Schöningen. Es ist in der Region und sogar in Niedersachsen eine Premiere: Seit dieser Woche zählt das Gymnasium Anna-Sophianeum in Schöningen zu den Schulen, die über eine Schulgießerei verfügen – als einzige im gesamten Bundesland. Das Angebot geht auf die private Spende eines Gießerei-Enthusiasten zurück.
Die Initiative war von einem ehemaligen Helmstedter ausgegangen. Heiko Lickfett erklärt: "Die Region Helmstedt hat mir meine Schulbildung und damit die Grundlage meiner beruflichen Entwicklung ermöglicht. Daher möchte ich der Region etwas zurückgeben." Er sei 35 Jahre im Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie tätig gewesen und hat dort das Konzept Schulgießerei entwickelt, "um Kinder und Jugendliche während der Schulzeit für Technik, speziell für das Metallgießen, zu begeistern", wie er berichtet.
Schulgießerei gespendet
Nun habe sich Lickfett im Ruhestand entschlossen, eine dieser Schulgießereien zu spenden. Über eine familiäre Verbindung kam dann der Kontakt nach Schöningen zustande: Bruder Uwe Lickfett wohnt nicht weit entfernt von Sebastian Pach, Physik- und Chemie-Lehrer am Schöninger Gymnasium. "Uwe Lickfett und meine Familie, wir kennen uns schon lange", erklärt Pach, der ebenfalls reichlich Begeisterung für die Schulgießerei mitbringt.
"Es ist schon sehr cool, dass wir jetzt landesweit damit anfangen. Die Begeisterung ist groß", sagt der Lehrer im Gespräch mit regionalHeute.de. Das 5.000 Euro teure Paket – "eher ein Schrank", wie Pach es beschreibt – des Bundesverbands der Deutschen Gießerei-Industrie, das neben dem Ofen auch weitere Utensilien und Schutzkleidung beinhaltet, ist inzwischen angekommen und wurde der Schule offiziell übergeben.
Flüssiges Metall in Formen gießen
Im Ofen können die Schüler Metall schmelzen und dieses danach in Formen gießen, abkühlen lassen und anschließend weiterbearbeiten. Nun geht es noch darum, wo genau – in welchem Raum – die Gießerei zum Einsatz kommt. "Im Moment ist es noch halb verpackt. Wir haben schon Ideen, wo es hin könnte. Das Thema Sicherheit ist dabei natürlich vorrangig", erklärt Pach mit Blick auf die hohe Hitzeentwicklung und das dann flüssige Metall.
Wie die Gießerei im Unterricht zum Einsatz kommen kann – da sprudelt der Lehrer vor Ideen fast schon über. "Metallguss findet man im Alltag fast überall. Vom Schmuck bis zur Heizung, es gibt jede Menge Alltagsgegenstände, die etwas damit zu tun haben." In den Naturwissenschaften könne die Gießerei hilfreich sein, aber auch die handwerkliche Metallbearbeitung wäre ein Thema. Von Bronzezeit im Geschichtsunterricht bis zu den Phasenübergängen in der Chemie – schulisch gebe es mehr als genug Anknüpfungspunkte.
Und auf eine langfristige Beschäftigung mit dem neuen Set freut sich Pach ebenfalls. "Ich leite die Experimentier-AG. Da können wir uns über Wochen mit der Gießerei beschäftigen."
Für Initiator Heko Lickfett liegen die Vorzüge einer Schulgießerei offensichtlich auf der Hand: "Das Metallgießen bietet die Chance, einen perfekten interdisziplinären Ansatz an Schulen zu verfolgen, Physik, Chemie, Mathematik zu verbinden. In der Gießerei-Industrie finden sich zudem 3D-Druck-Entwicklungen sowie KI-Ansätze wieder."

