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Umstrittene Fördermethode: Fracking in Braunschweig?



Umstrittene Fördermethode: Fracking in Braunschweig?

von Sina Rühland



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Braunschweig. Was befindet sich unter Braunschweigs Gesteinsschichten? Um das herauszufinden wurde beim Landesamt für Bergbau angefragt, ob auf dem beantragten Erlaubnisfeld Borsum nach Kohlenwasserstoff gesucht werden darf. Dies besagt eine Mitteilung an den Rat der Stadt Braunschweig. Nun sind die Ratsmitglieder angehalten, bis Oktober eine gemeinsame Stellungnahme zu dem Antrag abzugeben. Bereits im Jahr 2012 hatte der Rat einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der sich die Fraktionen "gegen die risikoreiche Erdgasförderung mittels Frac-Technologie in der Region" aussprachen.





Das beantragte Erlaubnisfeld erstreckt sich auch auf den westlichen Teil des Stadtgebietes von Braunschweig, die Ortsteile Watenbüttel, Völkenrode, Kanzlerfeld, Lamme, Timmerlah. Der Erlaubnis-Antrag des Landesamtes für Bergbau spricht zwar nicht von "Fracking", jedoch ist das Suchen von Kohlenwasserstoff in der Regel eine Art Vorstufe zur Gewinnung fossiler Rohstoffe. Kohlenwasserstoffe sind in der Natur in Erdöl, Erdgas, Kohle und weiteren fossilen Stoffen in größeren Mengen enthalten – somit praktisch bares Geld für die mit Rohstoffen handelnden Industrie-Zweige. Bei der umstrittenen Fördermethode wird eine große Menge mit Chemie versetzte Flüssigkeit in die Erde gepresst, um somit besser an Gas und Flüssigkeit zu gelangen. Umstritten ist diese Methode deshalb, da Mengen an Giftstoffen unter die Erdoberfläche gepumpt werden. Die Fraktionen im Rat der Stadt Braunschweig haben sich schon vor Jahren gegen diese Fördermethode ausgesprochen. Ein Mitwirkungsrecht haben die betroffenen Kommunen jedoch nicht. Sie dürfen lediglich ein Statement zu der Sachlage abgeben – so sieht es die aktuelle Gesetzeslage vor.

Auf den jüngst gestellten Erlaubnisantrag reagieren BIBS und CDU wie folgt: 








Lageplan Erlaubnisfeld Borsum. Bild: BIBS/Stadt Braunschweig Foto: Stadt Braunschweig


"Mit uns kein Fracking in Braunschweig!“, sagt die CDU-Fraktion und will sich damit klar gegen das Aufsuchen von Kohlenwasserstoffen in der Region aussprechen. Reinhard Manlik, planungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion erläutert: „Niemand weiß derzeit, welche Auswirkungen die beim Fracking verwendeten Chemikalien auf das Grundwasser haben und ob somit eine Gefährdung von Mensch, Natur und Umwelt besteht. So lange diese Risiken aber nicht ausgeschlossen sind, werden wir –im Rahmen unserer beschränkten Möglichkeiten – jeden Antrag, auch solche zum Aufsuchen von entsprechenden Gebieten, ablehnen! Demzufolge sind wir auch entschieden gegen jede städtische Stellungnahme, die sich positiv zum Fracking äußert. Ich bin enttäuscht, dass die Landesregierung hier seit 2012 untätig geblieben ist und das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie weiterhin Genehmigungen erteilt.“


Auch die Bürgerinitiative Braunschweig (BIBS) will sich weiterhin dafür einsetzen, dass kein Fracking oder der Einsatz fracking-ähnlicher Technologien im Stadtgebiet stattfinden wird. "Was mit ‘Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen‘ in Watenbüttel, Völkenrode, Kanzlerfeld, Lamme und Timmerlah moderat umschrieben wird, kann in Fracking, also dem Einpumpen von Giftstoffen in den Boden zur Lösung der Kohlenwasserstoffe, enden", warnt die BIBS. Zudem kritisiert die Initiative erneut die Aufhebung des Wasserschutzgebietes Lamme. Mit dieser Aufhebung habe sich die Stadt im Vorfeld die Möglichkeit selbst genommen, Fracking im Stadtgebiet faktisch zu verhindern, denn Fracking sei in Wasserschutzgebieten verboten.







Die gesamtstädtische Stellungnahme soll dem Rat der Stadt in seiner Sitzung am 6. Oktober zur Beschlussfassung vorgelegt werden.




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