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"Es ist einfach frustrierend" - Wie die Pandemie den Heavy-Metal ausbremst

regionalHeute.de sprach mit der Band King Leoric über die Probleme, die sich durch die Corona-Verbote ergeben. Im September war dagegen noch ein Auftritt auf einem Open Air möglich.

von Alexander Dontscheff


Jens Wunder (re.) mit seinen Band-Kollegen Marvin Balke (li.) und Axel Kiehne.
Jens Wunder (re.) mit seinen Band-Kollegen Marvin Balke (li.) und Axel Kiehne. Foto: King Leoric

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09.11.2020

Region. Die Corona-Pandemie hat die Veranstaltungs- und Musik-Branche ganz besonders hart getroffen. Seit dem erneuten Lockdown Anfang November geht in Sachen Konzerte gar nichts mehr. Unter der Situation leiden nicht nur diejenigen, die von ihrer Musik leben, sondern auch Bands, die ausschließlich aus Hobby-Musikern bestehen. Eine von ihnen ist die Heavy-Metal-Band King Leoric, die sich in den 22 Jahren ihres Bestehens einen festen Namen in der regionalen Szene gemacht hat. regionalHeute.de sprach mit Jens Wunder, Sänger und Bassist der Gruppe, darüber, wie die Band mit der aktuellen Situation umgeht.



"Es ist einfach nur frustrierend", betont Jens Wunder, der seit den Anfangstagen, als die Band von Studenten der Fachhochschule Wolfenbüttel (heute Ostfalia) gegründet wurde, mit dabei ist. Mittlerweile wohnen die Bandmitglieder, bei denen es auch den ein oder anderen Wechsel gegeben hat, in der gesamten Region verstreut. Der Proberaum befindet sich aber immer noch in Wolfenbüttel, wo man sich eigentlich jeden Mittwoch zum Proben trifft. Eigentlich. Denn derzeit geht diesbezüglich gar nichts mehr. Aufgrund der Regel, dass sich nur noch Personen aus maximal zwei verschiedenen Haushalten treffen dürfen, ist es nicht möglich, dass sich alle vier Bandmitglieder gleichzeitig im Proberaum aufhalten. Für Wunder, der die Situation schon aus dem ersten Lockdown kennt, bedeutet dies den Verlust einer lieb gewonnenen, institutionalisierten Gewohnheit. "Wenn man 22 Jahre lang eine Band betreibt, sich regelmäßig mit seinen Freunden zum Musizieren trifft, fehlt dann schon etwas, wenn das auf einmal wegfällt", erklärt der Sänger.


Bei einem Festival im Wendland trotzte die Band der Corona-Pandemie. Foto: King Leoric


Der finanzielle Verlust halte sich dagegen in Grenzen. Große Gagen gebe es bei den Konzerten, bei denen seine Band spiele, nicht. Die Ausgaben für die Anreise decke man meist mit dem Verkauf von CDs und T-Shirts. Beides falle nun weg. Viel schwerer wiege aber der Verlust des Live-Erlebnisses. "Wir spielen Konzerte, um die Musik mit unseren Fans zu teilen. Deswegen machen wir das Ganze ja. Leider ist dies nun nicht mehr möglich", bedauert Jens Wunder.

Moshen nur mit Mundschutz


Kaum vorstellbar, aber ein Konzert konnte die Band sogar trotz Corona-Pandemie spielen. Dieses fand im September im Rahmen des Streetz Open Air im Wendland statt. Ein Heavy-Metal-Publikum brav Abstand haltend und sitzend? Ganz so war es dann doch nicht, klärt Jens Wunder auf. "Die Veranstalter hatten ein Hygiene-Konzept für 300 Zuschauer aufgestellt. Es gab die Gelegenheit, die Konzerte an Bierzeltgarnituren sitzend zu verfolgen oder stehend vor der deutlich abgetrennten Bühne", berichtet der Musiker. "Moshen" sei nur mit Mundschutz möglich gewesen. Die Ordner hätten penibel darauf geachtet. Aktionen mit Körperkontakt wie Circle Pit oder Pogo seien natürlich nicht möglich gewesen, aber man habe beieinander stehen und gemeinsam die Musik feiern können, so Wunder. Doch auch auf solche bescheidenen Freuden wird man jetzt wohl einige Zeit verzichten müssen.

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Wenn schon Live-Konzerte und gemeinsames Proben nicht möglich sind, wie sieht es mit den Arbeiten an einem neuen Album aus? "Wir schreiben bereits seit 2013 an neuen Songs, und komponieren ist prinzipiell auch im Alleingang möglich", berichtet Jens Wunder. Man könne sich die Songs auch über das Internet hin und her schicken. Da man die Instrumente bis auf das Schlagzeug sowieso im Heimstudio aufnehme, sollte einer neuen Scheibe eigentlich nichts im Wege stehen. Aufgrund der Tatsache, dass sich der Prozess aus den unterschiedlichsten Gründen immer wieder verzögert habe, ist der Sänger und Bassist aber vorsichtig geworden, was Prognosen angeht. Er hoffe, dass man im Frühjahr mit einer Veröffentlichung rechnen kann. Und vielleicht kann man dann die neuen Songs ja auch wieder live präsentieren.


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