Diskussionsrunde zum Thema „Flüchtlingsschutz“ im Filmpalast


Bei der Diskussionsrunde ging es um den Zustand des Flüchtlingsschutzes in Deutschland. Foto: AWO
Bei der Diskussionsrunde ging es um den Zustand des Flüchtlingsschutzes in Deutschland. Foto: AWO

Wolfenbüttel/Salzgitter. Im Rahmen des 100-jährigen Geburtstages der Arbeiterwohlfahrt organisierte der Salawo Bürgertreff des AWO Kreisverbands Salzgitter-Wolfenbüttel Ende September eine Filmvorführung und eine Diskussionsrunde im Kino Filmpalast. Über dieses Event berichtet die AWO in einer Pressemitteilung.


Drei Personen, die aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln auf die derzeitige Situation von Geflüchteten in Deutschland und Europa schauen, diskutierten über das Thema „Ein Auslaufmodell? Flüchtlingsschutz in Deutschland“.

Die Diskussionsrunde wurde von Salawo-Koordinatorin Natalie Weidner moderiert. Unter anderem nahm Dokumentarfilmer und Fotograf Ma´an Mouslli an der Gesprächsrunde teil. Er ist auch Regisseur des Films „Newcomers“, in dem Geflüchtete in ganz Deutschland über ihre Erlebnisse interviewt wurden. Der Dokumentarfilm wurde vorher gezeigt. Ma´an Moussli war selbst aus Syrien nach Deutschland geflüchtet und berichtete von seinen Erfahrungen mit den Geflüchteten, die er lieber als „Newcomers“ bezeichnet. Den Begriff „Flüchtling“ sieht er kritisch. Aus seiner Sicht werde damit eine soziale Abhängigkeit und Sonderstellung assoziiert. Für seinen Film hatte er in ganz Deutschland geflüchtete zu ihren Biografien interviewt. Über 400 Stunden Filmmaterial sei dabei zusammen gekommen, weil viele der Interviewten das erste Mal über ihre Geschichte offen erzählen konnten.

Psychologen am Set


Um diese Konfrontation mit der eigenen Geschichte erträglicher zu machen, waren am Film-Set Psychologen anwesend, die sich anschließend um die Interviewten kümmerten. Bei den Interviews sei deutlich geworden, dass die größte Zukunftsangst der Geflüchteten den Aufenthaltsstatus betrifft. Die meisten von ihnen hätten Sorge, irgendwann wieder in das Land zurück zu müssen, in dem sie Gewalt, Verfolgung und Hunger erlebt haben. Ihm selber gehe es sehr gut in der Stadt Osnabrück, in der er und seine Frau heute leben. Pfarrer Matthias Eggers, Mitorganisator des „Willkommenscafés“ im Roncallihaus in Wolfenbüttel, ergänzte, dass Ehrenamtliche wichtige Brückenbauer für Geflüchtete seien, da sie durch vielseitige Unterstützung dazu beitragen, dass die Geflüchteten in Deutschland besser Fuß fassen können. Allerdings stoßen Ehrenamtliche hin und wieder an Grenzen, beispielsweise wenn jemand, um den sie sich sehr gekümmert haben, abgeschoben wird.

Seenotrettung - man sieht schlimme Bilder


Martin Kolek, Mitglied bei der Organisation Seawatch, berichtete bei der Gesprächsrunde von seinen Erfahrungen bezüglich des Flüchtlingsschutzes im Mittelmeer. Als ziviler Seenotretter ist er unmittelbar von rechtlichen Beschneidungen durch die Abschottungspolitik der EU betroffen. Nicht nur, dass die zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer durch Militärboote gestört wird, häufig werden die Rettungsschiffe bereits am Auslaufen aus den Häfen gehindert. Aus diesem Grund fährt Kolek inzwischen zur Seenotrettung mit einem Segelschiff der Organisation Rescueship aufs Mittelmeer. Seit er 2016 ertrunkene Geflüchtete, darunter zwei Kleinkinder, mit der Seawatch 2 bergen musste, engagiere er sich für einen Friedhof für ertrunkene Geflüchtete in Italien. Dies sei sein Weg, um den Ertrunkenen die Menschenwürde wieder zurückzugeben. Auf die Frage von Natalie Weidner an die Diskussionsteilnehmer, ob der Flüchtlingsschutz in Deutschland ein Auslaufmodell sei oder ob der Flüchtlingsschutz vor allem durch zivilgesellschaftliches Engagement gesichert wird, waren sich die Diskussionsteilnehmer weitestgehend einig. Auch wenn die Zivilgesellschaft, wie etwa durch das Ehrenamt, einen großen Beitrag bei der Unterstützung von Geflüchteten leistet, ist es wichtig, dass die geflüchteten Menschen nicht in dem Land, in dem sie Schutz suchen, durch asylrechtliche Beschneidungen weiterhin Existenzängste haben müssen. Die asylrechtliche Situation von Geflüchteten ist nach wie vor in Deutschland nicht zufriedenstellend und eine große Gefahr für den Flüchtlingsschutz. Schutzsuchende Menschen sollten nach den Erlebnissen von Krieg, Hunger und Flucht in Deutschland nicht weiter um ihren Aufenthalt bangen müssen, sondern endlich zur Ruhe kommen können.

Die Spenden des Abends flossen in Martin Koleks Projekt „Neuland“.


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