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Sportlehrer in Niedersachsen schlagen Alarm: Kinder bewegen sich kaum noch!



Sportlehrer schlagen Alarm: Kinder bewegen sich kaum noch!

Der niedersächsische Sportlehrerverband fordert unter anderem eine dritte Sportstunde. Kultusminister Grant Hendrik Tonne winkt ab.

von Alexander Dontscheff


Symbolbild
Symbolbild Foto: Pixabay

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Hannover. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung plant für ein Bund-Länder-Förderprogramm zur Kompensation pandemiebedingter Lern- und Kompetenzrückstände in den Kernfächern eine Milliarde Euro zur Verfügung zu stellen. Der Landesverband Niedersachsen des Deutschen Sportlehrerverbandes kritisiert in einer Pressemitteilung, dass der Sportunterricht hierbei unberücksichtigt bleibe. Dabei würden die Probleme, die Kinder durch Bewegungsmangel bekämen, immer größer. Der Verband fordert daher unter anderem die Einführung einer dritten Sportstunde. Kultusminister Grant Hendrik Tonne lehnt dies allerdings ab.



"Viele Kinder und Jugendliche in Niedersachsen haben sich seit mehr als einem Jahr kaum bewegt, konnten keinen Schulsport, keinen Sportunterricht und keinen Vereinssport betreiben", betont der Deutsche Sportlehrerverband Niedersachsen. Laut Medienberichten würden deutlich mehr junge Menschen psychologische Betreuung benötigen. Viele Kinder hätten sich motorisch zurückentwickelt oder zugenommen. Die Gefahr von Krankheiten wie Diabetes steige. „Viele übergewichtige und adipöse Kinder leiden im Erwachsenenalter an kardiovaskulären Erkrankungen wie Bluthochdruck, oder auch an Insulinresistenzen, Depressionen oder Angsterkrankungen. Ein Risiko, mit dem schon vor Corona bereits 15 Prozent der Kinder in Deutschland aufgrund ihres Übergewichts lebten", so der Verband.

"Wer nicht schwimmen kann, kann ertrinken!"


Außerdem gebe es starke Einbrüche bei der - ohnehin verbesserungsfähigen - Schwimmfähigkeit der Grundschülerinnen und -schüler zu erwarten. Bedingt durch die Bäderschließungen 2020 und 2021 habe in Niedersachsen kaum Schwimmunterricht stattfinden können. Dabei stelle Schwimmen eine lebensrettende Kulturtechnik dar: "Wer nicht schwimmen kann, kann ertrinken!", so der Verband. Die Kommission Sport der Kultusministerkonferenz halte eine Förderung von Ländermaßnahmen und -programmen zur Kompensation von Rückständen in der Schwimmausbildung sowie im motorischen Bereich aus dem geplanten Bund-Länder-Förderprogramm für erforderlich.


Konkret fordert der Deutsche Sportlehrerverband Niedersachsen den Kultusminister auf, Gelder des Bund-Länder-Förderprogramms zur Kompensation pandemiebedingter Lern- und Kompetenzrückstände auch für den Schulsport einzusetzen. Umfangreiche Programme zur motorischen Förderung von Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen müssten geschaffen und die dritte Sportstunde realisiert werden. Zudem soll es eine großangelegte Kampagne geben, um Kinder und Jugendliche schwimmfähig zu machen. In Kooperation mit den Sportvereinen könnten Schwimmkurse in der Schulzeit, in den Ferien oder an Wochenenden eingerichtet werden. Hierfür bräuchten die Schulen Schwimmzeiten, Lehrerstunden und Geld.

"Den Stundenplan nicht umstoßen"


Zumindest in Sachen dritter Sportstunde erteilte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne der Forderung eine Absage. "Wir werden jetzt nicht den Stundenplan umstoßen", erklärte er im Rahmen einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag. In jedem Fach gebe es Defizite, die eigentlich aufgeholt werden müssten. Für mehr Sportunterricht sehe er da keine Kapazitäten. Der Bewegungsmangel müsse außerhalb der Schule ausgeglichen werden.


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