Braunschweig. Johnny Cash, Kris Kristofferson, Lennon und McCartney, dazu Geschichten von Fernfahrern, Gesetzesverstößen und Dampfschiffen auf dem Mississippi: Bluegrass Cash feat. Kikki Géron machte im KufA Haus deutlich, dass zwischen zwei Songs manchmal genauso viel zu erzählen ist wie währenddessen.
Bevor es musikalisch weiterging, standen zunächst zwei kurze Umfragen an. Die erste richtete sich an diejenigen im Saal, die schon beim vergangenen Braunschweiger Auftritt der Band dabei gewesen waren. Einige Hände gingen hoch. „Schön, dass ihr wieder da seid“, kam es von der Bühne. Dass Braunschweig dabei gleich als „Hotspot der Bluegrass-Szene“ bezeichnet wurde, war wohl nicht ganz ohne Augenzwinkern gemeint.
Anwältin gebraucht?
Die zweite Frage fiel ungewöhnlicher aus: Ob sich jemand im Publikum befinde, der beruflich oder privat mit Polizei, Zoll oder sonst irgendwie mit der Staatsgewalt zu tun habe. Tatsächlich meldete sich eine Anwältin aus dem Publikum. Die könne man nach dem nächsten Stück vielleicht noch brauchen, scherzte die Band.
Der Grund hieß „Six Days on the Road“. Das Stück stammt aus einer Phase der amerikanischen Country-Musik, in der Lastwagenfahrer zu den großen Figuren der Songs gehörten. Als fahrende Musiker könne man sich damit durchaus identifizieren, erklärte die Band. Ganz gesetzestreu geht es in dem Lied allerdings nicht zu. Man habe einmal nachgezählt: Drei Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung, zwei gegen die Kfz-Zulassungsverordnung und einer gegen das Betäubungsmittelgesetz seien darin unterzubringen. „Aber wir sind ja unter uns“, hieß es schließlich – und schon ging es musikalisch auf die Straße.
Solche Ansagen gehörten an diesem Abend beinahe ebenso zum Programm wie Banjo, Fiddle, Gitarren und mehrstimmiger Gesang. Bluegrass Cash spielte dabei keineswegs nur Stücke, die Johnny Cash selbst geschrieben hatte. Schließlich gehörten zu dessen Repertoire zahlreiche Songs anderer Autoren. Von den drei zuvor gespielten Titeln habe Cash lediglich den ersten selbst geschrieben, erklärte die Band. Einer der anderen stammte von Kris Kristofferson. Für das nächste Stück wechselte die Geschichte dann sogar den Kontinent.
„Geschrieben von einem bestimmten Herrn namens Paul McCartney – und der andere hieß John Lennon“, lautete die trockene Ankündigung. Danach folgte „In My Life“ – ein Beatles-Song, den auch Johnny Cash aufgenommen hatte und der an diesem Abend im Bluegrass-Gewand zu hören war.
Von der Straße aufs Wasser
Von der Straße führte der Weg wenig später aufs Wasser. Diesmal ging es um den Mississippi und um John Hartford. Der amerikanische Musiker war nicht nur Songwriter, Banjo-Spieler und Fiddler, sondern hatte noch eine zweite große Leidenschaft: die Flussschifffahrt. Die Band erzählte von einem Musiker, der mit einem seiner Songs so erfolgreich geworden war, dass er sich leisten konnte, im Sommer auf Dampfschiffen anzuheuern. Dann ging es den Mississippi hinauf und wieder hinunter. Wurde es im Winter auf dem Wasser ungemütlich, kehrte Hartford nach Hause zurück, schrieb neue Stücke und verdiente damit das Geld für die nächste Saison auf dem Fluss.
Auch als Musiker sei Hartford alles andere als gewöhnlich gewesen. Auf dem Banjo ebenso zu Hause wie auf der Fiddle, habe er mit letzterer durchaus „crazy Zeug“ angestellt, hieß es von der Bühne. Der Song, der ihm diese ungewöhnliche Freiheit ermöglicht hatte, folgte unmittelbar danach: „Gentle on My Mind“.
Die Menschen hinter den Songs
So führte Bluegrass Cash im KufA Haus nicht nur durch das Repertoire von Johnny Cash, sondern immer wieder auch zu den Menschen hinter den Songs. Mal landete man bei Kris Kristofferson, mal bei Lennon und McCartney, mal auf einem Dampfschiff irgendwo auf dem Mississippi. Und manchmal beginnt so eine Geschichte eben mit der Frage, ob zufällig ein Verkehrspolizist im Publikum sitzt.





