DONNERstag: Die (Zucker-)Schultüte

Immer DONNERstags gibt es jetzt Geschichten unserer Redakteurin Anke Donner, wie sie nur das Leben schreiben kann. Situationen, wie sie einem im Alltag manchmal einfach vor die Füße fallen und die einen zum Lachen, Weinen und Staunen bringen, oder schier an den Rand des Wahnsinns treiben.

von Anke Donner


Meine Schultüte hatte ich von meinem Bruder geerbt.
Meine Schultüte hatte ich von meinem Bruder geerbt. Foto: Anke Donner

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Karies lässt grüßen, dachte ich kürzlich, als ich auf einer Einschulung einen Blick in die Schultüte warf. Da wurde aus der Schultüte wahrhaftig eine Zuckertüte. Der Anblick all der Süßigkeiten ließ mich an meine eigene Einschulung zurückdenken. Und daran, was so in meiner Schultüte war.


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Meine eigene Einschulung liegt inzwischen einige Jahrzehnte zurück (oh Gott, wie das klingt). Doch daran, was in der Schultüte war, die ich übrigens von meinem Bruder vererbt bekommen habe, kann ich mich noch sehr gut erinnern. Meine Eltern hatten die Schultüte mit Bleistiften, Radiergummi, Anspitzer und sonstigem Schulkram gefüllt. Süßigkeiten fand ich - sehr zu meiner Enttäuschung - nur wenige.

Die (Zucker-)Schultüte


Begeistert wurde damals, wie heute, die Schultüte direkt nach der Einschulungsfeier geplündert. Zum Vorschein kamen nun aber Weingummi, Lollis, Schokoriegel, Zuckerwatte und Marshmallows. Allein bei dem Anblick hat sich mein Zuckerspiegel verdreifacht und mein Gewicht gleich dazu. Auf meinen erstaunten Ausruf „Da ist ja der pure Zucker drin!“, bekam ich zur Antwort, dass die Tüte ja schließlich voll werden musste.

Auch für dieses "Problem" hatte man in den 80er-Jahren eine zwar praktische, wenngleich auch für die Kinder unbefriedigende, Lösung. Wenn die Tüte, nachdem Buntstifte und Pinsel verstaut waren, oben noch Luft hatte, wurde unten einfach mit der Zewarolle ausgeholfen.

In einem Punkt hat sich offenbar aber nicht allzu viel verändert. Wenn auch in anderer Form werden die Schultüten - die nebenbei bemerkt richtig kleine Kunstwerke sind - wiederverwendet. Bei uns wurden sie einfach an das nächste Kind weitergereicht. Heute werden die harten Teile entfernt und durch weiches Füllmaterial ersetzt. So bekommen sie als Kuschelkissen ein zweites Leben eingehaucht.

Einen schönen DONNERstag, wünscht Ihnen

Ihre Anke Donner


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