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Frühkindliche Bindung: „Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“



Peine

Frühkindliche Bindung: „Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“


Manchmal sollte das Handy nicht an erster Stelle stehen. Symbolfoto: Anke Donner
Manchmal sollte das Handy nicht an erster Stelle stehen. Symbolfoto: Anke Donner Foto: Anke Donner

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Peine. Die Kampagne „Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“ ist eine Aktion des Jugendamtes des Landkreises Peine und wird durch die Erich-Mundstock-Stiftung und der Peiner Verkehrsgesellschaft gefördert. Darüber berichtet der Landkreis Peine in einer Pressemitteilung.



Mit Plakaten und großflächigen Motiven auf einem Linienbus, aber auch thematischen Elterncafés und Elternabenden wirbt sie für eine sensible Mediennutzung Erwachsener im Beisein von kleinen Kindern.

Nun meldet sich Marlies Wagner vom Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik aus Kiel zu Wort. Dabei beleuchtet sie die Kampagne unter dem Aspekt der frühkindlichen Bindung. Wagner ist Supervisorin und Lehrkraft für den Bereich Fachschule Sozialpädagogik und gibt seit mehreren Jahren in Peine Fortbildungen für Fachkräfte aus Kindertagesstätten.


Bindung als Grundvoraussetzung


Untersuchungen gehen davon aus, dass rund 50 Prozent der Kinder in Deutschland nicht mehr sicher an ihre Bezugsperson gebunden sind. Dabei sei eine sichere Bindung die Voraussetzung für eine positive Entwicklung und damit auch für Bildung.

„Kinder brauchen mindestens einen feinfühligen Erwachsenen, der zuverlässig für das Kind da ist und die Bedürfnisse des Kindes weitestgehend befriedigt“, erklärt Marlies Wagner. Bedürfnisse sind zum Beispiel „Verbundenheit durch Nähe spüren“, „Fürsorge“ und „Schutz erleben“. Kinder brauchen ungeteilte Aufmerksamkeit von Erwachsenen. Besonders junge Kinder sind sehr wahrnehmungsoffen und nehmen Störungen stark wahr. So fühlt sich beispielsweise ein kleines Kind beim Wickeln allein gelassen und verloren, weil es wahrnehmen kann, wenn der Erwachsene mit seinen Gedanken woanders ist.




Wagner ergänzt: „Sie brauchen Erwachsene, die Kinder wirklich verstehen und die scheinbar kleinen, für das Kind so großen Entwicklungsschritte wahrnehmen können. Nur dann fühlt sich das Kind gesehen, angenommen, wertgeschätzt und kann Vertrauen zu sich und anderen Menschen aufbauen und das Lerninteresse, die Lernfreude ausbauen. Doch das setzt voraus, dass die Bindungsperson da ist für das Kind, wirklich da ist.“

"Handy auf lautlos"


Die erfahrende Pädagogin empfiehlt: „Stellen Sie beispielsweise grundsätzlich bei jeder Mahlzeit das Handy auf lautlos, legen Sie Ihr Handy für 60 Minuten beiseite. Spielen Sie mit Ihrem Kind, lachen Sie, machen Sie Quatsch. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, singen Sie, dichten und reimen Sie, erfinden Sie Geschichten und lesen Sie vor. Bewegen Sie sich und Sie werden ihre eigene Bewegungsfreude spüren.“ Und sie fügt mit einem Augenzwinkern an: „Auch wenn es zu Anfang anstrengend sein könnte, werden Sie für sich entdecken, wie viel Freude im Miteinander entstehen kann.“

Die DINA 3-formatigen Motivplakate der Kampagne sowie die Postkarten „Handygarten“ sind kostenfrei bei Heike Kubow vom Kinder- und Jugendschutz des Landkreises Peine unter der Rufnummer 05171/40130066 oder per Mail an: kubow@landkreis-peine.de erhältlich.


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