Wolters-Brauerei "abgespeckt" fortführen? Darum klappt es wohl nicht

Der künftige Wolters-Eigentümer rechnet vor: Ein "Downsizing" würde Investitionen im hohen zweistelligen Millionenbereich erfordern. Arbeitsplätze sollen aber auch in der Region erhalten bleiben.

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Die Wolters-Brauerei zu verkleinern, würde zig Millionen. kosten, rechnet der künftige Eigentümer vor.
Die Wolters-Brauerei zu verkleinern, würde zig Millionen. kosten, rechnet der künftige Eigentümer vor. | Foto: Matthias Kettling

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Braunschweig. Die wohl gescheiterte Rettung der altehrwürdigen Wolters-Brauerei in Braunschweig zog einiges an Kritik auf sich. Jetzt melden sich sowohl die Volksbank BRAWO, bisherige Eigentümerin und 2020 Retterin der damals finanziell bereits angeschlagenen Brauerei, als auch die TCB Beteiligungsgesellschaft mbH, die Wolters übernehmen wird und künftig als Marke fortführen will, per Pressemitteilung zu Wort. Die Bank hatte in der vergangenen Woche eine Absichtserklärung mit dem Unternehmen aus Frankfurt (Oder) zur Übernahme von Wolters unterzeichnet. Neben der Marke hoffe TCB, noch weitere regionale Verankerungen zu retten – wie Gastronomiebeziehungen und Jobs im Vertrieb und der Logistik.



Vorausgegangen waren in den vergangenen Tagen die Vorstöße einiger privater Initiativen wie zum Beispiel die Online-Petition der Verdi-Gewerkschaftssekretärin Sophie Dabirmanesh, die zur Rettung von Wolters aufrief und schon mehr als 18.000 Unterzeichner vorweisen kann. Dabirmanesh lädt jetzt zu einem offenen Treffen am 23. Oktober um 16 Uhr im Gewerkschaftshaus (Wilhelmstraße 5) ein. Da sollen alle Ideen auf den Tisch. Wohl auch die Idee, die der Braunschweiger Jan Hackenberg vorangetrieben hatte. Sein Vorschlag war es, die Brauerei als Genossenschaft fortzuführen. Er hatte bereits Zusagen von etlichen Interessenten eingesammelt, die zusammen weit mehr als 100.000 Euro investieren würden. Dass sich diese Ideen noch irgendwie umsetzen lassen, scheint immer unwahrscheinlicher zu werden – doch die Initiativen geben sich weiterhin noch nicht geschlagen.

Neuer Wolters-Eigentümer zollt Braunschweigern Anerkennung und Respekt


In einem Statement des neuen Wolters-Eigentümers TCB heißt es jetzt: "Wir haben Verständnis für die große emotionale Bedeutung, die Wolters für viele Menschen in Braunschweig und der Region hat. Dass sich zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer für den Erhalt der Marke und des Brauereistandorts engagieren wollen und dabei sogar bereit sind, eigenes privates Geld einzusetzen, verdient Anerkennung und Respekt." Auch die Volksbank schreibt in ihrem Statement: "Dieses Engagement verdient unsere ausdrückliche Wertschätzung und unseren Respekt. "

Es gelte aber laut TCB auch, mit den "wirtschaftlichen und technischen Realitäten" umzugehen. So hätten Volksbank, die Hofbrauhaus Wolters GmbH und TCB die Möglichkeit geprüft, "die Produktion am Braunschweiger Standort in deutlich verkleinertem Umfang fortzuführen", heißt es in der TCB‑Pressemitteilung. Ziel sei es gewesen, auszuloten, "ob ein wirtschaftlich tragfähiges Downsizing mit einer angepassten Produktionsmenge möglich wäre." Die Prüfung habe jedoch ergeben, dass dieses Verfahren wirtschaftlich nicht darstellbar sei. Es würde sich nicht rechnen. Zur Begründung heißt es dort: "Die vorhandenen Anlagen sind auf ein Mehrfaches der heute noch bestehenden Wolters-Mengen ausgelegt und zudem in wesentlichen Bereichen technisch veraltet. Der Standort weist darüber hinaus erhebliche infrastrukturelle und bauliche Herausforderungen auf."

