Fluglotsen virtuell im Einsatz – Forschung aus Braunschweig macht's möglich

Damit kann die Flugsicherung an kleineren und regionalen Flugplätzen einfacher geleistet werden.

Forscherin mit VR-Headset in einem Virtual Tower.
Forscherin mit VR-Headset in einem Virtual Tower. | Foto: DLR

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Braunschweig. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Technologieunternehmen QUANTOM bringen gemeinsam eine neue Lösung für die Flugsicherung an kleineren und regionalen Flugplätzen in die Anwendung. Das berichtet das DLR jetzt in einer Pressemitteilung. Möglich wird das durch Forschung aus Braunschweig.



Grundlage sei demnach ein am DLR-Institut für Flugführung in Braunschweig entwickeltes Virtual-Tower-Konzept, das QUANTOM nun zu einem marktfähigen Produkt weiterentwickeln wird. „Mit dem Virtual-Tower-Konzept können Fluglotsinnen und Fluglotsen sowie Mitarbeitende von Fluginformationsdiensten Flugplätze aus der Ferne betreuen, ohne dafür an einen fest ausgestatteten Remote-Tower-Arbeitsplatz gebunden zu sein“, erklärt Jörn Jakobi vom DLR-Institut für Flugführung. „Statt umfangreicher Bildschirm- und Hardware-Infrastruktur werden Außensicht, Systeme und Bedienfunktionen in einer virtuellen Arbeitsumgebung zusammengeführt und über VR-Headsets bereitgestellt“, so Jakobi weiter.

Remote-Tower wird zum virtuellen Arbeitsplatz


Remote-Tower-Systeme ermöglichen es bereits heute, Flugplätze aus der Ferne zu überwachen und Flugsicherungs- oder Fluginformationsdienste bereitzustellen. Das am DLR entwickelte Konzept führt diesen Ansatz weiter: Der bisher physisch eingerichtete Arbeitsplatz in einem Remote-Tower-Center wird in eine virtuelle Umgebung übertragen.

Dort werden alle für die Arbeit benötigten Informationen und Funktionen zusammengeführt. Dazu gehören die Außensicht des Towers ebenso wie relevante Anzeigen, Systeme und Bedienmöglichkeiten. Der Arbeitsplatz ist damit nicht mehr an eine umfangreiche technische Infrastruktur an einem bestimmten Standort gebunden.

„Mit dem Virtual-Tower-Konzept haben wir untersucht, wie sich Remote-Tower-Arbeitsplätze flexibler und mit geringerem Infrastrukturaufwand umsetzen lassen. Mit QUANTOM haben wir nun einen Partner gefunden, der diesen Forschungsansatz in Richtung einer kommerziell einsetzbaren Lösung weiterentwickelt“, sagt Jakobi.

Neue Möglichkeiten für kleinere und regionale Flugplätze


Insbesondere für kleinere und regionale Flugplätze kann der Ansatz neue Möglichkeiten eröffnen. Der Bedarf an fest installierten Arbeitsplätzen, Gebäuden und umfangreicher technischer Infrastruktur lässt sich reduzieren. Gleichzeitig können Flugsicherungs- und Fluginformationsdienste sowie das dafür benötigte Personal flexibler und standortübergreifend eingesetzt werden.


So könnten beispielsweise mehrere Flugplätze Ressourcen gemeinsam nutzen. Auch zusätzliche oder höherwertige Dienste ließen sich bei Bedarf bereitstellen, ohne die dafür erforderlichen Kapazitäten dauerhaft an jedem einzelnen Standort vorhalten zu müssen.

Dadurch können Flugplätze ihre Betriebszeiten beispielsweise flexibler an konkrete Start- und Landeanfragen anpassen. Das kann unter anderem bei zeitkritischen Organ- und Patiententransporten, Rettungs- und Einsatzflügen, Katastrophenschutztransporten, Geschäfts- und Charterflügen oder bei Ausweichverkehren relevant sein, wenn andere Flughäfen kurzfristig nicht zur Verfügung stehen.

„Die Virtual-Tower-Technologie bietet aus unserer Sicht großes Potenzial, Remote-Tower-Lösungen für einen breiteren Kreis von Flugplätzen und Dienstleistern zugänglich zu machen“, sagt Tom Tapken, Geschäftsführer von QUANTOM. „Wir freuen uns darauf, die am DLR entwickelte Technologie nun weiterzuentwickeln und für den praktischen Einsatz vorzubereiten.“

Vom DLR-Forschungsprototypen zum marktfähigen Produkt


Mit dem Technologietransfer im Oktober 2026 beginnt die nächste Entwicklungsphase. QUANTOM übernimmt die weitere Produktentwicklung und wird die DLR-Technologie für den Markteinsatz vorbereiten.

Ziel ist es, die Virtual-Tower-Technologie künftig einem größeren Kreis von Flugplätzen zugänglich zu machen und damit neue Möglichkeiten für eine flexible und wirtschaftliche Bereitstellung von Flugsicherungs- und Fluginformationsdiensten zu schaffen. Der Technologietransfer ist zugleich ein Beispiel dafür, wie Forschungsergebnisse des DLR gemeinsam mit Unternehmen aus der Wirtschaft in die praktische Anwendung überführt werden.