Hammer-Märkte weiter in der Krise: Räumungsverkauf in allen Filialen

Bereits im März fand in zahlreichen Filialen der Räumungsverkauf statt. Nun folgen auch die übrigen Märkte.

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Symbolfoto | Foto: Matthias Kettling

Region. Im Insolvenzverfahren der Hammer Raumstylisten GmbH spitzt sich die Lage zu. Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Meyer von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH am Dienstag mitteilte, konnte bislang keine Investorenlösung für den Fortbestand des Unternehmens als Fachmarktkonzept gefunden werden. Um die Zahlungsfähigkeit zu sichern, startet am 1. April in den verbliebenen 41 Filialen der Räumungsverkauf.



Trotz des unermüdlichen Einsatzes des gesamten Hammer-Teams und auch aller Verfahrensbeteiligten sei im Investorenprozess bislang noch keine Lösung gelungen. Die Verhandlungen mit den zwei verbliebenen Interessenten würden zwar noch andauern, entwickeln sich aber insgesamt inhaltlich sowie zeitlich nicht wie erwünscht und erforderlich. Nach wie vor bleibe es zwar das Ziel, das Unternehmen als Hammer-Fachfilialbetrieb mit einer maximal möglichen Anzahl von Standorten zu übertragen, obgleich die Erfolgsaussichten derzeit leider als gering einzuschätzen seien. Das ändere aber nichts daran, dass alle Beteiligten mit ungeminderter Kraft weiter an dieser Zielerreichung arbeiten. Der vorläufige Insolvenzverwalter musste in Anbetracht dieser Entwicklungen und Situation in enger Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss entscheiden, dass auch die zum Monatswechsel noch geöffneten 41 Fachmärkte mit dem 1. April beginnend in einen Räumungsverkauf starten.

Maßnahmen waren zwingend notwendig


Nur mit diesen Maßnahmen, mit einer deutlichen Reduzierung der ab April noch geöffneten Filialen und der Einleitung eines Räumungsverkaufs könne nach dem Wegfall des Insolvenzgeldeffekts unter Vollkosten die Zahlungsfähigkeit im eröffneten Insolvenzverfahren überhaupt aufrechterhalten werden. Nur durch diese jetzt eingeleiteten Maßnahmen könne ein auskömmlicher Umsatz generiert werden, der sicherstellt, dass für diese Standorte die Mieten, das weiterbeschäftigte Personal und die sonstigen Kosten aus den bisherigen und zukünftigen Einnahmen hinreichend sicher gedeckt werden können. Bei einem Weiterbetrieb ohne diese einschneidenden Veränderungen würde es zu sehr erheblichen Verlusten kommen und innerhalb weniger Tage/Wochen wäre eine Fortsetzung der Geschäftstätigkeit wegen Illiquidität im laufenden Insolvenzverfahren nicht mehr zu gewährleisten. Eine solche Entwicklung werde nunmehr durch die konsequente Umsetzung vorstehender Maßnahmen vermieden, heißt es in der Mitteilung des Insolvenzverwalters weiter.

Viele Filialen bereits geschlossen


Wie bereits kürzlich berichtet, stehe für ungefähr die Hälfte der Filialen kein Interessent für die Fortsetzung des Hammer-Fachmarktkonzepts zur Verfügung. Auch die beiden derzeit noch im Prozess befindlichen potenziellen Investoren hätten für diese Fachmärkte kein Engagement gezeigt, interessierten sich hingegen fortgesetzt für die 41 Standorte, die im April weiter betrieben werden, allerdings ohne dafür bislang ein plausibles Konzept, ein Angebot und einen Finanzierungsnachweis vorgelegt zu haben. Daher haben die Filialen, für die derzeit kein einziger Interessent zur Umsetzung des Hammer-Konzepts zur Verfügung steht bereits ab dem 16. März einen Räumungsverkauf eingeleitet, auch um die Flächen für andere Konzepte schnellstmöglich freizuziehen. Diese 46 betroffenen Märkte und Hammer-Fachfilialen sind mittlerweile geschlossen.

Keine Angaben zu einzelnen Standorten


In Abstimmung mit den Vermietern soll weiterhin versucht werden, diese Flächen möglichst unter Erhalt der dortigen Arbeitsplätze an namhafte Interessenten der Food- und Non-food-Branche zu überführen. Weiterhin beteiligen sich im M&A-Prozess für diese Konzeption insgesamt vier Interessenten, die ihre Schwerpunkte ebenso wie Hammer im stationären Einzelhandel haben. Diese Interessenten möchten ihre eigenen Geschäftskonzepte auf den Hammer-Filialflächen umsetzen und haben jeweils Interesse an der Übernahme von Mitarbeitern an den jeweiligen Standorten signalisiert, was angesichts des Fachkräftemangels ebenso nachvollziehbar wie aus Sicht des vorläufigen Insolvenzverwalters begrüßenswert sei. Da es sich hier um laufende Verhandlungen handelt, bei denen sich alle Seiten zur Verschwiegenheit verpflichtet haben, können keine Angaben zu einzelnen Standorten getätigt werden.