Volksbank BRAWO hatte ordentlich investiert


Dieser Sanierungsstau in der Brauerei wurde in den vergangenen Tagen oftmals der Volksbank BRAWO vorgeworfen. Die Bank widerspricht und betont jetzt in ihrer Pressemitteilung: "Als Volksbank BRAWO haben wir in den vergangenen Jahren erheblich in Sachanlagen und Brautechnik für die Modernisierung der Entalkoholisierung, Flaschenabfüllung und Erhitzungstechnik investiert. Zudem wurde die Kapitalbasis gestärkt, um die strategische Neuausrichtung zu ermöglichen. Dies alles galt der Zukunftssicherung und der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Wir haben aus unserer Sicht alles Mögliche versucht und getan, um Wolters, den Beschäftigten und dem Braustandort eine Perspektive zu ermöglichen."

"Höherer zweistelliger Millionenbetrag erforderlich"


Wie der neue Eigentümer TCB jetzt mitteilt, wäre eine Fortführung des Brauereibetriebs in einer kleineren Variante in Braunschweig nur möglich, wenn noch mal kräftig investiert werden würde. "Ein Downsizing wäre deshalb faktisch kein Weiterbetrieb der vorhandenen Brauerei in kleinerem Maßstab. Es käme vielmehr nahezu einem vollständigen technischen Neubau gleich – von der Medienversorgung über die Bierherstellung bis hin zur Abfüllung. Nach den vorliegenden Einschätzungen wäre hierfür ein höherer zweistelliger Millionenbetrag erforderlich." Erhebliche Anlauf-, Betriebs- und Modernisierungsrisiken kämen nochmal obendrauf.

Sowohl TCB als auch Volksbank verweisen zudem auf die aktuelle schwierige Marktlage. Der Bierabsatz in Deutschland nimmt ab. Im Statement der Volksbank heißt es: "Viele Brauereien mussten zuletzt aufgeben. Von diesen Entwicklungen ist auch Wolters betroffen und schrieb daher seit geraumer Zeit hohe Verluste." TCB erklärt im Hinblick auf die "kleine" Wolters-Variante: "Brauereien in der angestrebten Größenordnung stehen derzeit unter besonderem wirtschaftlichem Druck und sind überproportional von Insolvenzen und Betriebsaufgaben betroffen", erklärt TCB. "Ein Konzept, das auf dauerhaft zu großen, veralteten Anlagen und einer nicht ausreichenden Auslastung beruhen würde, wäre aus unserer Sicht nicht nachhaltig." Unter den Initiativen sei keine, die "ein solches Produktionskonzept wirtschaftlich und operativ zu verantworten" bereit wäre, so TCB.

"Wir halten es für eine Frage der Verantwortung gegenüber den Hunderten oder sogar Tausenden Menschen, die sich für Wolters engagieren wollen, deren private Mittel nicht in ein Konzept fließen zu lassen, dessen wirtschaftliche Tragfähigkeit nach den vorliegenden Prüfungen nicht gegeben ist. Es wäre nicht verantwortungsvoll, aus emotional nachvollziehbaren Gründen Kapital einzuwerben, obwohl absehbar wäre, dass damit ein wirtschaftlich nicht tragfähiger Betrieb finanziert würde."

Arbeitsplätze sollen gerettet werden


TCB verfolge derweil das Ziel, "diejenigen Teile von Wolters zu sichern, die unter realistischen Bedingungen eine Zukunft haben können. Dazu gehören insbesondere die Marke, ihre regionale Präsenz, Kunden- und Gastronomiebeziehungen sowie Arbeitsplätze und Tätigkeiten in Vertrieb, Logistik, Eventservice und weiteren Bereichen. Die Produktion soll unter Nutzung moderner und wirtschaftlich geeigneter Strukturen fortgeführt werden."

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