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Empfang der Landwirtschaftsministerin: Landwirte schicken die „Bauernmilliarde“ Retour

„Blauer Brief“ für Klöckner und „Goldenes Nudelholz“ für Otte-Kinast: Die Landwirte aus dem Braunschweiger Land empfingen die Niedersächsische Landwirtschaftsministerin heute mit mehreren Geschenken.

von Annabell Pommerehne


Die Landwirte der Gruppe „3 vor 12“ empfingen Ministerin Otte-Kinast mit kreativen Geschenken.
Die Landwirte der Gruppe „3 vor 12“ empfingen Ministerin Otte-Kinast mit kreativen Geschenken. Foto: Annabell Pommerehne

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31.01.2020

Baddeckenstedt. Am heutigen Freitag ab 15 Uhr fand der Neujahrsempfang der Walddienstleistungsgesellschaft Niedersächsisches Bergland mbH an der Schule im Innerstetal statt. Zu Gast war auch die Niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, die von rund 20 Landwirten und zehn Treckern der Gruppe „3 vor 12“ aus dem Braunschweiger Land vor der Schule in Empfang genommen wurde.


Ministerin Otte-Kinast schüttelte jedem Anwesenden die Hand, bevor sie von Landwirt Harm Waßmuß begrüßt wurde. Dieser bedankte sich zunächst für die bisherige Unterstützung der Landwirtschaftsministerin und übergab ihr im Namen aller Landwirte dasselbe Schreiben bezüglich der neuen Düngeverordnung und der Roten Gebiete, das auch Umweltminister Lies und Ministerpräsident Weil kürzlich erhalten haben.

Verschärfte Auflagen



Die neue Düngeverordnung sieht vor, den Düngemitteleinsatz in als Rote Gebiete ausgewiesenen Bereichen um 20 Prozent zu reduzieren. Rote Gebiete sind solche Gebiete, die als besonders nitratbelastet gelten. Grünlandwirtschaft soll eine Ausnahme von der Düngereduzierung bilden, da durch eine Düngung auf Grünland die Bindung von Kohlendioxid und Nitrat gefördert werde. Harm Waßmuß formulierte: „Unsere Bitte ist, nicht nur das Grünland rauszunehmen, sondern auch noch einmal zu überdenken, ob der ein oder andere Ackerbaustandort an dem Brunnen, für den er verantwortlich gezählt wird, nicht doch dran vorbeigeht. Das ganze System ist ja fragwürdig.“

Zweifel an Messstellen



Dass die Landwirte das System und die Funktionalität der entsprechenden Messstellen anzweifeln, ist auch bei der Bundesregierung angekommen. Am gestrigen Donnerstag reagierte die Regierung auf die Proteste der Landwirte: Sie sicherte den Landwirten eine Unterstützung von einer Milliarde Euro in den kommenden vier Jahren zu, um sie bei der Einhaltung der Auflagen der neuen Düngeverordnung zu entlasten. Die „Bauernmilliarde“ löste scharfe Kritik seitens der Landwirte aus, die diese Unterstützung als Schweigegeld empfinden.

„Bauernmilliarde“ ein Schweigegeld?



Landwirt Harm Waßmuß überreichte der Niedersächsischen Landwirtschaftsministerin ein Retour-Paket für Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner und alle diejenigen, die über die „Bauernmilliarde“ beschlossen haben. „Ungeöffnet zurück“, sagte Waßmuß, „man kann Daten, die diskussionswürdig sind, nicht mit Geld reinwaschen.“ Außerdem überreichte er Landesministerin Otte-Kinast einen „Blauen Brief“ für Bundesministerin Klöckner. „Heute ist ja Tag der Halbjahreszeugnisse für die Schüler. Frau Klöckner hat ja auch fast die Hälfte ihrer Legislaturperiode rum“, erklärte der Landwirt. Der „Blaue Brief“ enthält ein Zeugnis und eine Stellungnahme für die Bundespolitikerin.


Landwirt Harm Waßmuß überreicht der Landwirtschaftsministerin das Retour-Paket der „Bauernmilliarde“ und den „Blauen Brief“ für Bundesministerin Klöckner. Foto: Annabell Pommerehne



Ein „Blauer Brief“ für Klöckner



„In dem Bereich Kommunikation und Sozialkompetenz würde ich ihr ganz gerne mit zwei Augen zu vielleicht noch eine ‚Fünf Minus‘ ausstellen. Die Frau soll auch zuhören und nicht nur reden. Wenn sie zugehört hätte, wüsste sie, dass wir diese Milliarde gar nicht haben wollten, sondern einfach nur belastbare Fakten. Sie kann die Milliarde gerne dazu verwenden, ein Nitratmessnetz aufzubauen“, erklärte Harm Waßmuß weiter.

Milliarde für Nitratmessnetz



Ministerin Otte-Kinast scherzte: „Den gebe ich ihr am Valentinstag, da treffe ich sie.“ Die gut gelaunte Politikerin freute sich schon jetzt über die Kreativität der Landwirte. Diese hatten aber noch ein weiteres Geschenk mitgebracht. Andreas Niehus präsentierte Otte-Kinast das „Goldene Nudelholz“ mit folgenden Worten: „Wir sehen ja, dass die Arbeit der Landesregierung in die richtige Richtung geht und Sie als Zugpferd vorne weg und dafür sind wir dankbar. Trotzdem wissen wir, dass es auch schwer ist, dass Ihre und unsere Vorstellung den Widerhall in Berlin finden. Dafür haben wir einen kleinen Meinungsverstärker für Sie.“

„Goldenes Nudelholz“ zur „Bearbeitung zäher Massen“



Das „Goldene Nudelholz“ diene zur „Bearbeitung zäher Massen“ und darüber hinaus könne die ehemalige Landfrau damit auch mal in Hannover und in Berlin auf den Tisch hauen.


Landwirt Andreas Niehus erklärt der Ministerin: „Wir verteilen nicht nur die Goldene Mistkarre, sondern auch das Goldene Nudelholz.“ Foto: Annabell Pommerehne



Die Landwirtschaftsministerin lachte, bedankte sich herzlich und antwortete: „Ich nehme das natürlich auch ernst und die Debatte ist ernst genug, um Witze darüber zu machen. Aber ich finde es toll, wie kreativ Sie sich das ausgedacht haben, die Kritik anzubringen. Es ist ja wirklich freundlich. Noch ist es freundlich. Aber mir ist schon klar, dass gerade unsere niedersächsischen Landwirte auf Lösungen warten. Lösungen, die fachgerecht sind, die sachgerecht sind, die fair sind, mit denen man auch Landwirtschaft in Zukunft betreiben kann.“ Sie möchte sich für die Perspektiven der kommenden Generationen einsetzen.

Gegenseitig den Rücken stärken



Landwirt Harm Waßmus stellte noch einmal klar: „Wir möchten Ihnen nicht vor das Schienbein treten, sondern wir stärken Ihnen den Rücken.“ Barbara Otte-Kinast versicherte, dass die Botschaft angekommen sei und wünschte allen abschließend „Geduld, starke Nerven, eine gute Frühjahrsbestellung und einfach mal ordentlichen Regen, unabhängig von der Politik“.

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