Insolvenzgeld bis Ende März


Bis Ende März 2026 seien alle Lohn- und Gehaltsansprüche der rund 1.100 Mitarbeiter über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Auch im März 2026 sei durch die Insolvenzgeldvorfinanzierung eine fristgerechte Auszahlung sichergestellt. Ab April 2026 müssen die Gehälter der Beschäftigten wieder aus dem laufenden Geschäftsbetrieb bezahlt werden. Eine dauerhafte Fortführung ohne Investor sei aus vorstehenden Gründen nicht möglich.

Auch wenn jetzt der Räumungsverkauf eingeleitet wird, werde der M&A-Prozess uneingeschränkt fortgesetzt. Sollte während der Durchführung des Räumungsverkaufs noch ein Investor gefunden werden, der sich nicht nur für die Übernahme der Flächen und Arbeitsverhältnisse interessiert, sondern das Hammer-Konzept fortführen möchte, könne der Abverkauf jederzeit beendet und das Unternehmen auch in dieser Phase noch auf einen Investor übertragen werden.

Insolvenzverfahren wird eröffnet


Das zuständige Amtsgericht Bielefeld hat am 27. Januar 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Hammer Raumstylisten GmbH angeordnet und Rechtsanwalt Stefan Meyer von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Seither wird der Geschäftsbetrieb des Unternehmens im Rahmen der Möglichkeiten fortgeführt. Auf Basis des Sachverständigengutachtens des vorläufigen Insolvenzverwalters werde das Insolvenzverfahren voraussichtlich am 1. April 2026 eröffnet. Der vorläufige Insolvenzverwalter und sein PLUTA Team würden weiterhin mit allen Beteiligten unter Hochdruck daran arbeiten, eine Lösung für Hammer und für eine möglichst große Anzahl von Arbeitsplätzen zu finden.

Schwierige Rahmenbedingungen


Bereits wenige Tage nach der Insolvenzeinleitung sei Anfang Februar 2026 ein umfassender M&A-Prozess eingeleitet worden, der bis heute anhält und auch über den 1. April 2026 hinaus fortgesetzt werde. Insgesamt habe der M&A-Berater Dr. Wieselhuber & Partner, dort projektverantwortlich Dr. Marcus Backes, über 300 potenzielle Investoren aktiv angesprochen. Die bisherige Resonanz sei jedoch sehr ernüchternd, was unter anderem mit der zweiten Insolvenz innerhalb weniger Monate und einem sehr schwierigen Marktumfeld im flächengebundenen Retailgeschäft sowie dem finanziellen Zustand des Unternehmens im Zusammenhang stehe.

„Die Rahmenbedingungen in diesem Verfahren sind äußerst herausfordernd. Wir haben das Unternehmen beim Start in das Verfahren Ende Januar in einer einzigartigen Konstitution vorgefunden; die zweite Insolvenz innerhalb weniger Wochen, keine freie Anfangsliquidität, keine freie Insolvenzmasse und eine absolut unzureichende Warenversorgung für die hohe Anzahl der Hammer-Standorte. Letzteres konnte mangels finanzieller Mittel nur sehr eingeschränkt und im Ergebnis auch nur unzureichend behoben werden. Auch wenn jetzt der Räumungsverkauf über alle noch geöffneten Filialstandorte eingeleitet werden musste und dieser Schritt auch zum Schutz der Arbeitnehmer alternativlos ist, arbeiten wir weiter an einer Investorenlösung. Es gibt leider noch keinen Übernehmer für das Hammer-Fachmarktkonzept, was in Anbetracht der Ausgangssituation und des Zustandes des Unternehmens für mich letztlich nicht wirklich überraschend kommt. Sollte sich in den nächsten Wochen bestätigen, dass keine Lösung unter Fortsetzung des Hammer-Konzepts möglich ist, wird es unser Ziel sein und bleiben, dass möglichst viele Standorte mit anderen Retail- Konzepten fortgeführt werden können und die Mitarbeiter dort angestellt werden, dort dann eine neue Heimat finden. Die Beschäftigten zeigen trotz der sehr schwierigen Lage und in Anbetracht dessen, was ihnen in den letzten Monaten zugemutet wurde, weit überwiegend außergewöhnlich großen Einsatz, für den ich allen Mitarbeitern sehr dankbar bin; dadurch sehen wir uns auch in der Verantwortung, um die Arbeitsplätze mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften zu kämpfen“, erklärt der vorläufige Insolvenzverwalter und PLUTA Managing Partner Stefan Meyer.

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