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Ertrunken: DLRG befürchtet 2020 höhere Opferzahlen

Obwohl das Baden in den meisten der Braunschweiger Seen und Teichen verboten ist, kam es innerhalb weniger Tage zu zwei Rettungsaktionen am Ölper See. Die DLRG befürchtet in diesem Jahr einen Anstieg der Zahl der Ertrunkenen.

von Julia Seidel


Auch wenn das Wasser noch so lockt: Nicht alle Seen eignen sich zum Schwimmen. (Archivbild)
Auch wenn das Wasser noch so lockt: Nicht alle Seen eignen sich zum Schwimmen. (Archivbild) Foto: Sina Rühland

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30.06.2020

Braunschweig. Am vergangenen Freitag ist es am Ölper See zu einem Todesfall beim Baden gekommen. Trotz Reanimationsversuchen konnte der Notarzt bei dem 38-Jährigen nur noch den Tod feststellen (regionalHeute.de berichtete). Nur wenige Tage nach dem Unglück kam es zu einer weiteren Rettungsaktion am gestrigen Montag am Ölper See. Dabei konnte ein 34-Jähriger noch rechtzeitig von einem Passanten gerettet werden. Das Baden in diesem See ist verboten. Das DLRG befürchtet in diesem Jahr noch höhere Zahlen der Ertrunkenen, als in den Vorjahren. Doch was macht das Baden eigentlich so gefährlich und wie können sich potenzielle Ersthelfer im Fall der Fälle verhalten? regionalHeute.de fragte nach.


Grundsätzlich ist das Baden in Braunschweiger Seen und Teichen verboten, wie die Stadt Braunschweig berichtet. Eine Ausnahme würde lediglich das Kennelbad bilden. Außerdem würde das Baden im Heidbergsee an einigen Stellen geduldet werden. Diese Stellen seien vor Ort gekennzeichnet. Warum dies jedoch so ist und was das Baden in den Seen so gefährlich macht, darauf konnte die Stadt Braunschweig auf Nachfrage unserer Onlinezeitung keine Antwort geben.

Was tun im Ernstfall?



Wer einen Ertrinkenden in einem See bemerkt, der sollte in erster Linie schnell den Notruf wählen. Selbst als Retter aufzutreten, empfiehlt Gerrit Meisel, Leiter der Verbandskommunikation der DLRG nur, wenn der Retter selbst fit ist und wenn keine Gefahr, etwa durch Strömungen oder Wetter vorhanden ist. Wichtig seien dabei auch Hilfsmittel mit Auftrieb, wie zum Beispiel ein Ast oder ähnliches. Denn in der Angst vor dem Tod könnten die Ertrinkenden fast übermenschliche Kräfte entwickeln und so den Retter in Gefahr bringen, ihn mit in die Tiefe zu reißen.

"Passanten, die einen Ertrinkungsfall bemerken, sollten sich möglichst eine Landmarke hinter dem Ertrinkenden merken und den Standort nicht verlassen. Zusätzlich sollte umgehend der Notruf gewählt werden, damit die Rettungskräfte schnell helfen können. Durch die Peilung zwischen eigenem Standort und der Landmarke können die Retter das Suchgebiet drastisch reduzieren und die Chance den Ertrinkenden zu finden steigt", erklärt Meisel weiter.

Die Sehnsucht nach dem Wasser



Gerrit Meisel hält den Ölper See nicht für gefährlicher als andere Seen. Vielmehr dürfte die Sehnsucht der Braunschweiger nach "Wasser" der Auslöser für den Gang ins kühle Nass sein. "Verbunden mit den coronabedingten Schwimmbadschließungen der Vergangenheit fehlt die Übung und die Badegäste weichen vermehrt auf unbewachte Gewässer aus, was wir als DLRG schon früh befürchtet haben und was leider durch aktuelle bundesweite Schlagzeilen zum Thema bestätigt wird", so Meisel weiter.

Wir begeben uns weiter auf dem Weg zum Land der Nichtschwimmer in Deutschland.

- Gerrit Meisel



Seiner Schätzung nach werde es in diesem Sommer wahrscheinlich höhere Zahlen der Ertrunkenen im Vergleich zu den Vorjahren geben. Hinzu komme, dass auch ein ganzer Jahrgang an Kindern keinen Schwimmunterricht hatten. Untersuchungen zur Anfängerschwimmausbildung hätten gezeigt, dass Kinder, die bis Ende der Grundschule nicht schwimmen können, es auch später nicht mehr nachholen werden. Dies führe dazu, dass die Zahl der Nichtschwimmer und schlechten Schwimmer in Deutschland weiter ansteigen werde.

Wer einmal selbst die Techniken zum Retten aus Wassergefahren ausprobieren möchte, sei bei den DLRG-Ortsgruppen in den Schwimmbädern der Region gerne gesehen.




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