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Auf der Suche nach dem optimalen Antikörper - So will YUMAB Corona bekämpfen

Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann besuchte das Braunschweiger Unternehmen am heutigen Mittwoch. In zirka einem Monat will man den passenden Antikörper gefunden haben. Der Weg zum Medikament ist aber noch weit.

von Alexander Dontscheff


Im YUMAB-Labor wird fleißig nach dem passenden Antikörper gesucht.
Im YUMAB-Labor wird fleißig nach dem passenden Antikörper gesucht. Foto: Alexander Dontscheff

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22.04.2020

Braunschweig. Auf der ganzen Welt wird derzeit nach einem Impfstoff oder einem Medikament gegen das Coronavirus geforscht. Auch Braunschweig trägt seinen Teil dazu bei. Zum Beispiel forscht das Biotechnologieunternehmen YUMAB an einer Methode, optimierte Antikörper gegen das Virus einzusetzen (regionalHeute.de berichtete). Am heutigen Mittwoch besuchte Niedersachsens Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann das Unternehmen, um sich auf den neuesten Stand bringen zu lassen.


Der sieht so aus, dass sich YUMAB-Geschäftsführer Dr. Thomas Schirrmann optimistisch zeigte, bis Ende Mai/Anfang Juni den optimalen Antikörper gefunden zu haben, auf dessen Basis dann ein Wirkstoff entwickelt werden soll. Man hofft, im Herbst soweit zu sein, um mit den klinischen Tests beginnen zu können. Doch mit einem Medikament auf dem freien Markt ist nicht so bald zu rechnen. Normalerweise dauert so etwas fünf bis sieben Jahre, erklärte Dr. Schirrmann, in einem beschleunigten Verfahren könne es vielleicht in zwei bis drei Jahren klappen. Dass es überhaupt so schnelle gehe, liege daran, dass viele Partner an dem Projekt arbeiteten und manche Prozesse parallel liefen, die sonst nacheinander durchgeführt würden.


Dr. Carola Reimann (re.) besuchte das Unternehmen auf dem Science Campus Braunschweig-Süd. Mit dabei: Dr. Thomas Schirrmann, Dr. André Frenzel, Annette Schütze, Prof. Dr. Michael Hust und Dr. Christos Pantazis. Foto: Alexander Dontscheff


Dr. Carola Reimann zeigte sich vom Forschungsstand des Unternehmens beeindruckt: „Wenn ich sehe, dass bereits mehrere Antikörperkandidaten mit dem Potential, das Virus an der Ausbreitung in der Lunge zu hindern, identifiziert wurden und mit welchem Hochdruck die Tests weiter vorangetrieben werden, sind das wirklich gute Neuigkeiten, die zeigen, wie Forschung in Niedersachsen einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Krise leistet.“

Hilfe für das eigene Immunsystem


Die Methode, einen Virus mit Antikörpern zu bekämpfen ist eigentlich recht einfach. Denn im Prinzip produziert das menschliche Immunsystem diese Antikörper selbst, erklärte YUMAB-Mitbegründer Prof. Dr. Michael Hust. Doch vielfach geschehe das zu langsam, im schlimmsten Fall erst dann wenn es zu spät und der Patient gestorben ist. Hier setzt YUMAB an. Das Unternehmen verfügt über eine Antikörperbibliothek mit 100 Milliarden verschiedener menschlicher Antikörper. Aus diesem Fundus wird dann von den Forschern der für den jeweiligen Virus optimale Antikörper ermittelt, um auf dessen Basis einen Wirkstoff zu entwickeln. Mit diesem wird dann das Immunsystem des Patienten unterstützt.


Die Basis für die Arbeit von YUMAB: Dr. André Frenzel (Wissenschaftlicher Leiter) vor einem der Kühlschränke, in denen die 100 Milliarden Antikörper untergebracht sind. Foto: Alexander Dontscheff


Beim aktuellen Projekt ist das Unternehmen finanziell in Vorleistung gegangen. Daher waren die Finanzen Thema beim heutigen Gespräch, an dem auch die Braunschweiger SPD-Landtagsabgeordneten Annette Schütze und Dr. Christos Pantazis teilnahmen. Zwar laufe derzeit ein Antrag auf Bundesfördermittel, aber die beiden Abgeordneten stellten in Aussicht, das Projekt gegebenenfalls über einen möglichen, weiteren Nachtragshaushalt des Landes zu finanzieren. Geschäftsführer Dr. Thomas Schirrmann betonte, dass wenn es in die Produktionsphase gehe, man auf jeden Fall einen Partner brauche - ob staatlich, seitens der Pharmaindustrie oder beides müsse sich zeigen.


Dr. Linda Kirchner präsentiert eine Methode, mit der zur Corona-Bekämpfung geeignete Antikörper herausgefiltert werden. Foto: Alexander Dontscheff


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