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Halbjahresbilanz der Salzgitter AG: Nachfrage bricht ein

Der Außenumsatz ging um 20 Prozent zurück. Für 2020 erwartet man ein negatives Ergebnis im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

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Symbolbild Foto: Rudolf Karliczek

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12.08.2020

Salzgitter. Erwartungsgemäß haben die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie den Salzgitter-Konzern im zweiten Quartal 2020 deutlich stärker beeinträchtigt als in den ersten drei Monaten des Jahres. Besonders der Nachfrageeinbruch aus der Automobilindustrie belastete das Unternehmen, während sich die Baubranche stabil zeigte. Das berichtet die Salzgitter AG in einer Pressemitteilung anlässlich der Bilanz zum ersten Halbjahr 2020.



So verzeichneten die Tochtergesellschaften des Konzerns eine verglichen mit 2019 um 10 bis 70 Prozent geringere Auslastung. Darüber hinaus entfalteten die schon vor der aktuellen Krise überdimensionierten Importquoten für zollfreie Stahlimporte in die Europäische Union keinerlei Schutzwirkung, da sich deren prozentualer Anteil infolge des Rückgangs der Stahlnachfrage in der EU im zweiten Quartal sogar noch erhöhte.

20 Prozent weniger Außenumsatz


Vor diesem Hintergrund gab der Außenumsatz des Salzgitter-Konzerns im ersten Halbjahr 2020 - insbesondere mengenbedingt - gegenüber der Vorjahresperiode um 20 Prozent nach (3.631,0 Mio. Euro; erstes Halbjahr 2019: 4.526,2 Mio. Euro). Das Vorsteuerresultat betrug -127,8 Mio. Euro (erstes Halbjahr 2019: 145,3 Mio. Euro) und spiegelt primär den Auslastungsrückgang im zweiten Quartal sowie entsprechend gesunkene Ergebnisbeiträge aller Geschäftsbereiche wider. Frühzeitig und konsequent eingeleitete Maßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssicherung sowie 34,0 Mio. Euro Beitrag des nach der Equity-Methode bilanzierten Engagements an der Aurubis AG (erstes Halbjahr 2019: 56,4 Mio. Euro) wirkten gegenläufig. Aus -144,7 Mio. Euro Ergebnis nach Steuern (erstes Halbjahr 2019: 96,4 Mio. Euro) errechnen sich -2,70 Euro Ergebnis je Aktie (erstes Halbjahr 2019: 1,73 Euro) sowie -6,3 Prozent Verzinsung des eingesetzten Kapitals (erstes Halbjahr 2019: 7,9 Prozent). Mit 34,4 Prozent Eigenkapitalquote ist die Bilanz des Salzgitter-Konzerns nach wie vor solide.

"Die herausforderndsten Monate der Unternehmensgeschichte"


„Die letzten Monate zählen wegen der Corona-Krise sicherlich zu den herausforderndsten unserer Unternehmensgeschichte", bilanziert Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Heinz Jörg Fuhrmann. "Wir lassen uns in dieser Zeit stets von den Prinzipien der Verhältnismäßigkeit und der Güterabwägung zwischen dem bestmöglichen Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeitenden und dem Erhalt der Betriebsfähigkeit unseres Unternehmens leiten", so Fuhrmann. So habe man kurzfristig umfassende, risikominimierende Vorkehrungen getroffen und Transparenz bezüglich des Infektionsgeschehens im gesamten Konzern geschaffen.

Ebenso konzentriere man sich auf das Management der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Oberste Priorität besitze die Sicherung der Liquidität des Konzerns. "Die Kennzahlen des ersten Halbjahres 2020 belegen, dass uns diese Güterabwägung gelungen ist. Nicht zuletzt dank unserer auf Diversifikation des Konzernportfolios ausgerichteten Strategie wurden die Auswirkungen der Pandemie auf unser Geschäft abgemildert", betont der Vorstandsvorsitzende. Wenngleich die Bewältigung der coronabedingten Herausforderungen zurzeit naturgemäß im Fokus stünde, verliere man die Sicherung der mittel- und langfristigen Zukunft des Salzgitter-Konzerns nicht aus den Augen. Mit der im Juni vereinbarten Machbarkeitsstudie für eine Eisenerz-Direktreduktion am Standort Wilhelmshaven gehe man einen weiteren konkreten Schritt des Transformationsprozesses hin zu einer CO2-armen, wasserstoffbasierten Stahlherstellung auf der Grundlage des vielbeachteten Technologiekonzeptes SALCOS (SAlzgitter Low CO2 Steelmaking).

Negatives Ergebnis im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erwartet


Man gehe davon aus, dass das zweite und dritte Quartal den Tiefpunkt der aktuellen Krise markieren dürfte. Gleichwohl blieben Stärke und zeitlicher Ablauf der denkbaren Belebung der gesamtwirtschaftlichen Lage in der zweiten Jahreshälfte mit hohen Unsicherheiten behaftet. Die weitere Geschäftsentwicklung des Salzgitter-Konzerns lasse sich in diesem unsicheren Umfeld nicht in der gewohnten Weise prognostizieren, sodass lediglich eine grobe Einschätzung möglich sei. "Vor diesem Hintergrund rechnen wir für das Geschäftsjahr 2020 für den Salzgitter-Konzern mit einem merklich reduzierten Umsatz, einem negativen Vorsteuerergebnis im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich und einer sichtbar unter dem Vorjahreswert liegenden Rendite auf das eingesetzte Kapital", so Heinz Jörg Fuhrmann. "Wir weisen darauf hin, dass darüber hinaus Chancen und Risiken aus aktuell nicht absehbaren Erlös-, Vormaterialpreis- und Beschäftigungsentwicklungen sowie Veränderungen von Währungskursen den Verlauf des Geschäftsjahres 2020 erheblich beeinflussen können." Die hieraus resultierende Schwankungsbreite des Konzernergebnisses vor Steuern könne ein beträchtliches Ausmaß sowohl in negativer als auch in positiver Richtung annehmen.


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