Gifhorn. Wie können mittelständische Unternehmen Künstliche Intelligenz konkret nutzen, ohne Risiken oder hohe Kosten? Genau diese Frage steht am Anfang eines neuen Vorhabens, das Gifhorn auf die digitale Landkarte setzt: Mit MOODUS.AI x IT-RESELL entsteht eine innovative Plattform, die KI-Technologien direkt vor Ort erlebbar und wirtschaftlich nutzbar macht. Das berichtet die Wirtschaftsförderung Gifhorn (WiSta) in einer Pressemitteilung.
So sieht es ein am heutigen Donnerstag zwischen moodus UG, IT-Resell.com UG und Deep 5 GmbH unterzeichneter Letter of Intent vor. Die WiSta Gifhorn begleitet und unterstützt das Projekt.
Server- und IT-Infrastruktur vorgeplant
Herzstück des Projekts ist der Standort „moodus“ in der August-Horch-Straße. Schon bei der Errichtung des Gebäudes vor zwölf Jahren wurde eine Fläche von rund 200 Quadratmetern für Server- und IT-Infrastruktur vorgesehen. Hier zieht IT-Resell ein. Das Magdeburger Unternehmen bereitet gebrauchte IT-Komponenten auf und vertreibt sie, von der DSGVO‑konformen Datenlöschung bis zur Neuinstallation und Wartung.
Am Standort Gifhorn wollen die beiden Partner mit der geeigneten Hardware- und Software-Kompetenz eine regionale, leistungsfähige KI-Plattform einrichten. Hier sollen Unternehmen KI-Anwendungen testen können, bevor sie große Investitionen in eine eigene Infrastruktur tätigen. Darin sehen die Initiatoren einen entscheidenden Erfolgsfaktor: Die Hardware-Infrastruktur wird nicht von teuren Cloud-Providern gestellt, sondern basiert auf von IT-RESELL professionell aufbereiteter Enterprise-Technologie. Die Software liefert unter anderem die Braunschweiger Deep 5 GmbH, die KI-Kompetenz in Entwicklung und Implementierung mitbringt.
Kosten im Rahmen halten
„Mit der Nutzung der aufbereiteten Hardware halten wir die Kosten im Rahmen. Das heißt, Unternehmen können in diesem Punkt ihre Projekte von Anfang an wirtschaftlich aufstellen. Mit Blick auf unser eigenes Geschäftsmodell soll der Auf- und Aufbau der technologischen Infrastruktur anhand konkreter Anwendungsfälle erfolgen. Unser Plan ist, in Kürze einen Demonstrator an den Start zu bringen“, erläutert Christian Knittel, Geschäftsführer bei IT-Resell die Geschäftsidee. Ein erster Laboraufbau mit acht leistungsfähigen Grafikprozessoren wurde vor wenigen Tagen erfolgreich getestet.
Moodus bietet für das Vorhaben den passenden Standort. Büros, Coworking und Events schaffen Sichtbarkeit und Kontakte für Pilotprojekte und konkrete Anwendungen. „Bei uns ist die Basis für die Technik mit Racks und entsprechender Schutztechnik schon gelegt. Außerdem ist die persönliche Begleitung für interessierte Unternehmen vorhanden. Das senkt aus unserer Sicht die Einstiegshürden enorm“, sagt Moodus-Betreiberin Ilona Derksen. Sie ruft interessierte Unternehmen aus der Region auf, das Angebot unverbindlich kennenzulernen.
Tests mit Unternehmen geplant
Denn nach der Auswertung der ersten Tests sollen im nächsten Schritt mit ausgewählten Unternehmen konkrete Anwendungsfälle erprobt werden. Vorstellbar sind interne Wissenssysteme oder Dokumentenassistenten. Bei der weiteren Planung und der Vermittlung von Partnern sowie der Beratung zu geeigneten Fördermitteln unterstützt die städtische Wirtschaftsförderung WiSta. „Das Projekt verbindet Standortentwicklung mit moderner KI-Infrastruktur und Kreislaufwirtschaft. Wenn dies gelingt, ist das ein wirklicher Mehrwert für den gesamten Wirtschaftsstandort Gifhorn“, fasst WiSta-Geschäftsführer Martin Ohlendorf zusammen.
Ein langfristiges Betreiber-, Service- und Preismodell soll auf Basis der Erfahrungen aus ersten Anwendungen entwickelt werden. So sieht es der Letter of Intent vor, bei dessen Unterzeichnung auch Bürgermeister Matthias Nerlich anwesend war. Er sagt: „Wenn wir Gifhorn als Innovationsstandort erhalten wollen, funktioniert das nur, wenn Unternehmen und Talente wirklich Zugang zu Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz haben. Das ergänzt das Gesamtangebot am Standort und kann sich zu einem wichtigen Baustein für Wirtschaftskraft und moderne Arbeitsplätze in Gifhorn entwickeln.“
Strom aus erneuerbaren Energiequellen
Bei der Skalierung des Geschäftsmodells wollen die Initiatoren mit der Stadtwerke Gifhorn GmbH ins Gespräch kommen. Das Ziel ist, für den Betrieb des Rechenzentrums zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu nutzen.

