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Messerattacke in Sudmerberg - "Schutzengel-Trio" erhält Auszeichnung für Zivilcourage



Messerattacke in Sudmerberg - "Schutzengel-Trio" erhält Auszeichnung für Zivilcourage

Drei Menschen retteten einer Mutter in Lebensgefahr das Leben, nachdem sie Opfer einer brutalen Attacke geworden war.

Die Preisträger und Laudatoren auf der Wiese vor der Polizeiinspektion Goslar. Von links: Polizeidirektor Rodger Kerst, Pascal Brennecke, Katharina-Sophie Weber und der Arzt Mathias Kohn. Als Vertreter des Weissen Ringes: Günther Koschig.
Die Preisträger und Laudatoren auf der Wiese vor der Polizeiinspektion Goslar. Von links: Polizeidirektor Rodger Kerst, Pascal Brennecke, Katharina-Sophie Weber und der Arzt Mathias Kohn. Als Vertreter des Weissen Ringes: Günther Koschig. Foto: Polizei

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Goslar. In der Adventszeit des Jahres 2020 erschütterte eine brutale Messerattacke auf eine Mutter in einem Stichweg in Sudmerberg die Region. Ein 24-Jähriger griff die Frau aus dem Hinterhalt an und fügte ihr lebensgefährliche Verletzungen am Hals zu. Der sich zufällig mit dem Rad nähernde 33-jährige Pascal Brennecke aus Liebenburg erkannte die gefährliche Situation blitzschnell und reagierte spontan und ohne jegliches Zögern. Hierfür wurde er nun ausgezeichnet, wie die Polizei in einer Pressemitteilung berichtet. Auch zwei weitere Goslarer wurden für ihre Courage geehrt. Das "Schutzengel-Trio" habe dazu beigetragen, dass die Mutter schnell außer Lebensgefahr war, so das einhellige Fazit.



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Im elften Jahr des Bestehens der "Goslarer Zivilcourage Kampagne" (GZK) gab es am 12. Oktober in der Aula der Polizeiinspektion Goslar wieder Grund zur Würdigung von gleich drei besonderen Menschen, die in einem wechselseitigen Zusammenspiel am 16. Dezember 2020 das Leben mindestens eines anderen Menschen gerettet hatten. Die Verzögerung der Ehrung war dem Strafverfahren, welches erst beendet sein musste, sowie den Corona bedingten Einschränkungen geschuldet.

Ein lebensgefährlicher Angriff


Der zu würdigende Sachverhalt habe in der Adventszeit 2020 große Bestürzung und Erleichterung zugleich in der Bevölkerung ausgelöst und auch überregional für große Beachtung gesorgt. Eine 29-jährige Goslarerin war mit ihrem Säugling auf einem Spaziergang auf dem Verbindungsweg zwischen der Straße Im Schleeke und Ginsterbusch durch einen 24-jährigen aus Oker stammenden Mann hinterrücks angegriffen worden. Dieser zückte hierbei ein Messer und fügte der jungen Frau, die ihren Säugling vor dem Bauch trug, lebensgefährliche Schnittverletzungen am Hals zu.

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Pascal Brennecke sprang vom Rad und stürzte sich auf den Angreifer, der gerade im Begriff war, weiter auf die Frau und ihr kleines Kind einzustechen. Bedingt durch seine Kampfsporterfahrungen gelang es ihm hierbei schnell, dass der Okeraner das Messer fallen ließ, sich ergab und durch Brennecke bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden konnte. Währenddessen schleppte sich die schwer verletzte junge Frau zurück zur Straße Im Schleeke. Hierbei gelang es ihr zunächst noch selbst, den "Notruf 110" zu wählen und mitzuteilen, dass sie überfallen worden sei.

20-Jährige leistet Hilfe


In Höhe der Bushaltestelle "Ginsterbusch", sah die vorbeifahrende 20-jährige Katharina-Sophie Weber das schwer verletzte Opfer, hielt sofort an und kümmerte sich um die junge Frau. Parallel übernahm sie auch das Telefonat mit der Einsatzleitstelle.

Ein Arzt übernimmt die Erstversorgung


Nahezu zeitgleich fuhr der 54-jährige Arzt, Mathias Kohn, in seiner Freizeit mit seinem Auto an der Bushaltestelle vorbei. Auch er erkannte die lebensbedrohliche Situation, hielt an und übernahm sofort die ärztliche Versorgung der stark blutenden Frau. Die 29-Jährige kam anschließend mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus und war dank des schnellen Eingreifens der drei Alltagshelden nach einer Operation schnell außer Lebensgefahr.

Der Täter wurde im Frühjahr 2021 durch das Landgericht Braunschweig wegen versuchten Mordes, begangen im Zustand der krankheitsbedingten Schuldunfähigkeit, zu einer unbefristeten Sicherungsverwahrung verurteilt.

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Der Vorsitzende der "GZK" und Leiter des Weißen Rings, -Außenstelle Goslar-, Günter Koschig, moderierte die von ihm organisierte Feierlichkeit, die wegen der immer noch vorhandenen Einschränkungen vor einem kleineren Publikum in der Aula der Polizeiinspektion Goslar stattfand. Bereits vor längerer Zeit hatte die Jury der "GZK" sich für diese drei Alltagshelden als verdiente Preisträger des Jahres 2020 entschieden.

Würdigung von der Polizei


Der neue Leiter der Polizeiinspektion Goslar, Polizeidirektor Rodger Kerst, würdigte das couragierte Auftreten und umsichtige Handeln jedes Einzelnen der drei Helfer als herausragend und lobenswert. Natürlich sollte ein körperliches Einmischen in eine gefährliche Situation wohl bedacht und nicht um jeden Preis erfolgen. Keiner müsse sich selbst in Lebensgefahr begeben.

Ein "Schutzengel-Trio" zur rechten Zeit


Andererseits, so stellte Kerst in seiner Laudatio sinngemäß fest, hätte Herr Brennecke in dieser Situation keine 30 Sekunden später kommen dürfen. Mit seiner Fitness sei er in dieser Situation der richtige Schutzengel am richtigen Ort gewesen. Dieser Sachverhalt zeige auch, so Kerst weiter, dass es manchmal Situationen lebensnotwendig sein kann, mehr als ein Schutzengel zu haben. Dieses "Schutzengel-Trio" hätten die junge Frau und ihr Säugling an diesem Dezembernachmittag gebraucht und zum Glück auch bekommen.

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Pascal Brennecke erhielt anschließend den Zivilcourage Pokal aus den Händen des Inspektionsleiters. Statt einer wie sonst durchgeführten persönlichen Übergabe der Preise war für jeden der drei Helfer in diesem Jahr ein Tisch mit mehreren Sachpreisen sowie einer Urkunde hergerichtet worden.


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