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Braunschweig: Chiara will laufen - Spenden ermöglichen Operation in den USA



Chiara will laufen: Spenden ermöglichen Operation in den USA

Nach einem Spendenaufruf sind die erhofften 350.000 Euro zusammen gekommen. Nun können die Operationen in den USA durchgeführt werden.

von Anke Donner


Chiara braucht Hilfe, damit sie irgendwann auf ihren eigenen Beinen stehen kann.
Chiara braucht Hilfe, damit sie irgendwann auf ihren eigenen Beinen stehen kann. Foto: Privat

Braunschweig. Vor sechs Wochen feierte Chiara aus Braunschweig ihren ersten Geburtstag und doch wartet in einigen Monaten auf das kleine Mädchen das wohl wichtigste Ereignis ihre Lebens. Denn Chiara muss sich mehreren, komplizierten Operationen an den Beinen in den USA unterziehen. Operationen, die erst durch die große Spendenbereitschaft vieler Menschen möglich geworden sind.



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Am 13. März 2021 kam Chiara mit einer seltenen Schienbeinfehlbildung, der tibialen Hemimelie, zur Welt. Dabei handelt es sich um das Fehlen oder die Unterentwicklung des Schienbeins. In Chiaras Fall sind beide Beine betroffen. Dadurch, dass das Schienbein nicht vollständig bis zum Sprunggelenk durchgewachsen ist, geraten die Füße ebenfalls in eine Fehlstellung. Für das Mädchen bedeutet das, dass sie nie wird laufen können, wenn die Fehlbildung nicht korrigiert wird. Die dafür notwendigen Operationen, die eine relativ schnelle und erfolgreiche Heilung versprechen, werden jedoch nicht in Deutschland durchgeführt. Außerdem werden die Kosten von etwa 350.000 Euro von der Krankenkasse mit der Begründung, der Eingriff im Ausland sei "nicht notwendig", nicht übernommen. Obwohl in Deutschland niemand eine gleichwertige Behandlung und Aussicht bieten könne, wissen Chiaras Eltern Leonarda und Tino Brunetti.



Spenden machen Operation möglich


Den einzigen Ausweg, den die jungen Eltern sahen, ihrer Tochter ein selbstständiges Leben zu ermöglichen, war ein Spendenaufruf. Über eine Stiftung und das Portal "Help Chiara" wurde in den vergangenen Monaten die unglaubliche Summe von 350.000 Euro gesammelt. Damit können die Operationen durch den amerikanischen Kinderorthopäden Dr. Dror Paley nun durchgeführt werden. Im Oktober steht bereits die erste Operation an, erzählt Chiaras Mutter Leonarda Brunetti im Gespräch mit regionalHeute.de, während ihre Tochter im Hintergrund quietschfidel zu hören ist.


Bei dieser ersten Operation werden sogenannte Fixateure an den Füßen angebracht. Damit werden die Füße, die derzeit nach innen gerichtet sind, täglich Millimeter für Millimeter in die richtige Stellung gebracht. "Das dauert etwa zwei Monate. Sobald die Füße so weit sind, werden dann die Knöchel fixiert und das Schienbein wird mit dem Wadenbein rekonstruiert, so dass es einen funktionierenden Knochen gibt", erklärt Leonarda Brunetti die ersten beiden Operationen. Wenn Chiara das alles überstanden hat, steht nach weiteren drei Monaten die vorerst letzte Operation an, bei der die Fixateure wieder entfernt und die Unterschenkel und Füße einige Wochen in Gips gelegt werden. Nach der Abnahme der Gipse muss Chiara zum Schutz der Knochen noch etwas mit denen für sie extra angefertigten Orthesen laufen. Wenn das Mädchen all das überstanden hat, kann sie auf ihren eigenen kleinen Beinen ins Leben starten. Möglicherweise müssten später noch einmal Beinverlängerungen- oder Angleichungen durchgeführt werden. Ob das notwendig sein wird, werde die Zeit zeigen. Denn Chiaras Knochen werden auch selbstständig wachsen.

Als Chiara am 13. März 2021 das Licht der Welt erblickte, waren ihre kleinen Füße waren nach innen gedreht. Zunächst wurde angenommen, dass sie Klumpfüße hat.
Als Chiara am 13. März 2021 das Licht der Welt erblickte, waren ihre kleinen Füße waren nach innen gedreht. Zunächst wurde angenommen, dass sie Klumpfüße hat. Foto: Privat



Ein schwerer Weg


Für das kleine Mädchen, das gerade die Welt entdeckt und ihre Eltern auf Trab hält, stehen viele Monate Krankenhausaufenthalt, Therapie und Schmerzen an. All das bereitet Leonarda und Tino Brunetti schon jetzt Angst. Ihre Tochter fernab der Heimat diesen schmerzvollen Weg gehen zu lassen, erfüllt sie mit Sorge. Demgegenüber steht aber auch große Hoffnung, sagt Leonarda Brunetti. Sie weiß, dass Chiara ohne diese Operation nie auf eigenen Beinen stehen und laufen können wird.

Leonarda und Tino Brunetti werden ihre Tochter während der Operationen begleiten und haben sich aktuell auf einen mehrmonatigen Aufenthalt in Florida eingestellt. Wenigstens bis nach der zweiten Operation wollen sie in West Palm Beach bleiben, um die Nachbehandlung sicherzustellen. Danach können Ärzte hier in Deutschland die Behandlung und Therapie fortführen. Während des Aufenthaltes werden Leonarda und Tino Brunetti auf dem Krankenhaus-Campus wohnen. Dort, so sagt die junge Mutter, sind viele Angehörige von Patienten untergebracht, so dass man sich austauschen könne und die Kinder unter Gleichgesinnten sind.


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