Braunschweiger Gemüsegrab: Sind die Kürbisse giftig?

Eine Probe des Gemüses von dem betroffenen Grab soll eine erhöhte Schwermetallbelastung ergeben haben. Doch der Propsteiverband zweifelt das Ergebnis an.

von Anke Donner


Ist das Gemüse auf dem Braunschweiger Grab giftig?
Ist das Gemüse auf dem Braunschweiger Grab giftig? Foto: Alexander Dontscheff

Braunschweig. Ein mit Gemüse bepflanztes Grab auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof sorgte im Sommer für Aufsehen. Aus Sicht der Kirche spricht nichts gegen die außergewöhnliche Grabgestaltung. Doch essen sollte man das Gemüse nicht. Das habe eine Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft der Friedhofsvereine ergeben. Das Gemüse sei stark mit Cadmium belastet, sagt der Sprecher der ArGe Friedhofsvereine, Andreas Morgenroth aus Hamburg im Gespräch mit regionalHeute.de. Doch der Propsteiverband zweifelt das Ergebnis an.


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Ein Grab, bepflanzt mit Kürbis, Kohlrabi und Erdbeeren, sorgte jüngst für Schlagzeilen, die bis nach Hamburg reichten. Dort ist die Arbeitsgemeinschaft der Friedhofsvereine auf die etwas andere Art der Grabbepflanzung aufmerksam geworden. Die Arbeitsgemeinschaft vertritt deutschlandweit Friedhofsvereine und -initiativen. Ziel sei es zum einen, Bestattungen und Friedhöfe in die Mitte der Gesellschaft zu holen und zu enttabuisieren. Aber auch der Schutz von Mensch und Naur sei ein wichtiger Bestandteil der Arbeit, so Morgenroth. Das Grab auf dem Braunschweiger Friedhof habe das Interesse des Vereins geweckt und so sei Morgenroth nach Braunschweig gereist, um das Grab unter die Lupe zu nehmen. Dabei habe er von dem darauf angepflanzten Gemüse Proben genommen und zur Analyse in ein Lebensmittellabor gegeben.

Grenzwerte weit überschritten


Das Ergebnis habe gezeigt, dass das Gemüse stark mit Schwermetall belastet sei. Der Cadmiumwert liege weit über dem Grenzwert, berichtet Morgenroth gegenüber regionalHeute.de. Dass Friedhöfsböden erhöhte Cadmiumwerte aufweisen, sei nicht ungewöhnlich, sagt er. Aufgrund der Totenasche in Urnen oder anderen Einflüssen würde es häufig vorkommen, dass die Erde auf Friedhöfen belastet sei.

Im Braunschwieger Fall seien nur die Früchte auf dem Grab - ein Kürbis und eine Aubergine - beprobt worden. Hier sei die Belastung dreimal höher, als der Grenzwert gewesen. Das beprobte Gemüse hätte einen durchschnittliche Cadmiumwert von 0,067 Milligramm je Kilo gehabt. Der Grenzwert würde hier bei jedoch beim Kürbis bei 0,020 mg/kg und bei einer Aubergine bei 0,030 mg/kg liegen. Morgenroth vermutet, dass auch die Erde entsprechend belastet sei. Wie belastet die Erde ist, könne Morgenroth derzeit nicht sagen, da es dafür einer weiteren Bodenprobe bedarf. Die wiederum habe er nicht selbst nehmen dürfen. Inzwischen sei sie aber bei der Bodenschutzbehörde Braunschweig beantragt worden. Es sei wichtig, so Morgenroth, herauszufinden, ob und wie stark die Erde belastet ist und warum es zu erhöhten Werten gekommen ist. Wichtig sei hierbei auch, die Grabhistorie zu kennen. Von Urnengräbern würde generell eine weitaus höhere Belastung ausgehen, als von Sargbestattungen.

Warnung vor dem Verzehr


Cadmium sei ein hochtoxisches Schwermetall und kann zu Nerven,- Leber- und Nierenschäden führen, sagt Morgenroth. Eine derartige Cadmiumbelastung, wie sie in Braunschweig nun festgestellt wurde, sei stark gesundheitsgefährdend. Vom Verzehr rät Morgenroth daher dringend ab. Insbesondere für Kleinkinder sei der Verzehr dieses Gemüses sehr gefährlich. Von seinem Ergebnis habe Morgenroth auch den Propsteiverband Braunschweiger Land in Kenntnis gesetzt und um weitere Klärung sowie die Weitergabe der Ergebnisse an die Friedhofsnutzer gebeten. Hier habe man ihm aber relativ deutlich zu verstehen gegeben, dass weitere Anfrage unerwünscht seien, sagt Andreas Morgenroth, der den Propsteiverband ist der Pflicht sieht, über die Gefahr aufzuklären.

Zweifel am Ergebnis


Der Propsteiverband Braunschweiger Land bezieht auf Nachfrage von regionalHeute.de Stellung zu den Ergebnissen und zu dem Vorwurf der Arbeitsgemeinschaft der Friedhofsvereine, man würde diese ignorieren. Dabei macht der Propsteiverband deutlich, dass man zum einen mit der Vorgehensweise nicht ganz einverstanden sei, die zu der Beprobung geführt habe. Andererseits habe man Zweifel daran, ob die Probe wirklich vom Braunschwieger Friedhof stammt.

"Auch wenn wir dieses Interesse sehr begrüßen, ist es nicht die Aufgabe von Herrn Morgenroth, Bodenproben in Auftrag zu geben. Richtig ist, dass Herr Morgenroth die Friedhofsverwaltung über einen erhöhten Cadmiumwert informiert hat. Allerdings können wir nicht nachvollziehen, von wo die Bodenprobe stammt, die er zur Untersuchung gegeben hat und ob diese überhaupt vom Hauptfriedhof Braunschweig stammt", heißt es in der Stellungnahme.

Angehörige informiert


Nichtsdestotrotz habe man den Nutzungsberechtigten des betroffenen Grabs über den erhöhten Wert informiert. Außerdem habe man parallel dazu sowohl von der betroffenen Grabstelle, als auch von weiteren Orten auf dem Hauptfriedhof Bodenproben entnommen, die sämtlich keinerlei erhöhte Schadstoffwerte aufgewiesen hätten. "Wir stehen zudem mit der zuständigen Bodenschutzbehörde im Kontakt. Derzeit überprüfen wir, ob die Friedhofsverwaltung dennoch vorsorglich vor dem Verzehr etwaiger auf dem Hauptfriedhof angebauter Früchte warnen soll. Das Ergebnis dieser Prüfung steht noch aus", teilt eine Sprecherin des Evangelisch-lutherischen Propsteiverbandes Braunschweiger Land mit.

Zu dem Vorwurf, der Propsteiverband wolle nicht weiter auf das Thema angesprochen werden, erklärt man: "Da Herr Morgenroth sehr fordernd aufgetreten ist, haben wir ihn gebeten, von weiteren Anfragen abzusehen."


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