Umfeld des Altstadtmarktes. Die übrigen vier Bäume auf der Nordseite würden über entsprechende Baumscheiben aus Cortenstahl in das dortige Band gestalterisch integriert werden. Es werde sichergestellt, dass die Baumscheiben rutschsicher ausgebildet werden.

Auf der südlichen Platzseite solle nur eine Überdachung realisiert werden, nicht zuletzt, um den Marktbetrieb dort so wenig wie möglich einzuschränken. Auf beiden Seiten würden Sitzbänke – außerhalb und innerhalb der Überdachungen – vorgeschlagen. Es sei beabsichtigt, diese zu einem großen Anteil mit Rückenlehnen auszustatten.

Entwurf müsse diskutiert werden


Aus Sicht der Verwaltung und des Gestaltungsbeirats gebe es gute Gründe, diesen Entwurf intensiv zu betrachten und zu diskutieren, führt Stadtbaurat Leuer weiter aus. "Zwei wesentliche Argumente sprechen für ihn: Zum einen ist es ein unverwechselbarer, kraftvoller, individueller Entwurf, der auf den Altstadtmarkt und seine mittelalterliche Prägung Bezug nimmt. So ist das Material Cortenstahl durch die beiden mittelalterlichen Kemenaten (Jakob-Kemenate und Kemenate an der Hagenbrücke) in gestalterisch hervorragender Art und Weise in Braunschweig bereits eingeführt. Der Marienbrunnen als Bezugspunkt des Entwurfes wird sicher nicht auf den ersten Blick, aber eventuell auf den zweiten erkennbar. Zum anderen würden alle wesentlichen funktionalen Anforderungen an einen Wetterschutz einer Bushaltestelle erfüllt. Hier sind insbesondere die Aspekte Witterungsschutz, Sitzgelegenheit und Informationsmöglichkeit zu nennen. Im Gegensatz zu den anderen vorgelegten Entwürfen des konkurrierenden Verfahrens sind diese funktionalen Anforderungen in diesem Entwurf gestalterisch gut integriert."

Ist der Wetterschutz verzichtbar?


Diskutiert hätten Gestaltungsbeirat und Verwaltung auch, auf einen Wetterschutz ganz zu verzichten oder Überdachungen des im Stadtgebiet zahlreich vorhandenen Typs "Rathaus", ein hochwertiges und sehr transparent wirkendes Standardprodukt, aufzustellen. Kein Wetterschutz sei angesichts der wichtigen Verkehrsfunktion der Haltestellen am Altstadtmarkt mit 4.200 Fahrgästen täglich nach einhelliger Auffassung keine Option. Die Standardlösung würde aber, so die Überzeugung nach intensiver Diskussion im Gestaltungsbeirat, gestalterisch isoliert und ohne Zusammenhang mit der wertvollen mittelalterlichen Platzfläche stehen.

Aus Sicht der Verwaltung stelle der Entwurf des Büros K 17 daher eine wertige und auf den Altstadtmarkt "zugeschnittene" gestalterische Lösung dar. Der historische Marktplatz würde durch diesen skulpturalen Entwurf nicht beeinträchtigt, die wichtige Verkehrsfunktion des Platzes ebenso deutlich wie anspruchsvoll verbessert. Gegenüber den veranschlagten Haushaltsmitteln von 330.000 Euro für das Projekt koste der Entwurf 280.000 Euro mehr. Ein Förderbescheid für den Umbau der Haltestelle liege vor. Inwieweit auch der vorgeschlagene Wetterschutz gefördert werden könne, sei offen.


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