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Unfall-Serie in der Region: Führerschein im Alter entziehen?

von Robert Braumann


Symbolfoto: Förster/Archiv
Symbolfoto: Förster/Archiv Foto: Max Förster

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24.01.2017

Region. Letzte Woche berichtete regionalHeute.de über einen Unfall auf der B1 – beteiligt: zwei 80-jährige Fahrer. Auf Facebook gab es daraufhin eine Diskussion, ob man ab einem gewissen Alter einen Führerschein-Test durchführen sollte. Die Polizei rät zur Eigenkontrolle.



Wolfgang Klages, Pressesprecher Polizei Braunschweig, hält wenig von einem Vorstoß, der ältere Fahrer um den Führerschein bringen könnte. Es würde nichts bringen diese unter einen Generalverdacht zu stellen. "Es gibt in Braunschweig genügend ältere Fahrer, die ganz hervorragend fahren, viele Taxifahrer in der Stadt sind über 70 und machen einen sehr guten Job." Wer älter ist, der sei nicht prinzipiell ein schlechterer Fahrer, er bräuchte nur mehr Praxis, um sicher zu bleiben. "Viele fahren nur noch die Strecke zum Arzt oder zum Einkaufen, Routen auf denen sie sich sicher fühlen, sobald es dann Veränderungen gibt, wird es schwierig für die Älteren sich darauf einzustellen. Ich kann mich an einen Fall erinnern, wo ein Fahrer eigentlich nur zum Baumarkt wollte und dann von Beamten in Kassel aufgegriffen wurde, weil er sich so verfahren hatte."


Wolfgang Klages, Foto: Polizei



Das seien aber immer wieder Einzelfälle, die man auch individuell bewerten müsse. Die Polizei leitet solche Vorkommnisse an das Straßenverkehrsamt weiter. "Im Extremfall kann eine MPU angeordnet werden und Mithilfe des Verwaltungsgerichts über einen Entzug der Fahrerlaubnis entschieden werden." In den seltensten Fällen käme es dann aber tatsächlich zu einem Entzug der Fahrerlaubnis. Klages appeliert an die älteren Fahrer, sich selbst zu überprüfen, zum Beispiel bei der Verkehrswacht. Auch um zu schauen, wie sicher man noch am Steuer sei.

Selbstkontrolle als Schlüssel



Pressesprecher der Polizei Wolfenbüttel, Frank Oppermann. Foto: Polizei



Auch Frank Oppermann, Polizei Wolfenbüttel, findet einen Generalverdacht unangebracht. Er rät aber zu einer Selbstkontrolle. "Jeder sollte sich von Zeit zu Zeit fragen, ob er noch hinter das Steuer gehört und vielleicht auch einmal einen Sehtest beim Arzt machen oder vielleicht die eigene Reaktionsfähigkeit überprüfen." Damit wäre doch schon viel erreicht, so könne man sich auch selbst vergewissern, dass noch alles in Ordnung sei.

Selbstbestimmung geht verloren


Wolfgang Klages befindet zudem: "Autofahren ist für die meisten älter werdenden Menschen essentiell, so bleiben sie mobil. Mit der Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen geht Souveränität und Selbstbestimmung einher." Deshalb sei es schwierig jemandem die Fahrerlaubnis aufgrund seines Alters zu entziehen, findet er. Statt alle unter Verdacht zu stellen, rät er zur freiwilligen Kontrolle und zum regelmäßigen Fahren, dann könne man auch bis ins hohe Alter sicher am Steuer sein. Ein Blick in die Unfallstatistik der Stadt zeige, dass es keine so großen Unterschiede bei den jungen Unfallverursachern und der Gruppe 65 Plus gebe. Gerade bei Fahranfängern käme es immer wieder zu schweren Crashs. "Man muss in diesem Zusammenhang immer alle Gruppen betrachten, sonst bietet sich ein verzerrtes Bild", so der Polizeisprecher.

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