Wolfenbüttel

Heimatgeschichte: Herbert Wolff erinnert an Erdfälle


Foto: Richert

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19.09.2014


Veltheim (Ohe). Die beiden Erdfälle in Veltheim sind eine geologische Besonderheit. Ortsheimatpfleger Herbert Wolff hat deren Entstehungsgeschichte recherchiert und chronistisch festgehalten. In seinem Bericht für die Ortschronik erinnert er daran, dass sich die Entstehung des neuen Erdfalls im September 2014 zum 65. Mal jährt:

„Es muss ein Tag voller Aufregungen und Turbulenzen gewesen sein, wie Augenzeugen berichteten. Arbeiter des Veltheimer Rittergutes, einige Frauen und Männer, die am frühen Morgen auf dem Feld Stecklinge zogen und auf einen Wagen luden, bemerkten zunächst eine große Überschwemmung, die durch eine kleine Quelle von zirka 20 Zentimeter Durchmesser entstanden war. Als sich einige Arbeiter während einer Arbeitspause am Feldrand zum Frühstück niedergesetzt hatten umstanden die anderen die kleine Quelle. Plötzlich bemerkten sie, dass sich der Untergrund, auf dem sie standen, verfärbte und feucht wurde und sich weitere kleine Quellen bildeten. Da sich der Boden senkte, verließen sie hastig die feuchte Stelle. Kurz darauf geriet der Erdboden vor ihnen in Bewegung, die Erde wölbte sich etwas 150 Zentimeter auf und brach danach in sich zusammen. Es entstand ein Krater von sechs Meter Durchmesser, der sich blitzschnell mit schmutzig schäumendem Wasser füllte. Bis zum Abend hatte das Wasserloch schon einen Durchmesser von 16 Metern und einen eigenen Abfluss zum nahe gelegenen Graben. Alle, die dies miterlebt haben, waren damals sehr erschrocken gewesen.

Das Aufsehen erregende Naturereignis war nicht nur für die Veltheimer, sondern auch für viele Schaulustige aus nah und fern einer Sensation. Das Wasserwirtschaftsamt Braunschweig beauftrage einen Geologen und ein Mitglied des Geologischen Instituts der TH Braunschweig, um die Ursache zu untersuchen. Erdfälle entstehen zu allen Zeiten über verschiedenen alten löslichen Gesteinen, besonders über den Gipslagern des Mittleren Muschelkalks und über dem Rötgips im Elm und am Elmrand. Das Wasser laugt unterirdische Gipsschichten aus, bis die Tragfähigkeit der Deckschichten nachlässt und diese einstürzen. Solange die Lösungsvorgänge in der Tiefe fortdauern, muss mit der Entstehung weiterer Erdfälle gerechnet werden. Ähnlich den Waldteichen des Elms wie der Gütte bei Langeleben, der Boye nördlich der Elmsburg und den Erdfällen im Reitlingstal sind auch die beiden Veltheimer Erdfälle entstanden. Der Trichter des neuen Erdfalls hat heute einen Durchmesser von etwa 20 Metern und ist zirka sechs Meter tief. Er fördert in der Sekunde fünf Liter Wasser, das ungenutzt über eine kurze Rohrleitung in den Erdfallgraben abfließt wo er sich mit dem Überlauf des alten Erdfalles vereint.

Beide Erdfälle liegen inmitten landwirtschaftlich genutzter Felder, genannt Erdfallbreite, im Osten der Veltheimer Gemarkung, „wohl über einer Spalte liegend, die bis zum großen Wasserreservoir des Elms reicht.“, wie es in der o. g. amtlichen Beschreibung heißt. Das Quellwasser der Erdfälle ist kristallklar und hat eine konstante Temperatur von etwa 11 Grad Celsius, sodass das Wasser im Winter nicht gefriert. Die Entfernung zwischen dem neuen und dem alten Erdfall beträgt ca. 150 Meter. Der alte Erdfall verbirgt sich hinter dichtem Buschwerk und einigen Bäumen, der jüngere ist umsäumt von hohen Silberpappeln und Büschen. Kein Weg führt zu ihnen, deshalb bleibt die Einsamkeit der seit 2001 besonders geschützten Biotope ungestört.“ Die Entstehung des so genannten „Alten Erdfalles“ sei unbekannt, so Wolff. Er sei aber bereits in der „Charte von dem Hochadelichen Guthe Veltheim an der Ohe“ aus dem Jahr 1771 und 1772 und „der „Charte der Feldmarken Gr. und Kl. Veltheim“ von 1841 verzeichnet.


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