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Futter- und Wassermangel: Stadttauben leiden unter Lockdown und kalter Jahreszeit

Der Verein Stadttiere Braunschweig spricht von zehn bis 15 toten Tauben monatlich. Vor allem Jungtiere seien betroffen.

von Alexander Dontscheff


Einige Tauben sind derzeit äußerst geschwächt und sind möglichen Tierquälern hilflos ausgeliefert.
Einige Tauben sind derzeit äußerst geschwächt und sind möglichen Tierquälern hilflos ausgeliefert. Foto: privat

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20.11.2020

Braunschweig. Führt der Lockdown mit seiner geschlossenen Gastronomie und der weniger frequentierten Innenstadt auch zu einem erhöhten Taubensterben? Leser vermeldeten der Redaktion vermehrt Funde von toten, vermutlich verhungerter Stadttauben. regionalHeute.de fragte beim Verein Stadttiere Braunschweig nach. Dieser beschreibt ein differenziertes Bild der Lage.



"Die Frage, ob es ein neues Taubensterben gibt, würden wir verneinen. Zurzeit registrieren wir nur Einzelfälle, etwa zehn bis 15 Tiere pro Monat, die meisten davon sind Jungtiere. Insgesamt sind in diesem Jahr 72 tote Stadttauben bei uns registriert. Im November 2019 hatten wir dagegen innerhalb weniger Wochen 200 tote Tauben aufgefunden. Die Situation in diesem Jahr ist also erheblich besser, aber noch immer nicht zufriedenstellend", erklärt Beate Gries vom Verein Stadttiere Braunschweig.

Vor allem Jungtiere betroffen


Einige Jungtiere seien - wie bei allen Spezies - weniger widerstandsfähig und wiesen eine höhere Krankheitsanfälligkeit auf. Bei den aufgefundenen schwachen oder verendeten Jungtieren denke man immer auch an die so genannte "Jungtaubenkrankheit". Dieser Begriff sei eine Bezeichnung für eine multifaktorielle Erkrankung bei Jungtauben. Es handele sich hier nicht um eine eigene Krankheit, sondern das Zusammentreffen von mehreren Erkrankungen, verursacht durch innerartliche Keime. Die Symptome sind Erbrechen, Durchfall, übermäßiges Trinken, Flugunlust, Appetitlosigkeit. Daher seien die Tiere zum Teil extrem abgemagert und dehydriert. Manchmal gebe es, ähnlich wie bei der Paramyxovirose, auch Störungen des zentralen Nervensystem und plötzliche Todesfälle - trotz tierärztlicher Behandlung und Zwangsfütterung. "Aufgrund der geringen Fluchtdistanz dieser geschwächten Jungtiere werden nach unseren Erfahrungen gerade sie Opfer von Misshandlungen und Tierquälerei, die zu schwersten Verletzungen beziehungsweise zum Tod führen. Nach dem Tierschutzgesetz handelt es sich hierbei um Straftaten, die wir zur Anzeige bringen", erklärt Beate Gries.

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Derzeit werden die Tauben in der Innenstadt täglich von Helfern des Vereins gefüttert. Doch stoße man hier an seine Grenzen. "Aktuell verfüttern wir jeden Morgen insgesamt 65 Kilogramm Futter an den sechs Futterstellen in der Innenstadt", berichtet Gries. Durch die artgerechte Fütterung verhungerten wesentlich weniger Tiere als in früheren Jahren. "Allerdings müssen wir dafür mehr als 1.000 Euro pro Monat für die etwa zwei Tonnen Futter aufbringen. Das bringt unseren kleinen Verein, der nur 20 Mitglieder hat, zwischenzeitlich an seine finanzielle Leistungsgrenze. Hier sind wir dringend auf Spenden angewiesen", so der Appell des Vereins.

Manche Tiere gehen leer aus


Die Futtermenge sei immer auf die vom Verein vor Ort gezählten Tiere abgestimmt. Die Tiere, die zur Fütterungszeit auf den Nestern brüten, würden so nicht erreicht. Die Stadttauben am Altstadtmarkt erreichten seit einer temporären Unterbrechung die Futterstelle in der Schützenstraße nicht mehr. Daher suchten die Tauben wieder vermehrt während der Märkte nach Futter. "Im Zuge der Prüfung des Altstadtmarktes als Standort für einen betreuten Taubenschlag könnte eine zusätzliche Futterstelle am Altstadtmarkt die Situation dort für alle wieder entspannen", hofft Beate Gries.


Für manche Taube kommt jede Hilfe zu spät. Foto: privat


Nicht nur mangelndes Futter, sondern auch fehlendes Wasser könne zum Problem werden. Das Abstellen der Brunnen führe in den Wintermonaten zu Wassermangel für alle wildlebenden Tiere in der Stadt. "Als Notlösung bieten wir an den Futterstellen während der Fütterung Wasser an oder lassen Tränken in Form von TetraPacks vor Ort", berichtet Gries. Das habe sich bereits im Sommer bewährt. Alle Bürger könnten den Tieren helfen und bei vorher ausgewaschenen TetraPacks eine Seitenwand ausschneiden und diese dann als Tränke bereitstellen.


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