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Grüner Wasserstoff: Niedersachsen will Spitzenreiter werden

Bei einem Termin mit Wirtschaftsminister Bernd Althusmann und Landrat Gerhard Radeck informierte sich der Minister über den Wasserstoffstandort Helmstedt.

Innovative Wasserstoff-Projekte sollen den Strukturwandel im Landkreis Helmstedt voranbringen.
Innovative Wasserstoff-Projekte sollen den Strukturwandel im Landkreis Helmstedt voranbringen. Foto: Avacon

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09.10.2020

Helmstedt. Dr. Bernd Althusmann, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung und Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur informierten sich am 22. September auf Vermittlung von Landtagsabgeordneter Veronika Koch und Einladung von Landrat Gerhard Radeck und Avacon-Vorstandsvorsitzenden Marten Bunnemann bei der Avacon AG in Helmstedt über innovative Projekte zur Unterstützung des Strukturwandels in der Region. Dies berichtet Avacon in einer Pressemitteilung. Althusmann versprach, dass er sich weiterhin für den Wasserstoffstandort Helmstedt einsetzen werde. Das Ziel sei, die Forschungskompetenzen in Niedersachsen zu bündeln und so eine weltweite Spitzenposition in der Entwicklung von grünem Wassrstoff einzunehmen.



„Aufgrund der vorhandenen energiewirtschaftlichen Prägung der Region sowie der hervorragenden infrastrukturellen Voraussetzungen̶ - damit sind die guten Anbindungen an bestehende Strom-, Gas-, Daten- und Verkehrsnetze gemeint̶ - bieten sich gerade in der Helmstedter Region ideale Standortbedingungen für einen innovativen Wasserstoff-Hub“ leitetet Landrat Gerhard Radeck in die Veranstaltung ein. Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann sagte dem Landkreis die Unterstützung des Landes zu: „Wasserstoff ist der Energieträger von morgen. Der Aufbau einer starken Wasserstoffwirtschaft gehört zum Kern der niedersächsischen Wirtschafts-, Forschungs- und Klimaschutzpolitik. Die Region setzt mit Wasserstoff auf ein echtes Zukunftsthema und will die regionalen Kräfte hierfür zusammenbringen. Diesen Ansatz begrüße ich ausdrücklich.“

"Forschungskompetenzen bündeln"


Als Bundesland mit der höchsten Produktion regenerativer Energie will Niedersachsen den nächsten Schritt gehen und die Forschungskompetenzen bei der Entwicklung von „grüner“ Wasserstofftechnologie stärken, um auch bei dieser Zukunftstechnologie eine nationale und europäische Spitzenposition einzunehmen.

„Grüner Wasserstoff wird zu einem Kernelement der Energiewende. Daher begrüße ich sehr, dass diese Zukunftstechnologie in der Region Helmstedt verankert und entlang der gesamten Wertschöpfungskette abgebildet werden soll“, so Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler. „Es freut mich, dass das EFZN die wissenschaftliche Begleitung des Projektes übernimmt. Die enge Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist wichtig, um solche Vorhaben erfolgreich umzusetzen.“

„Avacon und EEW Energy from Waste bündeln ihr Know-how und wollen durch eine Kooperation die Wasserstofftechnologie weiter vorantreiben. Um die vollständige Dekarbonisierung bis 2050 zu erreichen, muss fossiles Erdgas sukzessive durch regeneratives Gas ersetzt werden. Hinter dem geplanten Projekt von Avacon und EEW zur Wasserstoff- und darauf aufbauend e-fuel-Entwicklung steht die Idee, eine innovative Power-to-Fuel-Plattform zu realisieren“, erläuterte Marten Bunnemann, Vorstandsvorsitzender der Avacon AG. „Das Projekt könnte als mögliches niedersächsisches Leuchtturmprojekt zur norddeutschen Wasserstoffstrategie dienen, die die Wandlung eines konventionellen Kohlereviers hin zu einem CO2-neutralen Green-Energy-Standort mit langfristig wirtschaftlich erfolgreicher Perspektive demonstriert“, ergänzte Bernard Kemper, Vorsitzender der Geschäftsführung der EEW Energy from Waste GmbH. Für dieses Ziel benötigen EEW und Avacon die Unterstützung des Landes Niedersachsen bei der Umsetzung der erforderlichen bundesrechtlichen Rahmenbedingungen bezüglich der Nationalen Wasserstoffstrategie und einer entsprechenden Förderstruktur zur Marktaktivierung von „grüner“ Wasserstofftechnologie.


