Braunschweig. Eine riesige Spritze, ein völlig verschwitzter Patient und ein Arzt namens Friedhelm: Wenn Frederic Newnham alias „Der Physiopath“ von seinem eigenen Besuch auf dem Behandlungsstuhl erzählt, bleibt im westand kaum ein Auge trocken. Am Sonntagabend zeigte der Physiotherapeut mit seinem Programm „Machen Sie sich bitte frei!“, wie unterhaltsam die Beschäftigung mit dem eigenen Körper sein kann. Dabei wurde nicht nur gelacht – das Publikum musste auch selbst aktiv werden.
Rücken, Hüfte, Knie – irgendetwas tut doch eigentlich immer weh. Gleich zu Beginn wollte Frederic Newnham wissen, wer im Publikum mit solchen Beschwerden zu kämpfen hat. Die ersten Hände gingen hoch. Auf die Bühne müsse deshalb aber niemand kommen, beruhigte er seine Gäste. Eine kleine Diagnose könne er allerdings anbieten. Für 40 Euro, versteht sich.
Direkte Gespräche mit Zuschauern
Schnell wurde klar, dass der Mann, der als „Der Physiopath“ auf Tour ist, sein Publikum nicht mit trockenen medizinischen Vorträgen langweilen wollte. Stattdessen gab es persönliche Geschichten, reichlich Selbstironie und immer wieder direkte Gespräche mit den Zuschauern.
Newnham erinnerte zunächst an sein vorheriges Programm „Du bist deine beste Medizin“. Darin beschäftigte er sich mit der Frage, warum Menschen häufig genau wissen, was sie für ihre Gesundheit verändern müssten, es dann aber trotzdem nicht tun. Seine Antwort: „Weil einfach nicht immer so einfach ist.“
Auch in seinem neuen Programm spielte die Verbindung zwischen körperlichem Wohlbefinden und psychischer Belastung eine wichtige Rolle. So erzählte Newnham, er habe ChatGPT gefragt, was für ein langes und gesundes Leben besonders wichtig sei. Die Antwort habe ihn überrascht: Nicht Bewegung, Ernährung oder Schlaf seien genannt worden, sondern ein möglichst geringes Maß an chronischem Stress. Wie absurd moderner Alltagsstress manchmal sein kann, verdeutlichte er mit einer Geschichte über seine Tochter. Die sei völlig aufgeregt zu ihm gekommen, weil Alexa sie nicht verstehen wollte. Auf seine Nachfrage, was sie dem Sprachassistenten denn gesagt habe, lautete die Antwort: „Spiele ein Lied von Tokio Hotel.“
Besuch beim Arzt wird zum Horrorfilm
Für besonders viel Gelächter sorgte Newnhams ausführliche Schilderung seiner eigenen Vasektomie. Schon das Aufklärungsgespräch mit dem Arzt hatte offenbar bleibenden Eindruck hinterlassen. Anhand einer anatomischen Zeichnung erklärte dieser, wo betäubt, geschnitten und genäht werden müsse und welche empfindlichen Strukturen dabei keinesfalls verletzt werden dürften. Mit genau diesen Bildern im Kopf erschien Newnham schließlich zum Eingriff. Der Behandlungsraum mit seinen weißen Fliesen und dem Untersuchungsstuhl erinnerte ihn dabei weniger an eine Arztpraxis als an einen Horrorfilm.
„Kennt ihr den Film SAW?“, fragte er in die Runde. Genauso habe er sich gefühlt. Als der Arzt, den er Friedhelm nannte, dann auch noch mit einer gewaltigen Spritze auftauchte, war es mit der Fassung endgültig vorbei. „Ich bin doch kein Elefant, Mann!“, habe er protestiert. Friedhelm amüsierte sich prächtig und holte anschließend eine deutlich kleinere Spritze hervor.
Newnham beschrieb, wie ihm der Schweiß über den Rücken lief und sein vegetatives Nervensystem völlig durcheinandergeriet. Zwar habe er durch die Betäubung keine Schmerzen gespürt, die Bewegungen des Arztes am Samenleiter aber durchaus wahrgenommen. Auch die medizinische Fachangestellte, die während des Eingriffs danebenstand, bekam in seiner Erzählung eine besondere Rolle. Aus einem medizinischen Routineeingriff machte Newnham eine minutenlange Comedygeschichte, bei der seine eigene Angst und Hilflosigkeit die besten Pointen lieferten.
Raus aus der Komfortzone
Bereits vor der Pause stellte Newnham eine Box und Stifte bereit, damit die Besucher ihre Fragen auf Zetteln notieren konnten. Im zweiten Teil wollte er sich diesen Fragen widmen. Wer noch etwas medizinisches Wissen mit nach Hause nehmen wollte, konnte sich am Büchertisch des Braunschweiger Bücherwurms eindecken.






