Braunschweig. 19 Ratsfrauen verschiedener Fraktionen und Gruppen haben einen gemeinsamen Antrag in die Ratsgremien eingereicht. Darin wird die Verwaltung gebeten, einen sogenannten Frauenstadtplan zu erstellen. Bereits zum Tag der Niedersachsen solle eine erste Auflage erscheinen. Der Rat der Stadt hat in seiner Sitzung am heutigen Dienstag mit großer Mehrheit zugestimmt.
Der Stadtplan solle demnach mindestens die Straßen und Plätze beinhalten, die Frauen gewidmet sind, biografische Daten und Fakten zu bedeutenden Braunschweigerinnen aus allen Lebensbereichen, historisch wie zeitgenössisch, Anlaufstellen und Angebote für Frauen, WCs und Wickeltische sowie „frauenORTE“. Wo es sich anbiete, solle der Plan Wegebeziehungen aufzeigen, die zum Erkunden der Stadt einladen (beispielsweise ein Wissenschaftlerinnen-Weg, eine Kultur-Runde oder ein Politikerinnen-Pfad).
Online und gedruckt
Der Stadtplan soll auf der städtischen Webseite veröffentlicht werden und auch als gedrucktes Erzeugnis vorliegen, eine Einbindung in die Löwenbündel-App wäre wünschenswert, so die Antragsteller. Perspektivisch könne im digitalen und damit unbegrenzten Raum das Informationsangebot über Frauenfiguren auch ausgeweitet werden. Es sei ausdrücklich erwünscht, dass sich die Braunschweiger Gesellschaft durch Vorschläge an der Auswahl der porträtierten Frauen beteiligt. Nach der ersten Auflage zum Tag der Niedersachsen könne der Inhalt für weitere Auflagen erweitert werden. Online sei eine laufende Erweiterung wünschenswert.
Zielgruppe seien sowohl Braunschweigerinnen als auch Touristen, die die Stadt aus einer anderen Perspektive wahrnehmen wollen. Für die grafische Gestaltung und den Druck werde die Bereitstellung außerplanmäßiger Haushaltsmittel beantragt. Eine Entscheidung ist für die Ratssitzung im März geplant.
Verwaltung begrüßt Vorschlag
Vorab hat die Stadtverwaltung zu dem Thema Stellung genommen. Dort begrüßt man den Vorschlag. Ein Frauenstadtplan mache für Neubürgerinnen und auch für Besucherinnen von Braunschweig viel Sinn. Alle anderen könnten damit die eigene Stadt neu entdecken. Zudem diene der Stadtplan der Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen.
Für einen solchen Plan seien viele Daten zu recherchieren und zusammenzustellen. Es gebe bereits Übersichten zu Wickel- und Stillbereichen sowie Beratungsstellen oder auch zu historischen Frauenpersönlichkeiten über die vorhandenen frauenORTE, die BLIK-Tafeln oder die Ausstellung über „Frauen um die Jahrhundertwende“ des Gleichstellungsreferates. Dieses wolle auch die Recherche-Aufgaben, die Zusammenstellung der Daten und die Organisation der Veröffentlichung zum Tag der Niedersachsen übernehmen.
Öffentliche Beteiligung später
Da dieser bereits vom 12. bis 14. Juni stattfindet, könne für eine erste Auflage noch keine Beteiligung der Braunschweiger Stadtgesellschaft durchgeführt werden. Alle Vorschläge, die gemacht werden, müssten auch gut recherchiert werden, was sehr viel Zeit in Anspruch nehme. Für eine Überarbeitung und weitere Auflagen sei dies aber zu begrüßen und sinnvoll. Eine erste Auflage für Juni 2026 von 5.000 Stück erscheine angemessen.
In der Ratssitzung am heutigen Dienstag stellte Ratsfrau Anikó Glogowski-Merten den Antrag vor. Auch 2026 müssten Frauen immer noch um Sichtbarkeit kämpfen. Man wolle einen Frauenstadtplan, der die Sichtbarkeit von Frauen in der Stadt erhöhe. Der zeigt: Welche Straßen und Plätze tragen den Namen einer Frau? Wer waren diese Frauen? Welche Braunschweigerinnen haben Geschichte geschrieben?
Mit großer Mehrheit beschlossen
Eine größere Debatte blieb aus. Mehrere Rednerinnen verteidigten den Antrag, allerdings weniger gegen Stimmen aus dem Rat, sondern vielmehr gegen öffentliche Kritik im Vorfeld, vor allem aus den sogenannten sozialen Medien. Der Antrag wurde bei einer Gegenstimme und einigen Enthaltungen mit großer Mehrheit angenommen.
Folgende Ratsfrauen haben den Antrag gestellt: Anikó Glogowski-Merten, Susanne Hahn, Annegret Ihbe, Christiane Jaschinski-Gaus, Annette Johannes, Sonja Lerche, Annette Schütze, Cristina Antonelli-Ngameni, Bianca Braunschweig, Dr. Elke Flake, Rabea Göring, Lisa-Marie Jalyschko, Leonore Köhler, Sabine Kluth, Gisela Ohnesorge, Michaline Saxel, Anke Schneider, Silke Arning und Sabine Bartsch.

