Elm-Bau erhält Integrationspreis des Landes

von Nino Milizia


Symbolfoto: Alexander Panknin
Symbolfoto: Alexander Panknin

Königslutter. Am vergangenen Montag gaben Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und die Migrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf die Preisträger des Niedersächsischen Integrationspreises bekannt. Unter den ausgezeichneten Unternehmen ist auch die Elm-Bau aus Königslutter dabei.


Seit 2015 bildet das überbetriebliche Ausbildungszentrum der EB Elm Bau GmbH in Königslutter im Landkreis Helmstedt hand­werklich interessierte Geflüchtete aus. Die Elm Bau ist dabei vernetzt mit Diakonie, DRK, Caritas, Flüchtlingsvereinen und privaten Flüchtlingsbegleitern ebenso wie mit der Agentur für Arbeit und allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen. Derzeit sind 15 Geflüchtete bei der EB Elm Bau GmbH in Ausbildung.

Im Gespräch mit Dirk Ebrecht, Sprecher der Elm-Bau GmbH:


Herr Ebrecht, woher kommen ihre geflüchteten Auszubildenden und wieviele sind es?
Unsere derzeit 15 Flüchtlingsazubis kommen aus sechs verschiedenen Ländern, unter anderem aus Eritrea, Somalia, der Elfenbeinküste und Afghanistan.

Wie kommen die jungen Menschen denn bei Ihnen in die Ausbildung?
Der eigentlichen Ausbildung zum Handwerker geht ein Auswahlprozess voraus, unter anderem durch Flüchtlingsinitiativen, Agentur für Arbeit et cetera, dazu zählen zudem Phasen der Hospitation sowie ein Praktikum. Dabei kann der derjenige sowie auch das Unternehmen feststellen, ob der junge Mensch für eine Handwerkerausbildung geeignet ist, beziehungsweise welches Handwerk sinnvoll ist.

Und wie kam es zu der Idee?
Die Idee zur Integration von Flüchtlingen wurde im Unternehmen geboren. Die Elm Bau GmbH gehört zur FIBAV-Unternehmensgruppe. Die FIBAV ist ein Familienunternehmen, das auf eine gute Ausbildung und Integration Wert legt. Zudem spielt natürlich der Fachkräftemangel, insbesondere die Nachwuchsthematik im Handwerk, eine zusätzliche Rolle.

Wie gestaltet sich denn die Ausbildung im Detail?
Die Ausbildung wird zu einem großen Teil im unternehmenseigenen Ausbildungszentrum geleistet. Die FIBAV-Gruppe hat dieses Ausbildungszentrum vor knapp zwei Jahren gegründet, in zusätzliches Ausbildungspersonal- und Material investiert. Unter anderem wird innerbetrieblich Deutschunterricht erteilt, unter anderem Fachdeutsch für die Baustelle. Ferner zählt dazu die eigentliche fachliche Ausbildung im jeweiligen Handwerk sowie die gezielte Unterstützung für die Berufsschule.

Treten denn in der Ausbildung Besonderheiten auf, mit denen Sie sich konfrontiert sehen?
Eine Besonderheit ist sicher die Zusammenarbeit/ Integration mit den deutschen Kollegen. Hier lernen alle Beteiligten dazu; die interkulturelle Kompetenz wird ganz praktisch gefördert.

Was bedeutet Ihrem Unternehmen diese Auszeichnung?
Wir freuen uns über diese öffentliche Anerkennung, möchten aber festhalten, dass die Flüchtlingsintegration in die deutsche Berufswelt weiterhin große Anstrengung erfordert. Hier kann man nicht nur auf „staatliche“ Unterstützung setzen. Hier sind viele einzelne gefragt, die sich persönlich einbringen und sich beispielsweise um die Anmietung von Wohnungen oder die Ausstattung mit einem ersten Hausstand kümmern. Integration in den Arbeitsmarkt bedeutet weit mehr als nur die Bereitstellung eines Ausbildungsplatzes. Hier wird ein Unternehmen in Gänze und einzelne Mitarbeiter mit ihrem jeweiligen persönlichen Können und Engagement gefordert. Integration bleibt somit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Was ist der Niedersächsische Integrationspreis?


Der Niedersächsische Intergrationspreisist mit insgesamt 24.000 Euro dotiert. Das Bündnis „Niedersachsen packt an" zeichnet zudem einen Bewerber mit einem Sonderpreis aus und unterstützt dessen Engagement mit einem Preisgeld in Höhe von 6.000 Euro. Der Niedersächsische Integrationspreis wird in diesem Jahr zum achten Mal vergeben. Er steht unter dem Motto „Angekommen. Ausbildung in Niedersachsen".

Der Jury, die die Preisträger aus über 90 Vorschlägen ausgewählt hat, gehörten neben Schröder-Köpf unter anderem der Hildesheimer und katholische Bischof Norbert Trelle und die aus Polen stammende Braunschweiger Künstlerin Sabina Kaluza sowie Nariman Reinke vom Verein „Deutscher Soldat“ an.

Durch den Wettbewerb sollen gute Ansätze bekannt gemacht werden, die die Integration in Ausbildung fördern. Diese sollen andere dazu anregen, sich ebenfalls für echte Teilhabe durch die Ausbildung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte einzusetzen. Der Wettbe­werb richtet sich an Initiativen, Vereine oder Institutionen, Unternehmen, Betriebe und Kam­mern, die Flüchtlinge und andere Zugewanderte in Niedersachsen in Ausbildung bringen und dadurch zu deren Integration in den Arbeitsmarkt beitragen.

Mit der Wahl des Mottos knüpfen Weil und Schröder-Köpf an die Arbeit des Bündnisses „Nie­dersachsen packt an" an. Nach dem Spracherwerb seidie Integration in Ausbildung der nächste entscheidende Schritt für wirkliche Teilhabe. Menschen, die in Niedersachsen ausgebildet werden, seienhier angekommen. Sie qualifizieren sich und können ihre Potentiale zum Wohle der Gesellschaft entfalten und unseren Wirtschaftsstandort stärken. Eine gute Ausbildung seidie entscheidende Grundlage für beruflichen Erfolg und für eine eigenständige Existenzsi­cherung.

Der Festakt zur Vergabe des Niedersächsischen Integrationspreisesfindet amDienstag, 29. August, ab 18 Uhr im Alten Rathaus in Hannoverstatt.


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