Helmstedt

Befreiung vor 75 Jahren: Ausstellung veranschaulicht Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener

Gezeigt werden die Personalkarten von 18 sowjetischen Kriegsgefangenen, die in der Muna Lehre Zwangsarbeit leisten mussten und diese nicht überlebt haben.

Von links: Gemeindebürgermeister Andreas Busch mit den Herren Jens Dürrkopf und Uwe Otte.
Von links: Gemeindebürgermeister Andreas Busch mit den Herren Jens Dürrkopf und Uwe Otte. Foto: Gemeinde Lehre

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03.09.2020

Lehre. Eine Ausstellung anlässlich der Befreiung von Lehre vor 75 Jahren zeigt ab Donnerstag, 3. September, im Rathaus von Lehre die Gesichter damaliger sowjetischer Kriegsgefangenen. Der Titel der Veranstaltung, die bis zum 9. Oktober zu sehen ist, lautet: „‘Die hungernden Russen sahen erbärmlich aus‘- Sowjetische Kriegsgefangene in der Heeresmunitionsanstalt Lehre 1941 – 1945“. Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Uwe Otte und Jens Dürrkopf. Dies teilt die Gemeinde Lehre in einer Pressemitteilung mit.


Gezeigt werden die Personalkarten von 18 sowjetischen Kriegsgefangenen, die in der Muna Lehre Zwangsarbeit leisten mussten und diese nicht überlebt haben. Auf den Karten seien die biographischen Daten und jeweils das Foto der Männer zu sehen. „Die Opfer der Zwangsarbeit in Lehre bekommen somit wieder ein Gesicht“, betont Jens Dürrkopf. Lange sei nur wenig über sie bekannt gewesen. Erst seit 2011, als die Personalkarten von der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin zur Verfügung gestellt wurden, habe sich das geändert. In der Muna hätten bis zu 400 russische Gefangene Zwangsarbeit leisten müssen.

Zu sehen seien in der Ausstellung auch die französischen Kriegsgefangenen in Lehre. Im Jahr 1943 waren 42 Kriegsgefangene aus Frankreich im Ort. Sie hätten die zweitgrößte Gruppe an Gefangenen gebildet und mussten von 1940 bis 1945 auf den Bauernhöfen arbeiten. Am 11. April 1945, der Tag an dem Lehre befreit wurde, wären einige französische Gefangene den amerikanischen Soldaten mit der Trikolore entgegengegangen, die sie aus Stoffresten für diesen Anlass gefertigt hatten, um sie als Befreier zu begrüßen.

Geschichte der Frauen unbekannt



In der Muna Lehre hätten neben den sowjetischen Männern auch etwa 100 ukrainische Frauen Zwangsarbeit leisten müssen. Über sie sei bislang nur wenig bekannt. Sie wurden unter anderem bei der gefährlichen Granatenreinigung eingesetzt. Ein Teil dieser Frauen stammte aus Kiew und Charkow. „Über sie gibt es keine Aufzeichnungen und so ist ihr Schicksal noch immer ein weißer Fleck in der Aufarbeitung der Muna-Geschichte“, betont Otte. Die Muna Lehre wurde am 12. April 1945 von US-Soldaten befreit. Die sowjetischen Kriegsgefangenen hätten sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr dort befunden. Sie wären bereits einige Tage zuvor per Bahn in Richtung Stendal abtransportiert worden - aus Angst vor möglichen Übergriffen.

Die Ausstellung sollte ursprünglich bereits im April aus Anlass der Befreiung von Lehre vor 75 Jahren im Rathaus gezeigt werden. Aufgrund der Corona-Situation musste sie jedoch verschoben werden. Die Ausstellung wurde erstmals vor zwei Jahren präsentiert und könne nun erneut während der Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden. Je nach aktueller Lage sollten Sie sich vor einem Besuch über die Öffnungsmodalitäten des Rathauses informieren. Terminvereinbarungen seien möglich per Mail an stab@gemeinde-lehre.de oder bei Julian Sprenger unter Tel. 05308-699-22.


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