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Bei Grundschulbau: Nachweis für Stederdorfer Burg gefunden


Weitere baugeschichtliche Erkenntnisse sind durch die noch ausstehende Aufnahme der Gewölbe und weiterer unter dem Putz erkennbar alter Mauerzüge im Wallhofkeller zu erwarten. Die Grabungsergebnisse im Außenbereich legen nahe, dass diese tatsächlich mittelalterlich sein dürften (12./13. Jhdt.). Doch ist dies noch zu überprüfen. 
Fotos: Thomas Budde
Weitere baugeschichtliche Erkenntnisse sind durch die noch ausstehende Aufnahme der Gewölbe und weiterer unter dem Putz erkennbar alter Mauerzüge im Wallhofkeller zu erwarten. Die Grabungsergebnisse im Außenbereich legen nahe, dass diese tatsächlich mittelalterlich sein dürften (12./13. Jhdt.). Doch ist dies noch zu überprüfen. Fotos: Thomas Budde Foto: privat

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22.06.2018

Stederdorf. Beim Bau der neuen Grundschule konnte überraschenderweise der archäologische Nachweis der Stederdorfer Burg erbracht werden. Das teilt die Stadt Peine mit. Lesen Sie einen Bericht von Thomas Budde.


Die ersten Untersuchungen im Frühjahr 2016 hatten nicht viel Hoffnung auf den Nachweis der Stederdorfer Burg gemacht, die stets im Bereich des heutigen Jugendzentrums „Wallhof“ vermutet worden ist. Genauer gesagt den Turm der Herren von Oberg, den diese, einer chronikalischen Überlieferung zufolge, im Jahre 1306 nach einer verlorenen Fehde auf Hildesheimer Seite gegen Herzog Heinrich dem Wunderlichen von Braunschweig-Lüneburg ebenso wie ihren Turm in Oberg selbst, als Sühneleistung schleifen lassen mussten.

Dabei schien der Verdacht naheliegend: Begonnen mit der Namensbezeichung „Wallhof“ über die alten Kellergewölbe im Südwestteil des heutigen Fachwerkgebäudes, der merklichen Aufhügelung des Geländes um das Wallhof-Gebäude und der späteren Nutzung als Gerichtshaus der Herren von Oberg.

Die Burg war größer als gedacht



Eine große Überraschung stellte der Nachweis des zweiten, äußeren Burggrabens im künftigen Schulhofbereich dar. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war auch der inneren Burggraben- im Hintergrund - noch offen. Zwischen beiden ist ein Wall zu rekonstruieren. Foto: privat



Die archäologische Begleitung der Geländearbeiten für die Gestaltung des Innenhofes der neuen Grundschule, bei der mehrere Suchschnitte zu kontrollieren waren, brachte nun doch noch den Erfolg: Die Burg ist nachgewiesen und zudem durchaus größer zu ahnen war. Kurz vor Weihnachten konnte zunächst östlich des Wallhofs ein Graben erfasst werden, der mit dem schon 2016 südlich, unter der Straße Am Wehrturm, erfassten Grabenansatz korrespondiert. Es wurde schlagartig deutlich, dass es sich um einen Umfassungsgraben handeln dürfte, der inzirka 5Metern Abstand um den Wallhof herum führt.

Die weitere Freilegung des Grabenprofils ließ dann erkennen, dass der Graben mit 9 Metern Breite durchaus ein ordentliches Maß für einen Burggraben aufweist und sich zudem bei einer Tiefe von 2,30Metern schnell mit Grundwasser anfüllte. Ein Wassergraben ist immer deutlich wehrhafter als ein Trockengraben. Ein weiterer Grabenaufschluss im Südwesten ermöglicht die Aussage, dass der Burggraben den Wallhof insgesamt rund bis oval umgibt, auch wenn nördlich und östlich keine Erdarbeiten stattfanden.

