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JVA Wolfenbüttel bringt Azubis von MAN die Geschichte näher


Die MAN-Azubis in der ehemaligen Hinrichtungsstätte. Foto Simona Häring

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14.12.2019

Wolfenbüttel/Salzgitter. Das Thema Menschenrechtsbildung ist ein fester Bestandteil im Ausbildungsprogramm der MAN Truck & Bus AG. In diesem Rahmen werden seit April 2013 zweimal jährlich Seminartage zum Thema „Geschichte verstehen – Zukunft gestalten“ in enger Kooperation mit der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel und der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel durchgeführt. Am 5. und 6. Dezember nahmen Auszubildende der MAN Truck & Bus AG erneut an einem zweitägigen Workshop unter der Leitung von Dr. Gustav Partington teil. Dies berichtet die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel.


Am Beispiel der Geschichte des Nationalsozialismus und der in dieser Zeit praktizierten massiven Ausgrenzung von Menschen würden sich die Auszubildenden mit der Bedeutung von Respekt und Akzeptanz auseinandersetzen. Die Thematik beschäftige sie nachhaltig: MAN-Auszubildende werden zukünftig an der praktischen Umsetzung eines Gedenkortes auf dem Gräberfeld 13a des Hauptfriedhofes Lindener Straße für nach Göttingen verbrachte Hinrichtungsopfer der NS-Justiz mitarbeiten.

"Mangel an Respekt in der NS-Zeit"


Den Auftakt habe eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Justiz im Nationalsozialismus gebildet. Dabei wären sowohl Veränderungen des Rechtssystems im Übergang von der Weimarer Republik zur NS-Zeit als auch mögliche Handlungsspielräume beteiligter Akteure thematisiert worden. Anhand von Originalquellen, die in digitalisierter Form in Multi-Touch-Tischen aufbereitet sind, hätten die Teilnehmer selbstständig Schicksale von Einzelpersonen recherchiert, die während der NS-Zeit im Strafgefängnis Wolfenbüttel inhaftiert waren oder hingerichtet wurden. Über den biographischen Zugang seien die Auswirkungen der veränderten Rechtsvorschriften konkret und Ausgrenzungsmechanismen sowie die Folgen von Intoleranz deutlich geworden.

Dem Mangel an Respekt in der NS-Zeit und den Folgen der unmenschlichen Behandlung wären in einem weiteren Programmteil die Prämissen des heutigen Strafvollzugs gegenübergestellt worden. Katja Lehmköster, Hauptsekretärin des Justizvollzugsdienstes in der JVA Wolfenbüttel, habe über den aktuellen Strafvollzug informiert. Sie habe nicht nur dessen Leitlinien erläutert, sondern habe bei einer Führung durch die JVA spannende Einblicke in die heutigen Haftbedingungen, insbesondere die Unterbringung, den Arbeitsalltag sowie Ausbildungsmöglichkeiten während der Haft gewährt. Abgerundet worden sei dieser Programmteil durch eine Begegnung mit derzeitigen Inhaftierten der JVA. Im Rahmen von kleineren sportlichen Wettkämpfen unter Leitung von Hauptsekretär Andreas Rehr, in der JVA zuständig für Gefangenensport, hätten anfängliche Berührungsängste schnell überwunden werden können und es entwickelten sich für beide Gruppen interessante Gespräche – ganz im Sinne von Respekt und Akzeptanz.


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