Darüber hinaus engagieren sich EEW und Avacon in einem Modellvorhaben zur Wasserstoffmobilität in Helmstedt. Beide Unternehmen sind Teil einer Wertschöpfungskette, die von der Bereitstellung von grünem Strom, der Produktion von Wasserstoff über den Transport und die Bereitstellung von Wasserstoff für die Betankung, der Herstellung von Brennstoffzellenbussen bis hin zu einem ÖPNV-Dienstleister reicht, der eine nachhaltige Mobilität für die Bürger im ländlichen Raum anbieten möchte.

"120 Busse mit Brennstoffzellenantrieb bauen"


Kern der Vorstellung dieses Modellvorhabens ist die Ansiedlung des Joint Ventures „Buses4Future“ (B4F), welches die Unternehmer der Adrem GmbH aus Oldenburg und Hymove B.V. aus Arnhem in den Niederlanden gegründet haben. B4F möchte im Rahmen des vorgestellten Modellvorhabens innerhalb von vier Jahren zirka 120 Busse mit Brennstoffzellenantrieb in Helmstedt bauen und dafür bis zu 30 qualifizierte Arbeitsplätze schaffen. Mittelfristig sind 500 bis 1.500 Busse pro Jahr und 1.000 bis 3000 Arbeitsplätze in Helmstedt denkbar. Das Modellvorhaben ist ein Ergebnis, des vom Land Niedersachsen geförderten Regionalmanagements in Helmstedt, welches im Bereich des Technologietransfers durch die innos GmbH unterstützt wird.

"Energiepark Helmstedt"


Mit dem Ende der Braunkohlenförderung im Jahr 2016 und der Stilllegung des Kraftwerks Buschhaus zum 1. Januar 2021 endet nach über 140 Jahren die Bergbaugeschichte des Helmstedter Reviers. Die Helmstedter Revier GmbH (HSR) plant gemeinsam mit ihrer Muttergesellschaft Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) das Zukunftsprojekt Energiepark Helmstedt (EHE).

„Die Vision EHE soll dabei die zentrale Rolle in der Entwicklung des Helmstedter Reviers spielen und dabei sowohl auf die bereits vorhandenen Infrastrukturen als auch auf die vorhandenen Kompetenzen aufbauen“, so Michael Müller, Geschäftsführer der Helmstedter Revier GmbH. Der Energiepark Helmstedt ist auf den ehemaligen Kraftwerks- und Tagebauflächen mit einer Gesamtfläche von ca. 2.150 Hektar geplant, wovon zirka 300 Hektar Entwicklungsflächen für Gewerbe, Industrie und Freizeit vorgesehen sind. Auf dem ehemaligen Tagebaugebiet werden Wind- und Photovoltaikanlagen entstehen. Zusammen mit weiteren Formen der Energieerzeugung (Biomasse, Plastikabfälle) wird so die Basis für die industrielle Produktion von Wasserstoff, Methanol sowie synthetischen Kraftstoffen geschaffen. Die Herstellung dieser Power-to-X-Produkte zusammen mit weiteren Speichertechnologien bieten dabei die zentrale Einheit in dem Konzept des Energieparks Helmstedt, mit dem Ziel energieintensive Industrie anzusiedeln und eine Versorgung durch grünen Strom und Kraftstoffen zu ermöglichen.

Erste Ansätze dieser Vision sind schon in der Durchführung. Der Revierrat Helmstedter Revier wurde am 2. Juli gegründet. Des Weiteren wird in Kürze ein Kaufvertrag mit der Firma ATS Agro Trading & Solutions GmbH (ATS) über eine Fläche von 4,6 Hektar beurkundet. Weitere Ansiedlungen sollen zeitnah folgen. Dazu gehört auch B4F.


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