Zweiter Burggraben gefunden


Bei den Planumsarbeiten für den Schulhof zeichnete sich auf größerer Fläche in 17 Metern Entfernung vom Wallhof später noch ein zweiter, etwa ebenso tiefer äußerer Burggraben ab. Ein angelegter Querschnitt ließ ein relativ spitzes Profil erkennen. Auch dieser Graben war wasserführend. Zu dem somit nachgewiesenen Doppelgraben sind zweifellos zwei Wälle zu rekonstruieren. Dies erklärt auch den Namen „Wallhof“. Den Funden zufolge - darunter ein ganzes Rinderskelett – ist der Innen- und Hauptgraben erst in der Zeit um 1800 zugeschüttet worden. Dies entspricht etwa der Erbauungszeit des heutigen Fachwerkgebäudes. Der Außengraben enthielt verkohlten Bauschutt von Balken und Lehmwänden sowie Funde aus der Zeit um 1700.


Unter dem westlichen Fundament des Fachwerkgebäudes (um 1800) konnten aus einer bewusst kompaktierten Erdschicht Funde aus dem 12. bis 13./14. Jhdt., welche die Burg datieren. Foto: privat



Aufgrund dieser Nachweise geriet die Untersuchung des Wallhof-Fundaments im Anschluss an den Burggrabenschnitt umso spannender, zumal datierendes Fundmaterial noch fehlte. Die Erwartung, dass darunter der Stumpf des 1306 abgebrochenen Turmes folgt, erfüllt sich jedoch nicht. Stattdessen trat ein beinahe steinhart verfestigtes humoses Erdreich auf, das mit Kalkbröckchen und Knochensplittern durchsetzt war. Diese Beischläge – vermutlich ungelöschter Kalk - wurden offenbar bewusst beigemengt, um anstelle des tiefgreifend abgebrochenen Turmes wieder einen festen Baugrund zu schaffen, auf dem zumindest ein Fachwerkgebäude wie das heutige stehen konnte. Die Erwartung, dass das massive Kellergewölbe auch das Fundament des Fachwerkgebäudes unterfängt, bestätigte sich überraschenderweise nicht. Ein Bohrstab drang 1,20Meter tief in das harte Erdreich vor. Erst dann wurde der feste Widerstand der äußeren Gewölbekappe spürbar.

Keramikscherben aus dem Spätmittelalter


Die kompakte Erdschicht enthielt nun endlich auch das erhoffte datierende Fundmaterial in Form spätmittelalterlicher Keramikscherben, die gut zu der überlieferten Turmschleifung im Jahre 1306 passen. Im unteren Bereich waren schließlich noch Scherben aus dem 12. Jahrhundert eingelagert. Diese liefern einen ersten Hinweis auf die Bestehens-, vermutlich auch auf die Erbauungszeit der Burg. Die Überdeckung des Kellergewölbes durch die spätmittelalterliche Erdschicht legt nahe, dass das Gewölbe tatsächlich mittelalterlich ist und einen letzten noch sichtbaren Überrest des Steinturmes der Herren von Oberg darstellt. In 1,60 m Tiefe unter der Fachwerkschwelle zeichnete sich schließlich auch die Ausbruchgrube der Turmmauer von 1306 scharf ab. Diese war auf sehr hartem kiesigem Raseneisenstein gegründet.

Abschließend soll das somit historische Kellermauerwerk noch baugeschichtlich untersucht werden, weil es konkrete Hinweise auf den Turm liefern könnte. Darauf folgt die Fundaufarbeitung.Man kann aber schon jetzt festhalten, dass es sich bei der Stederdorfer Burg um eine Turmburg mit doppeltem Wallgraben gehandelt haben muss. Die Grabenprofile passen recht gut zu einer „Motte“ (Turmhügelburg), einem im 12. Jhdt. durchaus weit verbreiteten Burgentyp.


Der alte Dorfplan Stederdorfs von 1862 zeigt, dass der „Wallhof“ einst zentral am südlichen Ortsrand gelegen hat, strategisch günstig und zum Schutz des Dorfes nach Süden an der Grenze zum Hochstift Hildesheim. Stederdorf war baunschweigisch-lüneburgisch. Foto:


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