Wolfenbüttel

Das White Horse Theatre spielt Shakespeare


Das Londoner White Horse Theatre, dessen Aufführungen seit vielen Jahren zu einer festen Institution am THG gehören, hat die Shakespeare-Komödie Twelfth Night (im Deutschen „Was ihr wollt“) für die Oberstufenschüler aufgeführt. Foto:privat Foto: privat

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10.11.2016

Wolfenbüttel. Das Londoner White Horse Theatre, dessen Aufführungen seit vielen Jahren zu einer festen Institution am THG gehören, hat die Shakespeare-Komödie Twelfth Night (im Deutschen „Was ihr wollt“) für die Oberstufenschüler aufgeführt.



Worum geht es in der Verwechslungskomödie? Die Zwillinge Viola und Sebastian erleiden Schiffbruch und jeder denkt, dass der andere umgekommen sei. Trauernd versuchen sie in Illyrien ein neues Leben anzufangen. Viola verdingt sich als Mann verkleidet am Hof Graf Orsinos und verliebt sich prompt in diesen. Zu dumm, dass Orsinos Herz der schönen Olivia gehört, welche allerdings der Liebe und der Lebensfreude abgeschworen hat, sehr zum Verdruss ihres permanent betrunkenen Onkels Sir Toby und seines debil anmutenden Schützlings Sir Andrew, die ihrerseits zwischen üppigen Trinkgelagen den gestrengen Hausdiener Malvolio mit derben Streichen zum Besten halten, einen steifen Puritaner, dem so gar nicht nach Späßen zumute ist. Und dann ist da noch der weise Clown Feste, der hier und da kluge Sprüche von sich gibt und den Edelleuten den Spiegel vorhält. Zum Schluss löst sich das Verwirrungsspiel auf und es gibt, wie in allen Komödien Shakespeares, ein Happy End.

Die vier Schauspieler hatten eine schwierige Aufgabe: Jeder von ihnen spielte mehrere Rollen, mitunter sogar gleichzeitig, was dem Publikum einiges an Vorstellungskraft abverlangte. Man musste bisweilen schon genau hinsehen, um die Darsteller den Charakteren zuzuordnen. Handelte es sich nun um Viola (die sich als Cesario ausgab) oder ihren Zwillingsbruder Sebastian? Oder sollte es womöglich die kecke Maria sein, die zusammen mit den beiden Trunkenbolden den prüden Malvolio triezte? Die Zuschauer mussten sich schon genau konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren. Die schwierige Sprache Shakespeares hat das Verständnis zusätzlich erschwert. Obwohl auch deswegen die witzigen Wortspiele nicht immer bei den Schülern ankamen, haben die vier Mimen ihr Bestes gegeben, um die Darbietung kurzweilig zu gestalten. Besonders hervorzuheben ist hierbei die musikalische Untermalung der Aufführung, die live gespielt wurde und die komplexe Handlung auflockerte. Den Schülern wurden etliche typische Elemente der elisabethanischen Komödie unterhaltsam präsentiert: Verwechslungen, Verkleidungen, Intrigen, Liebschaften und die gelegentlichen, für Shakespeare charakteristischen schlüpfrigen Anspielungen.

Dass es sich bei dem einzigen unsympathischen Charakter des Stückes ausgerechnet um einen Puritaner handelt, ist natürlich kein Zufall: Wenn es nach den Puritanern gegangen wäre, hätte es im elisabethanischen London keine Theater gegeben. Die von Malvolio ausgesprochene Drohung am Ende der Komödie, er werde sich an seinen „Peinigern“ beizeiten rächen, ist im übertragenden Sinn wahr geworden: 1642 sorgten die Puritaner für die Schließung aller Theater. Das hat William Shakespeare glücklicherweise nicht mehr erleben müssen.

Die THG-Schüler der Unter- und Mittelstufe können sich bereits auf die beiden Aufführungen „The Dark Lord and the White Witch“ und „Move to Junk“ freuen, die im kommenden Frühjahr vom White Horse Theatre am THG aufgeführt werden.


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