Schutz vor Extremwetter: Was können Bürger und Kommunen tun?

Im Rahmen einer Diskussionsrunde kam auch das Phänomen "Hochwasserdemenz" zur Sprache.

Feridun Öztoprak (Moderator), Hendrik Rösch (Harzwasserwerke GmbH, Technischer Geschäftsführer), Afra Kircher (BLSK, Nachhaltigkeitsexpertin), Ron Große (BLSK, Leiter Private Banking Beratungsspezialisten), Judith Kraft (Stadtentwässerung Braunschweig GmbH, Geschäftsführerin), Tobias Wunsch (Stadt Braunschweig, Hochwasserschutz), Johanna Heß (TRAFO Hub, Prokuristin), Torge Malchau (Feuerwehr Braunschweig, Leiter) (v. li.).
Feridun Öztoprak (Moderator), Hendrik Rösch (Harzwasserwerke GmbH, Technischer Geschäftsführer), Afra Kircher (BLSK, Nachhaltigkeitsexpertin), Ron Große (BLSK, Leiter Private Banking Beratungsspezialisten), Judith Kraft (Stadtentwässerung Braunschweig GmbH, Geschäftsführerin), Tobias Wunsch (Stadt Braunschweig, Hochwasserschutz), Johanna Heß (TRAFO Hub, Prokuristin), Torge Malchau (Feuerwehr Braunschweig, Leiter) (v. li.). | Foto: BLSK / Carisma

Braunschweig. Es mag schnell vergessen sein, aber: Das letzte Hochwasser in Braunschweig und Region liegt nicht allzu lange zurück. Und: das nächste Extremwetterereignis kommt bestimmt. Wie Bürger sich dagegen wappnen können, wie Kommunen & Co. sich auf den Klimawandel einstellen und wo es hakt – darüber wurde beim „Impact Talk“ von Braunschweigischer Landessparkasse (BLSK) und TRAFO Hub diskutiert. Das berichtet die BLSK in einer Pressemitteilung.



Warnapps wie NINA und KATWARN, ein Hochwasserportal, die App „Meine Pegel“, eine Starkregengefahrenkarte oder gar eine eigene Veröffentlichung der Stadt Braunschweig „Schutz und Vorsorge vor Starkregen“ mit 15 Tipps für richtiges Verhalten bei Überflutungsgefahr: Mehr als deutlich wurde am Abend, dass mittlerweile einige Tools für die Aufklärung und Vorbereitung etwa zum Hochwasserschutz existieren.

Stichwort "Hochwasserdemenz"


Das Plenum verwies in diesem Zusammenhang allerdings auch auf ein Phänomen: „Man erntet keinen Ruhm für Prävention“, sagte eins Virologe Christian Drosten. Gemeint sei, dass das öffentliche Interesse an Information und Maßnahmen außerhalb einer etwaigen Hochwasserlage gering sei. Das Stichwort: Hochwasserdemenz. Nicht zuletzt die Hochwasserlagen des vergangenen Winters hätten deutlich gezeigt, wie wichtig Vorbeugung und Vorsorge seien.

„Der beste Einsatz ist der, der nicht stattfindet“, so Torge Malchau, Leiter der Feuerwehr Braunschweig. Klar sei aber auch: In Zukunft wird es absehbar mehr Hochwasserereignisse geben. Die Stadt Braunschweig arbeite deshalb an unterschiedlichsten Maßnahmen. Judith Kraft, Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS), berichtet über die Planung der Anschaffung eines zweiten Mobildeiches. Und sie schickt eine Botschaft mit: „Wir sind auf die Unterstützung der Bürgerschaft angewiesen.“ In Braunschweig sei man bei dem Aufbau des Mobildeiches gestört worden, in Hildesheim wurde ein extra angeschaffter Mobildeich mutwillig zerstört.

Drohungen und Attacken


Praktisch die gesamte Runde um Feuerwehr-Leiter Torge Malchau, Stadtentwässerung-Geschäftsführerin Judith Kraft, Hendrik Rösch (Harzwasserwerke GmbH, Technischer Geschäftsführer) und Tobias Wunsch (Stadt Braunschweig, Hochwasserschutz) konnte jene Erfahrung teilen. Hendrik Rösch von den Harzwasserwerken habe Drohmails erhalten, gleich mehrere Vertreter berichten etwa von verbalen oder gar körperlichen Attacken auf Einsatzkräfte.

5.000 Anrufe innerhalb weniger Stunden


Ebenfalls eine Herausforderung, so Malchau, sei indes das Unverständnis einiger weniger. „Mal eben noch schnell über die überflutete Straße endet leider oft mit einem Einsatz für uns. Das ist Zeit, die uns für andere dringende Einsätze fehlt.“ Und er ergänzt: „Wenn wir bei einem Extremwetterereignis 5.000 Anrufe innerhalb weniger Stunden haben, dann können wir schlichtweg nicht sofort zu jemandem anrücken, dem das Wasser fünf Zentimeter im Keller steht.“

Die Idee für den Themenschwerpunkt Hochwasserschutz entstand indes bei der vergangenen Ausgabe des „Impact Talk“, der auf Initiative der Löwen+ Fonds der Braunschweigischen Landessparkasse (BLSK) in Kooperation mit dem TRAFO Hub auf die Beine gestellt wird. Dazu erläutert Afra Kircher, Nachhaltigkeitsexpertin der BLSK: „Mit den Löwen+ Fonds legen wir international an und geben regional etwas zurück. Der Hochwasserschutz lässt sich dabei unmittelbar mit unserer Arbeit verknüpfen: in beiden Fällen geht es um Risikomanagement.“

„Wir werden mit allen Maßnahmen immer dem Klima hinterherlaufen.“

- Torge Malchau, Leiter der Feuerwehr Braunschweig


Und dieser vorsorgliche Blick ist wesentlich, das wird auch beim Impact Talk selbst deutlich. „Es ist ganz wesentlich die Bevölkerung aufzuklären“, bestärkt Harzwasserwerke-Geschäftsführer Rösch. Auch Malchau wirbt dafür, sich frühzeitig als Eigentümer oder Anwohner auf etwaige Hochwasser- oder Starkregenereignisse vorzubereiten. Denn, klar ist auch: sie werden wiederkommen. „Wir werden mit allen Maßnahmen immer dem Klima hinterherlaufen“, fügt der Feuerwehr-Chef hinzu.

Braunschweig Schwammstadt


Er hofft indes, dass die Entwicklungen auch entsprechend in die Stadtplanung einfließen, Flächenversiegelung ist dabei etwa ein wesentliches Schlagwort. Aber auch die sogenannte „Schwammstadt“, sprich Niederschlagswasser durch entsprechende Maßnahmen dort zwischenzuspeichern, wo es fällt. „Am liebsten würde ich Braunschweig zur Schwammstadt machen“, erklärt SEBS-Geschäftsführerin Kraft.

Weitere Informationen zum Bevölkerungsschutz der Stadt Braunschweig sind auf www.braunschweig.de/bevoelkerungsschutz zu finden, zum Engagement der BLSK mit den Löwen+ Fonds auf www.loewenplus.de. Aktuelle Veranstaltungshinweise gibt es auf den Social Media Kanälen der @landessparkasse.


mehr News aus Braunschweig