„Bündnis gegen Rechts“- Sprecher erhält Morddrohungen

20. Juni 2019 von
"Bündnis gegen Rechts"-Sprecher David Janzen. Foto: Sina Rühland
Braunschweig. Nach dem Mordfall am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke empfangen immer mehr offene Gegner von Rechtsextremismus Morddrohungen. So auch der Sprecher des Braunschweiger Bündnisses gegen Rechts, David Janzen. Dieser äußerte sich zu den Drohungen heute in einem Interview mit regionalHeute.de

David Janzen verschrieb sich vor 30 Jahren dem Kampf gegen Rechts. Dass nun auch eine Morddrohung gegen ihn gerichtet wird, überrascht ihn wenig. „Ich stehe hier im Fokus der Neonazis, weil ich eben sehr viel darüber berichte“, erklärt der Sprecher. „Heute Walter, morgen Janzen“, schrieb Lasse R., Angehöriger der rechtsextremen Gruppe „Adrenalin Braunschweig“, in einem Beitrag auf Instagram. Auffällig ist laut Janzen, dass diese Drohung kurz nach der Meldung auftauchte, dass es eine Festnahme im Falle des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gab. Dahinter ließe sich laut Janzen schon ein Bedürfnis nach Rache vermuten.

Aggressivität nicht nur im Netz

Ein weiteres Mitglied der Gruppierung hatte den mutmaßlichen Attentäter vorher auf der Social Media Plattform gefeiert und „Grüße an den Bruder in Haft“ ausgerichtet – der weitere Text enthielt unverhohlene Mordfantasien: „Es wird geschehen, der Tag ist nicht mehr fern, da werden all‘ die hohen Herrn, gehangen an die Latern‘.“ Die Gruppe „Adrenalin Braunschweig“ bestehe laut Janzen zwar nur aus 10-15 Personen, diese fielen aber regelmäßig durch besondere Aggressivität auch und vor allem außerhalb des Internets auf. „Wir hatten die Angriffe gegen die linke Jugendgruppe  „Die Falken“, Adrenalin Braunschweig ist persönlich im Gewerkschaftshaus aufgetreten und hat Mitarbeiter bedroht. Auch bei einer „Fridays for Future“-Demo und einer Hanfparade griffen sie Teilnehmer an, sodass die Polizei einschreiten musste“, erklärt Janzen. „Die Aggressivität von Adrenalin Braunschweig ist nicht nur im Netz, sondern auch in der Realität.“ Weiterhin stehe die Gruppierung auch in Verdacht, bei der Demo in Chemnitz im August letzten Jahres Journalisten angegriffen zu haben.

Ernst nehmen, aber keine Angst einjagen lassen

Die Drohung gegen Janzen sei nicht die erste. „Janzen, wir kriegen dich“, hieß es bereits vorher aus rechtsextremen Kreisen. Auf die Frage, wie ernst er die aktuelle Drohung nehme, antwortet Janzen im Interview bemerkenswert gelassen: „Ich denke man muss das ernst nehmen, darf sich davon aber keine Angst einjagen lassen.“ Er rechnet trotzdem damit, dass die Nazis ihn in der Öffentlichkeit anpöbeln, oder je nach Situation auch angreifen werden. Durch den Tod des Kasseler Regierungspräsidenten nehmen solche Drohungen eine neue Dimension an: „Am Fall Lübcke sieht man, dass diese Drohungen durchaus ernste Konsequenzen haben können. Ob die das nun wirklich tun, kann man sich fragen: Es ist aber klar, dass sie mir und anderen politischen Gegnern den Tod wünschen. Das kann man tatsächlich ernst nehmen.“

 

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